Angst vor Terror in Europa: Präventionsarbeit ausschlaggebend

Stärkung der Zivilgesellschaft, Einbindung Betroffener und Fokus auf Präventionsarbeit: So der Konsens der DiskutantInnen bei der Veranstaltung im Haus der EU.

Wien (OTS) -

Diese Meldung wurde korrigiert Neufassung in Meldung OTS0015 vom 07.02

"Er wollte nichts dringender, als als Märtyrer zu
sterben." So fasst der freie Journalist Armin Mandara den Wunsch eines von ihm interviewten IS-Sympathisanten zusammen. Bei der Diskussionsveranstaltung "Islamsicher Staat: Angst vor Rückkehrern und Terror in Europa" am Donnerstagabend im Haus der EU diskutierten Armin Mandara, Soziologin Edit Schlaffer, Dudu Kücükgöl von der islamischen Jugend, Peter Pilz, Sicherheitssprecher der Grünen und Moderatorin Gudrun Harrer vor rund 130 Gästen nicht nur die Frage nach den Motiven der (europäischen) IS-Kämpfer. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Rolle der EU sowie jene der europäischen Zivilgesellschaft.

Dudu Kücükgöl betonte, dass die meist jungen Männer, die in den Jihad ziehen, über wenig bis gar keine religiöse Bildung verfügten. Als Beispiel nennt sie die letzte Amazon-Bestellung eines Attentäters:
Eine Ausgabe von "Islam für Dummies".
Edit Schlaffer erzählte von ihren Forschungserfahrungen in Palästina, Pakistan, Indien und Nordirland. In Gesprächen mit Müttern von Radikalisierten fand die Soziologin heraus, dass es kaum Unterstützung für diese Frauen gibt - weder von Seiten der Politik noch durch Lehrkräfte. "Bei uns", so Schlaffer, "ist das leider nicht anders". Dabei wüssten Mütter von Jihadisten am besten, wie ihre Söhne radikalisiert wurden: "Sie sind so nah dran wie kein Geheimdienst das je sein kann." Ihr Vorschlag: Man solle das Schweigen brechen, um Lösungen zu finden und die Zivilgesellschaft handlungsfähig zu machen.

Für den Sicherheitssprecher der Grünen Peter Pilz ist der Islamische Staat keine Terrororganisation, sondern ein Staatsgründungsprojekt:
"Das macht ihn viel gefährlicher". Dennoch gebe es für Europa momentan viel größere Gefahren: "Rechtsextreme Bewegungen sind viel gefährlicher, denn an ihnen kann Europa zerbrechen. Am Islamischen Staat wird es das nicht."

Im Gegensatz zu den anderen DiskutantInnen vertrat Armin Mandara die Meinung, dass der Islam durchaus ein Fundament für Gräueltaten biete. Ein weiteres Problem seien radikale Imame, die in Wien, aber auch in seiner Heimatstadt Linz, gegen Minderheiten wie Homosexuelle hetzten.

Laut Dudu Kücükgöl werde der Islam missbraucht, um Gewalt zu rechtfertigen. Gerade deshalb, so die Vertreterin der Muslimischen Jugend in Österreich, sei es wichtig, Präventionsarbeit zu leisten:
"Wir geben den Leuten Argumentationsstrategien mit auf den Weg, damit sie auf aus dem Kontext gerissene Koranverse reagieren können."

Der Fokus auf Deradikalisierungs- und Sozialarbeit, die Einbindung von Betroffenen in Lösungsstrategien und eine gestärkte Zivilgesellschaft - das, soweit der Konsens unter den Diskutierenden, sind die wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen die Radikalisierung junger Menschen in Europa. "Keiner", so Pilz, "wurde je durch Massenüberwachung gefunden, wie man sie heute wieder forcieren will". Als Bespiel nennt er die Attentäter auf das jüdische Museum in Brüssel: Ihre zahlreichen Reisen innerhalb Europas wurden zwar überwacht, gebracht hat es aber nichts. Eine andere Gruppe habe man schließlich erwischt, weil ihre Wohnung wegen Verdachts auf Drogen durchsucht wurde. Rauschgift fand man keines - dafür Waffen und Propagandamaterial.

Einen Mitschnitt der Veranstaltung finden Sie auf www.parlament.tv Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/6384

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