WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Strukturelle Vertriebsprobleme" - von Oliver Jaindl

Für das System "Lyoness" gab es eine herbe Abfuhr.

Wien (OTS) - Das Wiener Handelsgericht hat nach einer VKI-Klage 61 von 61 gerügten Klauseln in den AGB der Rabatt-Community Lyoness aufgehoben. Hier ging es um die früher beliebten Business-Pakete:
Verkürzt formuliert sollten Konsumenten in den Vertrieb eingebunden werden und wie Subunternehmer an Lyoness' Wachstum partizipieren. Man könnte aber auch sagen, dass dieser Teil von Lyoness als Strukturvertrieb organisiert war bzw. ist.

Das Urteil - so es hält - zeigt aber ein größeres Problem auf, das nicht nur Lyoness betrifft: Nämlich, ob Marketing im Strukturvertrieb aus Unternehmersicht überhaupt funktionieren kann - so verlockend der Gedanke auch ist, dass der Vertrieb (in der Theorie) durch Anwerbungsschneeballeffekte exponentiell wächst.

Es gibt einige, seit Jahrzehnten existierende Strukturvertriebe, die weitgehend ohne Kritik von Verbraucherschützern dahinwirtschaften -hier muss man gar nicht an einen Hersteller von Plastikgeschirr denken, es gibt auch andere. Gefährlich wird es aber, wenn der Vertrieb mit rein theoretischen Wachstumsraten Mitgliedern einredet, in kurzer Zeit reich werden zu können. Üblicherweise funktioniert das nur, wenn man selbst einen Vertrieb gründet.

Im Regelfall geht es eher darum, dass Verwandte und Bekannte des Neo-Mitglieds als Kunden gewonnen werden sollen. Ist das soziale Umfeld leer gefischt, versiegt der Absatz - und nix wird's mit dem Leben im Reichtum.

Daher ist eine Lanze für die althergebrachte Art, Produkte abzusetzen, zu brechen. Nicht komplizierte und in rechtlichen Grauzonen zwischen Unternehmens-, Handelsvertreter- und Konsumentenrecht angesiedelte Systeme sind auf Dauer erfolgreich, sondern das System, das es schon seit Jahrtausenden gibt: Nämlich, dass ein Händler seinen Kunden etwas verkauft und nicht versucht, aus dem Kunden gleichzeitig einen Marketingmitarbeiter, einen Verkäufer und später einen Großvertriebspartner zu machen. Das bereitet (wenn auch nicht in allen, aber doch) in vielen Fällen Probleme. Das Recht unterscheidet eben nur zwischen Verbraucher und Unternehmer: Auf Mischformen ist es nicht ausgelegt.

Klagen und juristischer Zank sind daher - strukturell - vorgegeben. Dass sich Lyoness mittlerweile neu aufgestellt hat und genau diese Trennung zwischen Unternehmer und Konsumenten vornimmt, ist eine Bestätigung dieser Feststellung.

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