Parlament erinnert an das Attentat von Oberwart

Bundesrats-Vizepräsidentin Posch-Gruska lädt zu Buchpräsentation ein

Wien (PK) - In der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1995 wurden vier Roma bei einem Rohrbomben-Attentat im burgenländischen Oberwart getötet. Es war und ist der bislang schwerste politisch motivierte Anschlag auf Menschen aufgrund ihrer Herkunft in der Zweiten Republik. Was aber bleibt heute, zwanzig Jahre später, vom damaligen Schock, von den Solidaritätskundgebungen und dem gleichermaßen sichtbaren wie abscheulichen Akt von Rassismus, den eine ganze Republik erschüttert hat?

Fragen, denen sich heute Abend auf Einladung der Vizepräsidentin des Bundesrats Inge Posch-Gruska und dem burgenländischen Verlagshaus edition lex liszt 12 ab 18.00 Uhr eine Buchpräsentation mit dem Titel "Das Attentat von Oberwart - Terror, Schock und Wendepunkt" im Parlament widmet.

Posch-Gruska: Klar Stellung gegen Hetze auf der Straße beziehen

Denn, geht es nach Posch-Gruska, ist Erinnern allein für Vergangenheitsbewältigung zu wenig. "Gefragt sind Zivilcourage der Bürgerinnen und Bürger und eine verantwortungsbewusste Politik, die Intoleranz und Demagogie keinen Platz lässt. Wenn wir uns auch heute, 20 Jahre nach den grausamen Morden von Oberwart, fassungslos die Frage stellen, wie ein solches Verbrechen geschehen konnte, ob dieses tatsächlich völlig unvorhersehbar war, so ist die notwendige Konsequenz daraus, kompromisslos für Menschenrechte, Menschenwürde Demokratie und Rechtsstaat einzutreten. Wir dürfen uns nicht sicher sein, dass sich Ausgrenzung, Hass und Menschenhatz nicht wiederholen", so die Vizepräsidentin des Bundesrats. "Gerade wenn unter dem Deckmantel einer 'BürgerInnenbewegung' von 'Pegida' Hetze auf die Straße getragen wird, müssen wir klar Stellung beziehen: Wir haben die Verantwortung, gegen jede Form der Diskriminierung vorzugehen und auch für soziale Entwicklungsmöglichkeiten aller Menschen in Österreich zu sorgen". Posch-Gruska sieht gerade in Bezug auf die Roma eine besondere Verpflichtung, Benachteiligungen abzubauen und Chancengerechtigkeit herzustellen. "Der Jahrestag des Attentats gegen die burgenländischen Roma sollte Anlass sein, nicht nur zu gedenken, sondern auch nachhaltig an einer Verbesserung ihrer Situation zu arbeiten", bekräftigt sie.

Zwazl: Wer Ehrfurcht vor dem Leben und dem Anderen lebt, steht auf der richtigen Seite

Begrüßen wird die Präsidentin des Bundesrats Sonja Zwazl. Auch sie sieht alle Menschen in der Gesellschaft gefordert, jeglicher Form von Ausgrenzung mit einer klaren Botschaft entgegenzutreten: "Gewalt -körperliche ebenso wie verbale - ist grundsätzlich der falsche Weg", betont sie. Es gebe nichts - keine Religion, keine Kultur, keine Ethnie, kein Andersdenken -, das Gewalt im Zusammenleben und im Austausch unterschiedlicher Meinungen und Gedanken auch nur im Entferntesten rechtfertigen könne und dürfe. "Wer Ehrfurcht vor dem Leben und dem Anderen lebt, der steht auf der richtigen Seite", so Zwazl.

Ana Blatnik: Wer nicht bereit ist, das Vergangene zu verarbeiten, wird die Gegenwart niemals verstehen

Ebenso Gebot der Stunde ist für die ehemalige Präsidentin des Bundesrats Ana Blatnik, nicht wegzuschauen und Verantwortung zu übernehmen, vor allem auch angesichts der Tatsache, dass die Roma -mit Abstand die größte Minderheit in Europa - noch immer gegen Diskriminierung, Ausgrenzung, Vorurteile und Segregation kämpft und größtenteils in Armut und prekären Wohnungsverhältnissen lebt. Blatnik liegt die Sensibilisierung der Jugend in diesem Zusammenhang besonders am Herzen: "Wir wollen hellhörig machen, wenn mit diskriminierender Hetze einfache Antworten auf schwierige Fragen gegeben werden. Es sollte uns wichtig sein, den Geschehnissen mit all ihren dunklen Kapiteln zu gedenken, diese aber nicht als Geschichte abzustempeln, sondern an ihren gegenwärtigen Anknüpfungspunkten zu arbeiten." Wer nicht bereit ist, das Vergangene zu verarbeiten, wird die Gegenwart niemals verstehen, ist Blatnik überzeugt.

Über das Buch, in dem sich ZeitzeugInnen, Familienangehörige der Opfer, VertreterInnen der Roma-Vereine sowie AutorInnen wie Doron Rabinovici, Gerhard Roth und Marlene Streeruwitz eingehend und differenziert mit den Geschehnissen auseinandersetzen, spricht Horst Horvath. Daraus lesen werden Erich Schneller, Christoph Krutzler und Barbara Horvath. Eine Keynote hält der Landtagspräsident des Burgenlandes Gerhard Steier sowie Bundesrat Walter Temmel. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von der Band Romano Rath, Eveline Rabold sowie Ferry Janoska. (Schluss) keg/jan

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