TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 10. Februar 2015 von Peter Nindler - Fleißaufgabe für die UMIT-Schublade

Innsbruck (OTS) - Utl: Die strukturellen Mängel an der privaten Universität des Landes in Hall sind seit ihrer Gründung 2001 bekannt. Einmal mehr hat sie der Landesrechnungshof aufgezeigt. Vermutlich bleibt es eine Fleißaufgabe für das Landesarchiv.

Die private Universität des Landes UMIT wird seit Jahren politisch schöngeredet. Und das, obwohl der Landesrechnungshof bereits mehrmals massive strukturelle und inhaltliche Mängel aufgezeigt hat. Noch dazu bescherte die Aberkennung des Doktoratsstudiums der Gesundheitswissenschaften dem bildungspolitischen Prestigeprojekt einen Wissenschaftsskandal ersten Ranges. Doch die Landesregierung, zuerst schwarz-rot und jetzt schwarz-grün, bleibt bei ihren Beruhigungspillen, um sich der Diskussion über die UMIT-Zukunft zu entziehen.
Im Herbst wurde die Beteiligung der Innsbrucker Universität an der UMIT bekannt gegeben, später übernahm Uni-Vizerektorin Sabine Schindler in Personalunion auch die Leitung der UMIT und in der Vorwoche hat der Landtag beinahe diskussionslos weitere 35,6 Millionen Euro für Universität des Landes beschlossen. Natürlich darf die UMIT finanziell nicht ausgehungert werden - aber: Es wäre politisch vernünftiger gewesen, sich zuerst mit den Empfehlungen des Rechnungshofs auseinanderzusetzen und erst dann grünes Licht für die Finanzspritze zu geben.
Die Landesmittel nicht pauschal zu vergeben, sondern mit Erfolgszielen zu verknüpfen, hätte die Politik schon längst als Zielvorgabe formulieren müssen. Und trotz der immer wieder genannten 60 Millionen Euro, die die UMIT in den vergangenen 14 Jahren selbst erwirtschaftet hat, ist die Eigenfinanzierungsquote nach wie vor zu gering. Darüber sollte die Landesregierung reden und endlich eine Perspektive für die UMIT formulieren.
Das Gegenteil ist der Fall: Man wird das Gefühl nicht los, die Hochschule des Landes ist politisch sakrosankt. Gleichzeitig fühlt sich ihre Führung stets missverstanden, wenn Kritik geübt wird. Zweifelsohne hat sich die UMIT weiterentwickelt und in den Pflegewissenschaften eine Führungsrolle eingenommen, doch das Gesamtpaket ist nach wie vor nicht stimmig.
Die "überzahlte Abfertigung" für den ehemaligen Geschäftsführer Roland Staudinger schmerzt. Aber sie passt ins holprige Bild der UMIT. Vielmehr schmerzt jedoch die Tatsache, dass der Rechnungshof Vorschläge gemacht hat, die von vermehrter Auftragsforschung bis hin zu Einsparungspotenzialen reichen, die vermutlich jetzt wieder unter den Tisch gekehrt werden. Man will ja schließlich die Reakkreditierung eines Prestigeprojekts nicht gefährden. Dieses Prädikat hat die UMIT allerdings trotz der vielen Landesmillionen bisher noch nicht erreicht.

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