TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Donnerstag, 29. Jänner 2015, von Max Strozzi: "Ende der Vollkasko-Mentalität"

Innsbruck (OTS) - Mit den Argumenten, mit denen Bankenhilfen zu Recht kritisiert wurden, muss auch ein Hilfspaket für Franken-Kreditnehmer hinterfragt werden. Ob Banker, Politiker oder Privatperson: Viele müssen wieder lernen, für eigene Fehler geradezustehen.

Es hat sich eingebürgert, nicht für die Konsequenzen der eigenen Fehler geradestehen zu müssen. Angefangen bei manchen Großbanken, die sich ihre Spekulationsverluste oder fehlgeschlagenen Expansionspläne mitunter vom Steuerzahler ausgleichen ließen - mit der Drohung, dass ohne sie die Welt untergehe. Es geht weiter mit Politikern, die sich nach Ende ihrer Amtsperiode nicht mehr für Entscheidungen verantwortlich sehen, die sie während ihrer Polit-Karriere getroffen haben - das trifft etwa auf die politische Verantwortung rund um die Notverstaatlichung der Hypo Alpe Adria Bank ebenso zu wie auch auf das Italien-Desaster der Hypo Tirol, wo einige noch aktive Polit-Akteure des Italien-Abenteuers ihre Hände in Unschuld waschen. Nach dem Ruf der FPÖ nach Hilfen für Franken-Schuldner schickt sich auch Sozialminister Rudolf Hundstorfer an, den Häuslbauern zu Hilfe zu eilen, die sich ihr Eigenheim ohne die Frankenkredite nicht leisten hätten können und nun unter der Aufwertung der Schweizer Währung leiden. Hundstorfer will mit Banken reden, mehr ist bislang nicht bekannt. Viele Möglichkeiten gibt es wohl nicht: Unterm Strich müsste ein solches "Hilfspaket" wohl entweder die Bank tragen, die es wiederum auf alle anderen Bankkunden abwälzen wird, oder es springt womöglich wieder der Steuerzahler ein. Interessant ist dabei auch Hundstorfers Meinungswandel. Noch vor zwei Jahren sagte er in einem Zeitungsinterview zum Thema Risiko von Frankenkrediten: "Das kann es bei jedem Kredit geben. Jeder Häuslbauer und jeder, der einen Kredit für eine Anschaffung aufnimmt, hat immer das Risiko."
Mit denselben Argumenten, mit denen Hilfsmilliarden für verfehlte Bankspekulationen zu Recht kritisiert werden, muss daher auch ein Hilfspaket für die österreichweit 150.000 Frankenkreditnehmer hinterfragt werden dürfen. Wer sich sein Eigenheim in Fremdwährung finanzierte, weil dort Zinsen verlockend tief waren (und das Währungsrisiko ausgeblendet hat), hat bewusst den riskanten Weg gewählt. Wer sich von Banken schlecht beraten fühlt, kann notfalls über Konsumentenschützer intervenieren. Was schwerlich geht, ist aber, dass die Politik nun Franken-Schulden vergemeinschaftet. Sonst wird sich jeder, der sich seinen Wohntraum mit hart Erspartem oder einem biederen Euro-Kredit leistet - und übrigens vor der Krise dafür jahrelang höhere Zinsen gezahlt hat -, gefrotzelt fühlen. Es ist die Vollkasko-Mentalität, die überdacht gehört: Das gilt für Banken, Unternehmen, aber auch für Private. Wer ins Casino geht, muss eben damit rechnen, seinen Einsatz zu verlieren.

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