Bullen unter Dopingverdacht

Q-Check erstmals in Linz

Linz (OTS) - Die Roadshow "Q-Check", veranstaltet von DerBörsianer und Metrum Communications, stand am Dienstag bei der Premiere in Linz, ganz im Zeichen der großen Frage an den Finanzmärkten: Wer macht 2015 das Rennen - Bulle oder Bär? Dabei waren sich die vortragenden Investment-Spezialisten einig, dass die Chancen für einen Bullenmarkt in Europa gut stehen. Allerdings nicht aufgrund starker Fundamentaldaten, sondern hauptsächlich bedingt durch die EZB-Geldschwemme und dem niedrigen Ölpreis. Der ersehnte Bullenmarkt steht unter Dopingverdacht.

So dürfte sich die positive Entwicklung an den Aktienmärkten nach Einschätzung von Erika Karitnig, Chief Investment Officer der BAWAG P.S.K INVEST, 2015 fortsetzen: "Verantwortung dafür trägt vor allem die lockere Geldpolitik der EZB, die das Zinsniveau weiter in Rekordtiefen hält und damit den Außenwert des Euros nachhaltig senkt. Davon profitieren die Exportunternehmen der Eurozone." Daneben spreche auch der niedrige Ölpreis für einen bevorstehenden Bullenmarkt. Generell müsse man sich aber auf eine höhere Volatilität einstellen: "Die Wachstumssorgen in Europa und China, die Entwicklungen in Griechenland sowie die vielen geopolitischen Krisenherde könnten noch für böse Überraschungen sorgen", warnt Karitnig vor überzogenen Optimismus.

Für Mike Judith, Vice President bei DNB Asset Management, kann von der EZB alleine keine nachhaltige Lösung ausgehen und auch der niedrige Ölpreis werde nur kurzfristig die Konjunktur stützen. Wichtig ist ihm bei der Wahl eines Investments der Blick auf die Fundamentaldaten, wobei er die Aufmerksamkeit auf den Technologiesektor lenkt. "Trotz des schwierigen Umfeldes weisen viele Tech-Unternehmen ein starkes Gewinnwachstum und hohe Cash-Bestände aus", erläutert Judith und empfiehlt, Technologieaktien gut im Auge zu behalten.

Einen Aufholprozess am Euro Aktienmarkt erwartet Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft:
"Billiges Geld, tieferer Ölpreis und starker Dollar legen eine Outperformance von Euro-Aktien nahe." Einen raschen Anstieg beim Ölpreis sieht Wögerbauer nicht: "Eine V-Förmige Erholung des Ölpreises wäre für die OPEC widersinnig. Saudi Arabien wird das Ölangebot weiter hoch halten, um die US-Schieferölindustrie nachhaltig zu schwächen." Dass die Schweizerische Nationalbank die Eurobindung des Franken aufgegeben hat, sieht Wögerbauer als einzig logischen Schritt und zitiert zur Begründung eine alte Indianerweisheit: "Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steige ab."

Angesichts der Geldschwemme der EZB sieht Franz Weis, Europa-Fondsmanager bei Comgest Asset Management, in Europa keine Alternativen zu Aktien. Gleichzeitig weist er aber auch darauf hin, dass die Fundamentaldaten keinen Grund zur Freude geben. "Die Börsenentwicklung ist eine Konsequenz des Quantitative Easing der EZB und hat nichts mit der Gewinnentwicklung bei den Unternehmen zu tun." Weis setzt auf Stock-Picking - und zwar vor allem auf jene Unternehmen, die sich strategisch positioniert haben, um nachhaltig von den großen Megatrends profitieren zu können: "Alternde Bevölkerung", "Digitalisierung" und "Polarisierung des Wohlstandes."

Mit Skepsis begegnet auch Wolfgang Eder, CEO der voestalpine AG, der Nullzinspolitik der EZB. "Es ist naiv zu glauben, dass die Geldpolitik die Realwirtschaft zum Investieren bringen kann, wenn die Standortbedingungen Investitionsfeindlich sind." Viel wichtiger als das niedrige Zinsniveau seien für Unternehmen ein stabiles Umfeld, niedrige Energiepreise, eine gute Infrastruktur und ein hohes Ausbildungsniveau der Bevölkerung. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen seien andere Weltregionen einfach attraktiver, um Investitionen zu tätigen: "Europa braucht dringend Reformen um vorwärts zu kommen". Wobei er auf EU-Ebene unter der neuen Junker-Kommission optimistischer ist als für Österreich.

Als bloße "Kopfschmerztablette" bezeichnete Andreas Gerstenmayer, CEO von Austria Technologie & Systemtechnik AG (AT&S), die geldpolitischen Maßnahmen der EZB. "Solange wir die grundlegenden Strukturprobleme nicht lösen, wird es nicht zur Erholung kommen", ist Gerstenmayer überzeugt und fordert bessere Investitionsbedingungen für die Realwirtschaft. Die Geschäftsentwicklung bei AT&S gibt hingegen keinen Grund zur Klage. Der Leiterplattenhersteller konnte in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres 2014/15 sehr gute Zahlen liefern und hat den Jahresausblick erhöht. "Wir sind nur dort vertreten, wo wir uns als Technologieführer differenzieren können", bringt Gerstenmayer die Strategie von AT&S auf den Punkt.

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