Titschenbacher startet Zukunftsdialog "Zukunft Land- und Forstwirtschaft 2030"

2015 bringt neue und große Herausforderungen für die Landwirtschaft

Graz (OTS) - "Nach dem harten Agrarjahr 2014, das von Hochwasser, Ernteeinbußen und einem deutlichen Einkommensminus geprägt war, folgen heuer für die Landwirtschaft neue, große Herausforderungen", unterstreicht der Präsident der Landwirtschaftskammer Steiermark, Franz Titschenbacher. Er startet mit den steirischen Bäuerinnen, Bauern und der bäuerlichen Jugend einen Zukunftsdialog, um gemeinsam realistische Chancen, Möglichkeiten, Wege und Nischen für die Familienbetriebe zu entwickeln. Titschenbacher: "Es geht mir darum, die Bauernfamilien zu ermutigen, zukunftsorientierte Wege mit ihren Höfen mit Blick auf das Jahr 2030 zu gehen und den wichtigen Agrarstandort Steiermark zu sichern." Die erste Denkwerkstatt mit der bäuerlichen Jugend war ein voller Erfolg, ab März finden in den Bezirken weitere sechs Veranstaltungen statt. Aus den Ergebnissen, Vorschlägen und Inputs wird dann ein umsetzungsreifes Zukunftskonzept "Land- und Forstwirtschaft 2030" entwickelt.

Neue, große Herausforderungen

Als besondere Herausforderungen für 2015 führt der Präsident an:
"Die Umsetzung der reformierten EU-Programme, die bis 2020 gelten, die Liberalisierung des Milchmarktes mit Auslaufen der Quote Ende März sowie die Bekämpfung des Maiswurzelbohrers." Ferner ist kein Ende des Russland-Importstopps, das insbesondere die Apfel-, Milch-und Schweinebauern trifft, abzusehen. "Insbesondere für Schweinefleisch ist es bereits gelungen, einen ersten Fuß in die Türen neuer Märkte in Ostasien zu stellen", unterstreicht Titschenbacher. Und neuen Vermögens- oder Substanzsteuern, die im Zuge der laufenden Steuerreform-Verhandlungen immer wieder ventiliert werden, erteilt er eine klare Absage.

Bauern bereiten sich auf Umsetzung der neuen EU-Programme vor

Derzeit werden die Feldstücke und Schläge der Höfe digital vermessen, was Grundlage für die Teilnahme am neuen von EU, Land und Bund unterstützten Ländlichen Entwicklungsprogramm mit dem Herzstück Umwelt- und Bergbauernprogramm sowie der Investitionsförderung ist. So werden die steirischen Bäuerinnen und Bauern zahlreiche umweltorientierte, lebensraumfördernde und kulturlandschafts-erhaltende Maßnahmen wie beispielsweise "Umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung" (UBB), "Biologische Wirtschaftsweise", "Bewirtschaftung von Bergmähwiesen" umsetzen.

Titschenbacher: "Trotz weniger Mittel ist es gelungen, treffsichere Programme anzubieten. Es ist möglich, die Jungbäuerinnen und Jungbauern mit einer Niederlassungsprämie, einer höheren Investitionsförderung und einem 'Betriebsprämien Top-up' besonders zu unterstützen. Auch die kleineren Bergbauernhöfe und jene mit besonders steilen sowie schwer und mit viel Handarbeit zu bearbeitenden Hängen erhalten eine bessere Unterstützung als bisher." Und die Mittel für die Biobauern wurden österreichweit von 97 auf 112 Mio. Euro jährlich aufgestockt. Damit können bei einer derzeit durchschnittlichen Bio-Betriebsgröße von rund 20 ha österreichweit 3.000 neue Bioeinsteiger zusätzlich gefördert werden. Auch die Investitionsfördermittel wurden erhöht: "Unser großes Bemühen geht dahin, die Vielfalt der steirischen Betriebszweige ausgewogen zu unterstützen, wobei erstmals ein Auswahlverfahren nach bestimmten Punktekriterien umgesetzt wird. Die Investitionsförderung ist ein wichtiger Impulsgeber für die Höfe und die regionale Wirtschaft. Jeder Förder-Euro löst insgesamt fünf Euros an Investitionen bei Gewerbe- und Industriebetrieben aus." Titschenbacher resümiert: "Die Vorteile dieser EU-Programme für die Bevölkerung sind sichere und leistbare Lebensmittel sowie eine gepflegte, saubere Kulturlandschaft und Umwelt."

Liberalisierung des Milchmarktes

"Das Auslaufen der Milchquote mit Ende März und der Preisdruck durch den Russland-Importstopp stellt die Milchbauern vor enorme Herausforderungen", unterstreicht der Kammerpräsident. "In dieser Situation erwarten wir uns wirksame Hilfsmaßnahmen durch die EU. Konkret aufgrund der gestiegenen Produktionskosten ein besseres preisliches Sicherheitsnetz zur Preisabsicherung, also eine Erhöhung des EU-Interventionspreises von 21 Cent auf 30 Cent je Kilo." Generell wird die Milchanlieferung deutlich steigen und die Mehrmengen müssen außerhalb Österreichs abgesetzt werden. Die Molkereien haben bereits vorgesorgt und ihre Verarbeitungskapazitäten erweitert sowie mit den Milchbauern neue Lieferbedingungen festgelegt.

Dreier-Strategie zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers

"Eine große Herausforderung ist die Bekämpfung des Diabrotica-Schädlings, der im vergangenen Jahr erhebliche Schäden im Maisanbau, aber auch bei anderen Kulturen wie beispielsweise Gemüse, angerichtet hat", betont der Präsident. Eine von der LK eingesetzte und auf Hochtouren arbeitende Task force hat nach intensiven Verhandlungen mit den zuständigen Bundesstellen eine Dreier-Strategie zur Bekämpfung entwickelt. Diese sieht eine Ausweitung der Fruchtfolge, die gezielte Bekämpfung der Larven und Käfer sowie eine verstärkte Forschungs- und Versuchstätigkeit vor. "Geplant ist auch der forcierte Einsatz von Pheromonen, also von artspezifischen Lockstoffen, um die Schädlingskäfer zu verwirren und eine Paarung zu verhindern. So kommen weniger Eier in den Boden, sodass der Schädlingsdruck im Folgejahr reduziert wird", teilt Titschenbacher mit. Pheromone - das sind Sexuallockstoffe der jeweiligen Art -werden bereits seit Jahren erfolgreich auch im Obst- und Weinbau zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt.

Kein Verständnis für neue Vermögens- und Substanzbesteuerungen

Neuen Vermögens- oder Substanzsteuern wie Erbschafts- oder Schenkungssteuern, die im Zuge der Steuerreform-Verhandlungen immer wieder ventiliert werden, sowie höhere Mehrwertsteuersätze für Betriebsmittel wie beispielsweise für Saatgut oder Futtermittel, lehnt der Kammerpräsident kategorisch ab: "Das wäre für den Agrarstandort Steiermark extrem schädlich. Außerdem haben die Bauern für die geplante Steuerreform bereits mit den neuen, angepassten Einheitswerten, die bereits ab 2015 gelten, entsprechende Vorleistungen gebracht."

Große Skepsis und Vorsicht gegenüber TTIP

Mit großer Skepsis und Vorsicht steht Titschenbacher den Verhandlungen zum Freihandelsabkommen TTIP gegenüber. "Hier gibt es rote Linien, etwa in den Bereichen Tierschutz, Hormonfleisch und Gentechnik- sowie Klonfreiheit, die auf keinen Fall überschritten werden dürfen. Unsere Qualitätsproduktion, für die unsere Bauern europaweit geschätzt werden, muss geschützt bleiben", fordert er transparente und harte Verhandlungen sowie eine ehrliche und sachlich korrekte Debatte. Trotz aller Skepsis räumt Titschenbacher ein, dass die USA für Österreich ein wichtiger Drittlandsmarkt sei und vor allem mit Milchprodukten und Käse ein großes Nachfrage-Potenzial hat.

Kritik am Handels-Aktionismus

Vom Lebensmittelhandel fordert der Präsident partnerschaftliches Agieren ein, verlangt die "enorme Marktmacht nicht auszuspielen" sowie einen gerechten Preisanteil bei den Produkten. Scharf kritisierte Titschenbacher den Handels-Aktionismus bei verschiedenen landwirtschaftlichen Qualitätswaren wie Milch und Fleisch: "So wird beispielsweise ein Kilo hochwertiges Schweinefleisch um 4,99 Euro verschleudert, während ein Kilo Katzenfutter um 5,33 Euro über den Ladentisch geht. Wo bleibt hier die preisliche Wertschätzung des wertvollen Lebensmittels Schweinfleisch."

Kammeramtsdirektor Werner Brugner betonte, dass die Kammer eine wichtige Servicestelle für Beratung und Bildung ist und erst kürzlich ISO-zertifiziert wurde. Brugner: "308.800 Stunden an Beratungsleistungen haben wir 2014 für die Bäuerinnen und Bauern erbracht. 2015 steht neben der Umsetzung des neuen GAP-Systems und des neuen Programms zur Ländlichen Entwicklung 2015-2020 vor allem das Projekt 'Zukunft Land- und Forstwirtschaft 2030' im Zentrum der Bildungs- und Beratungsoffensive."

"Die LK Steiermark mit ihren elf Bezirkskammern wurde 2014 203.100 Mal für betriebliche Entscheidungen zu Rate gezogen. Jeder Betrieb beansprucht im Durchschnitt rund fünfmal jährlich (exakt 4,7 Mal) unseren Beratungsdienst", so Brugner. Umgerechnet sind das 308.800 Arbeitsstunden an Beratungsleistungen. Dazu zählen auch umfassende Betriebsberatungen wie beispielsweise Hof-, Gruppen- oder Einzelberatungen. Im Sinne der nachhaltigen und hochwertigen Lebensmittelproduktion stehen dabei die Bereiche Tier- und Pflanzenproduktion, Forstwirtschaft, Obst- und Weinbau, Energie, Umwelt, Natur, Biolandbau, Erneuerbare Energie, Betriebswirtschaft, Erwerbskombinationen, Bauen, Recht, Steuer, Soziales und Ernährung im Vordergrund.
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