Brennpunkt Bildgebung: Paradigmenwechsel in der Behandlung von Herz Thorax Erkrankungen

Wien (OTS) - 25\. Februar 2015. Neben der personalisierten Bildgebung gibt es aktuell eine weitere Herangehensweise in der Radiologie, welche die klinische Praxis verändern und zum Wohle der PatientInnen beitragen soll. Unterstützt durch neue Technologien, die es ermöglichen den gesamten Körper deutlich schneller zu untersuchen, wirft die Radiologie nun einen Blick auf die PatientInnen als Ganzes.

Erkrankungen von Herz und Thorax oft in engem Zusammenhang
Wenn es einen Bereich gibt, wo diese Herangehensweise einen enormen Unterschied ausmachen kann, ist dies auf jeden Fall in der Herz-Thorax Bildgebung, wo Krankheiten sehr oft miteinander in Verbindung stehen.

Jahrelang war es in der Radiologie Trend, nach einer größtmöglichen Subspezialisierung zu streben. RadiologInnen, die sich auf den kardiovaskulären oder Thorax Bereich spezialisierten, waren auf ihre Disziplin fokussiert, mit oft mehr oder weniger Interesse darüber hinaus. Aber gerade innerhalb dieser Subspezialitäten kommt es zurzeit zu einem Paradigmenwechsel, da immer evidenter wird, dass Erkrankungen des Herzens und des Thorax sehr oft in engem Zusammenhang stehen, so Prof. Christian Loewe, amtierender Leiter der Abteilung für Kardiovaskuläre und Interventionelle Radiologie der Medizinischen Universität in Wien.

"In der Vergangenheit wurden PatientInnen radiologisch entweder mit einem Fokus auf Thorax- oder kardiovaskuläre Erkrankungen untersucht. Diese Entscheidung basierte in den meisten Fällen auf der Grundlage der klinischen Erstuntersuchung. Allerdings gibt es eine Vielzahl an Situationen und Krankheiten, wo Thoraxschmerzen von Herzkrankheiten verursacht werden und umgekehrt. Es gibt ein umfangreiches Zusammenspiel zwischen Thorax und Herz und aus diesem Grund ist es interessant und sehr wichtig, dass dies mittlerweile genauer betrachtet wird", so Loewe.

Verschiedene Ursachen als Grund für Brustschmerzen
Einige der gravierendsten Ursachen für Brustschmerzen liegen im kardiovaskulären Bereich, unter anderem akute Herzinfarkte oder akute Aorten-Erkrankungen. Ebenso kann akuter Brustschmerz aber auch auf Grund von einer Reihe an Lungenerkrankungen vorliegen, wie akuter Lungenembolie oder einer Lungenentzündung. Somit liegt es auf der Hand, dass sich RadiologInnen mit den verschiedenen, oft lebensbedrohlichen, Erkrankungen auseinandersetzen müssen, unabhängig davon ob es sich um Herz, Lunge oder Thorax handelt.

Ebenso ist es entscheidend, die Rolle der Bildgebung bei akutem und chronischem Brustschmerz richtig zu verstehen und die Resultate aus diesem neuen Blickwinkel heraus zu beurteilen. "Wir sollten uns hierbei nicht nur auf einen einzigen Bereich, zum Beispiel die Koronararterien, fokussieren, sondern gleich das Herz als Gesamtes betrachten und dessen Anatomie und Funktion im Ganzen überprüfen. Darüber hinaus bietet die Bildgebung heutzutage eine exzellente Qualität und Auflösung an, sodass eine CT des Herzens auch die Lunge detailreich darstellt und genauso auch umgekehrt. Wir müssen also lernen, auch andere Organe gleich mit zu betrachten", so Loewe.

Risikogruppen wortwörtlich auf Herz und Lunge untersuchen

Dies gilt vor allem auch, da es in Risikogruppen oft zu Überschneidungen kommt und RisikopatientInnen für kardiovaskuläre Erkrankungen, Arteriosklerose oder Lungenkrebs oft dieselben sind. "Wenn wir PatientInnen mit Verdacht auf Lungenkrebs haben, sollten wir Wege finden, auch gleich kardiovaskuläre Erkrankungen im selben Vorgang zu untersuchen. Ebenso sollten wir bei PatientInnen mit bereits bekannten Herzkrankheiten auch immer nach Anzeichen von Lungenkrebs Ausschau halten, da viele oft auch Raucher sind und wir hier von derselben Risikogruppe sprechen", führt Loewe weiter aus.

Abgesehen von den Auswirkungen des Rauchens auf die Arteriosklerose, liegt der Fokus in der Radiologie bei RaucherInnen nach wie vor stark auf der Darstellung von Lungenemphysem und Atemwegserkrankungen. Gerade hier haben aber aktuelle Empfehlungen für die Behandlung von COPD PatientInnen gezeigt, dass es eine große Zahl an kardiovaskulären Komorbiditäten gibt, deren Ursachen entsprechend behandelt werden müssen.

Ab 4. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen

Beim 27. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 4. bis 8. März 2015 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 62.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

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