Dialog-Forum der Lebenshilfe: Zukunft aus der Zukunft gestalten

Linz (OTS) - 13. Februar 2015

Personenzentrierte Begleitung ermöglicht neue Perspektiven in der Sozial- und Behindertenarbeit. Es geht um Selbstbestimmung und selbstverständliche gesellschaftliche Teilhabe, die auch die UN-Behindertenrechtskonvention einfordert. Mit ihrem Vortrag im Linzer Ursulinenhof begeisterte die renommierte US-Amerikanerin Beth Mount mehr als 200 TeilnehmerInnen.

Die bekannte amerikanische Expertin Beth Mount begeisterte beim Dialog-Forum der Lebenshilfe im Linzer Ursulinenhof mit dem Thema "Persönliche Zukunftsplanung". In der Persönlichen Zukunftsplanung geht es darum, gemeinsam mit dem Umfeld der planenden Person eine Vorstellung von einer guten Zukunft zu entwickeln, Ziele zu setzen und diese Schritt für Schritt umzusetzen. Dabei steht immer der Mensch im Mittelpunkt. Es geht darum, eine wertgeschätzte Rolle in der Gemeinschaft einzunehmen. Daher bietet sich die Persönliche Zukunftsplanung in Übergangssituationen an - beispielsweise von der Schule ins Berufsleben, bei der Planung einer neuen Wohnsituation oder beruflichen Veränderung.

"Dabei sind immer auch Mut und Kreativität gefragt", fährt Beth Mount fort. "Eine selbstverständliche Teilhabe in allen Lebensbereichen ist das höchste Ziel in der Arbeit für und mit Menschen mit Beeinträchtigungen!" Wie wichtig personenzentriertes Denken und Handeln in der Behindertenarbeit ist, zeigt das rege Interesse an dem Vortrag und dem Workshop mit über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Linz.

In ihrer Begrüßungsrede zeigte sich die Soziallandesrätin Mag. Gertraud Jahn stolz über die guten Entwicklungen in Oberösterreich hinsichtlich Persönlicher Zukunftsplanung. Sie unterstrich in ihrem Plädoyer die Bedeutsamkeit eigenständiger Lebensentscheidungen und führte zahlreiche Beispiele an, wie Menschen mit Beeinträchtigungen in den Bereichen Wohnen, Arbeit und Erwachsenenbildung ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft werden können. "In Würde und selbstbestimmt leben zu dürfen, stellt ein Kernstück der UN-Behindertenrechtskonvention dar und trägt zum Allgemeinwohl der Gesellschaft bei. Das brauchen wir alle", finalisiert die Landesrätin voller Passion für die Zukunft in der Sozialpolitik.

Sich intensiv mit dem Thema "Leben und Zukunft selbst gestalten" auseinanderzusetzen, ist der US-Amerikanerin Beth Mount seit 40 Jahren ein großes Anliegen. "Persönliche Zukunftsplanung" ist für Beth Mount eine Voraussetzung für ein Leben ohne Vorurteile, Barrieren oder Bevormundungen für Menschen mit Beeinträchtigungen. Im New Yorker Stadtteil Harlem hat Mount unzählige Sozialprojekte initiiert, die alle auf eine stärkere Teilhabe von Menschen Beeinträchtigungen ausgerichtet sind.

Beim Dialog-Forum in Linz - anlässlich des Abschlusses eines PZP-Moderatorenlehrgangs der Lebenshilfe Österreich - wurden Wege präsentiert, wie Menschen mit Beeinträchtigungen ihr Leben frei von institutionalisierten Zwängen und bevormundender Fachlichkeit gestalten können. Institutionen, Gemeinschaften und Organisationen müssen sensibler werden, um als aktives Wohn- und Lebensumfeld neue Zukunftsperspektiven für Menschen mit Beeinträchtigungen zu ermöglichen. Die Inhalte der Veranstaltungen waren unter anderem, Anregungen für eine gelungene Teilhabe in der Gesellschaft zu erarbeiten und mögliche Veränderungen und Herausforderungen mit der Pionierin für Persönliche Zukunftsplanung zu analysieren.

"Das kann uns alles aber nur gelingen, wenn wir als Gemeinschaft auftreten und uns gegenseitig unterstützen", so die Expertin Beth Mount. "Wir müssen genau zuhören, was Menschen mit Beeinträchtigungen mit ihrem Leben anfangen wollen, welche Ziele sie haben".

Am Beispiel des amerikanischen Jungen Ken unterstreicht Beth Mount ihre positiven Erfahrungen und die tiefgreifenden Lebensveränderungen die mit Persönlicher Zukunftsplanung möglich sind. Ken ist taub und blind. Eine selbstbestimmte Zukunft konnte Ken durch einen Unterstützerkreis - Angehörige, Bekannte und Vereine ermöglicht werden, da sich seine Umgebung auf Kens Stärken und nicht auf seine Schwächen konzentrierte. So fand Ken seinen Traum-Job auf einem Bauernhof", so Mount zum Abschluss Ihres Vortrages in Oberösterreich.

Persönliche Zukunftsplanung ist ein wichtiger Schwerpunkt der Lebenshilfe Österreich. "Selbstverständliche Teilhabe in unserer Gesellschaft ist für Menschen mit Beeinträchtigungen die Grundvoraussetzung für ein erfülltes Leben", betont Albert Brandstätter, Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich und zeigt sich begeistert von Beth Mount.

"Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung leben erst dann selbstbestimmt, wenn sie selbst Entscheidungen über ihr Leben treffen können. Sie brauchen auf ihre Bedarfe zugeschnittene Unterstützungsangebote, aus denen sie auswählen können. Als zentralen Ansatz der Entscheidungsfindung empfiehlt die Lebenshilfe Österreich Persönliche Zukunftsplanung und fordert die Länder auf, diese Methode und auch die Arbeit von Unterstützungskreisen abzusichern und in die Leistungskataloge der Behindertenhilfe aufzunehmen", so der Generalsekretär abschließend.

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