OÖNachrichten-Leitartikel: "Winter, Wüste, Witzfiguren", von Christoph Zöpfl

Ausgabe vom 25. Februar 2015

Linz (OTS) - Vor vier Jahren hat der Fußball-Weltverband FIFA die WM 2022 an Katar vergeben. Und "schon" jetzt ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass im Emirat am Persischen Golf aufgrund der Hitze im Sommer nicht im Freien Fußball gespielt werden kann. Gestern hat die von der FIFA eingesetzte Task Force folgerichtig vorgeschlagen, die WM 2022 in Katar nicht im Sommer, sondern im November und Dezember auszutragen. Der Aufschrei der Vertreter wichtiger europäischer Ligen beziehungsweise Klubs war vorhersehbar.
Die Winter-WM in der Wüste kommt den Spielplänen der deutschen Bundesliga, der englischen Premier League, der spanischen Primera División oder auch der UEFA-Champions-League wie ein Geisterfahrer entgegen. Das Ausweichmanöver wird viel Geld kosten. Daran dürfte es nicht scheitern. Geld hat die FIFA genug, was fehlt, ist der Anstand. Denn die Vergabe der WM an Katar war nicht nur grotesk, sondern vor allem unanständig und entlarvend. Wenn die Kassa stimmt, dann schicken FIFA-Präsident Joseph S. Blatter und seine Hampelmänner den Fußball sogar in die Wüste. Das ist bedauerlich, verdeutlicht aber gleichzeitig ein Sittenbild: Geld regiert die Welt, zuerst kommt das Fressen, dann die Moral. Der Fußball ist da keine Ausnahme. Nicht nur die sonderbare Vergabe der WM 2022 an Katar kann als Beleg für diese Behauptungen angeführt werden.
Gerade jene Liga- und Klubmanager, die jetzt gegen die Winter-WM wettern, sitzen gut gepolstert in Glashäusern, wenn sie der FIFA Geldgier vorwerfen. In England wurden Klubs an Oligarchen und Scheichs verscherbelt. In Spanien wird eine Runde auf vier Spieltage und neun verschiedene Ankick-Zeiten zwischen 12 und 22 Uhr zerstückelt, um sie bestmöglich zu vermarkten. Auch in Deutschland werden neue Stundenpläne geschrieben, um bei den TV-Rechten höhere Erträge zu erzielen. Der Profi-Fußball ist eine Sparte der Unterhaltungsindustrie. Höhere moralische Ansprüche zu stellen, als auf dem Spielfeld der Weltwirtschaft üblich sind, ist plausibel, aber auch naiv.
Die WM 2022 in Katar setzt den Trend einer bedingungslosen Kommerzialisierung des Fußballs fort, allerdings wird eine neue Spielart sichtbar: Zuerst war die FIFA nur von der Profitgier getrieben, jetzt kommt auch noch die Dummheit dazu. Höchste Zeit, die Witzfiguren vom Platz zu stellen.

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