TIROLER TAGESZEITUNG, Ausgabe vom 25.02.2015, Leitartikel von Max Ischia: "Ein Eigentor bleibt ein Eigentor"

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Die Verlegung der Fußball-WM 2022 in Katar in den Spätherbst/Winter war der einzig noch gangbare Weg für den Weltverband FIFA. Am hartnäckig anhaltenden Mief dieser WM-Vergabe ändert diese Verlegung aber rein gar nichts.

Erst rollt der Rubel, dann die Petro-Dollars. Und die Moral? Steht da wie dort im Abseits. Damit ist die Groteske um die Vergabe-Modalitäten des Fußballweltverbandes FIFA auch schon auf einen geldgeilen Nenner gebracht. Man muss sich das einmal auf der verbitterten Zunge zergehen lassen: 1544 unendlich lange Tage ist es her, dass die FIFA die Fußball-WM-Endrunden an Russland (2018) und Katar (2022) vergeben hat. An zwei Länder also, die seit jeher ihre eigene Interpretation im Umgang mit Menschenrechten pflegen. Okay, Russland hatte beim Zuschlag am 2. Dezember 2010 noch nicht die Krim annektiert und die Separatisten nicht im Krieg gegen die Ukraine unterstützt. Aber in Katar wars in den Sommermonaten schon damals brütend heiß: bis zu 50 Grad Celsius - im Schatten wohlgemerkt. 1544 unendlich lange Tage ist es also her, bis die FIFA-Bonzen auf das wohl größte Eigentor ihrer Verbandsgeschichte reagierten und die WM-Endrunde in Katar nun in den Spätherbst bzw. Winter verlegten. Stimmt die FIFA-Exekutive am 19./20. März dem Vorschlag seiner Task Force zu, so wird die Wüsten-WM im November und Dezember 2022 stattfinden.
So grotesk eine Fußball-WM im Advent für unsereins auch anmutet, die Verlegung war der einzig noch gangbare Weg in diesem Labyrinth aus Bestechungsvorwürfen und unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Ein Eigentor bleibt freilich ein Eigentor.
Der vom Europäischen Fußballverband UEFA ins Spiel gebrachte Jänner/Februar-Termin wäre wegen der direkten Konkurrenz mit den Olympischen Winterspielen (in Almaty oder Peking) ein Lapsus gewesen. Der von der Europäischen Klubvereinigung angeregte April/Mai-Termin wäre mit dem Ramadan, dem Fastenmonat der Muslime, kollidiert. So müssen nun eben die europäischen Topligen samt Champions League ihre Terminkalender umstellen. Und der FIFA wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als die dadurch entstehenden Einbußen finanziell auszugleichen. Sie wird diese Sonderausgaben aus der Portokasse bestreiten.
Warum aber wurde Katar die WM nicht überhaupt weggenommen? Weil dafür bislang trotz aller Korruptionsvorwürfe die rechtliche Grundlage fehlt und die FIFA mit immensen Schadenersatzforderungen konfrontiert worden wäre.
So oder so: Die Vergabepolitik der Mächtigen stinkt zum Himmel. Und da ist es völlig egal, ob dieser im Juni oder im Dezember wolkenlos ist.

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