Steuerberater verlangen Entlastung der Wirtschaft durch qualitative Steuerreform

KWT-Präsident Klaus Hübner: Kosten der Steueradministration sollen um ein Drittel sinken

Wien (OTS) - Die Steuerreform sollte sich nicht einer Veränderung der Steuertarife erschöpfen. Notwendig ist auch eine qualitative Reform, im Sinne von mehr Systematik, weniger Gesetzesflut und vor allem Vereinfachung. Klaus Hübner, Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder: "Das österreichische Steuerrecht ist kaum noch zu administrieren. Eine Vereinfachung wirkt sich für die Wirtschaft genau so positiv aus wie eine Reduzierung der Steuertarife."

Die Kammer der Wirtschaftstreuhänder hat die wichtigsten Forderungen einer qualitativen Steuerreform aufgelistet:

  • Zusammenfassung aller steuerlichen Änderungen in jeweils nur einem Jahressteuergesetz
  • Neukodifizierung des Einkommensteuergesetzes
  • Harmonisierung der Bemessungsgrundlagen für Sozialversicherung und Lohnsteuer
  • Zusammenfassung von Dienstgeberbeitrag, Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag und Kommunalsteuer zu einer Dienstgeberabgabe und Einhebung durch eine Behörde
  • Reduzierung der derzeit fast 500 Beitragsgruppen in der Lohnverrechnung auf drei
  • Reduzierung der Meldeverpflichtungen der Arbeitgeber
  • Wegfall der Veröffentlichungspflicht in der Wiener Zeitung
  • Zusammenfassung der Sozialversicherungsträger

Den Wildwuchs im österreichischen Steuersystem macht Hübner am Beispiel des Einkommensteuergesetzes deutlich, das in 26 Jahren 140 Mal novelliert wurde. Derzeit gibt es für die Steuerpflichtigen über 260 Inkrafttretens- und Übergangsbestimmungen zu beachten. Zur Erläuterung benötigt die Finanzverwaltung bereits über 2.000 Seiten. Hübner: "Diese Vielzahl an kaum mehr administrierbaren Regelungen und Ausnahmetatbeständen führt zu Intransparenz und hohem bürokratischem Aufwand. Nach internationalen Studien braucht ein österreichisches Unternehmen im Durchschnitt 166 Stunden um seinen Steuerpflichten nachzukommen."

Das Ziel sollte daher sein, zumindest ein Drittel der Erhebungskosten auf Staats - und auf Unternehmensebene einzusparen. Ein in Österreich tätiger Personalverrechner muss sich in seiner täglichen Arbeit mit fast 500 Beitragsgruppen auseinandersetzen. Die KWT schlägt eine Reduktion auf drei Beitragsgruppen, nämlich auf Arbeiterkammermitglied, Nichtarbeiterkammermitglied und auf Pensionisten vor.

Hübner: "Die Steuerreform kann aufgrund der Budgetnöte nur dann nachhaltig wirken, wenn gleichzeitig und möglichst in gleicher Höhe Einsparungen in der Verwaltung umgesetzt werden." Ein Beispiel dafür wäre die durchaus mögliche Zusammenlegung der 9 Gebietskrankenkassen und 6 Betriebskrankenkassen zu 1 bis 3 Sozialversicherungsträgern. Das würde Einsparung von Verwaltungskosten auf Ebene der Sozialversicherung und bei den Betrieben bringen.

Darüber hinaus sollte sich eine Steuerreform nicht auf die Senkung der Einkommensteuer beschränken, sondern auch eine Reform und Reduzierung der Lohnnebenkosten umfassen. Hübners Begründung:
Österreich liegt derzeit mit den steuerlichen Lohnnebenkosten an der Spitze in Europa. Die payroll taxes (umfassen Dienstgeberbeitrag, Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag und Kommunalsteuer) machen in Österreich derzeit 2,8% des BIP aus. Im EU-Durchschnitt sind es nur 0,5% des BIP. Die österreichischen Unternehmen haben daher eine um 2 Prozentpunkte höhere Arbeitskostenbelastung. Das entspricht umgerechnet rund sechs Milliarden Euro.

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