GLOBAL 2000 und Greenpeace: Fipronil-Zulassung ist schwerer Fehler

BM Rupprechter muss Bienenschutz-Versprechen halten.

Wien (OTS) - Die dem Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter unterstellte Zulassungsbehörde BAES (Bundesamt für Ernährungssicherheit) erteilte gestern für die Verwendung des umstrittenen Pestizids "Goldor Bait" mit dem Wirkstoff Fipronil für die Bekämpfung des Drahtwurms bei Erdäpfeln über eine sogenannte Notfallzulassung grünes Licht. "Und dies obwohl der Wirkstoff wegen seiner Bienengefährlichkeit mit EU-Verboten belegt wurde und zudem seine Anreicherung im tierischen und menschlichen Fettgewebe problematisch ist", erläutert GLOBAL 2000-Umweltchemiker Helmut Burtscher. "Dass hier die zuständigen Behörden dem Druck der Landwirtschaft und der Pestizidindustrie nachgeben, ist absolut unverständlich und scharf zu kritisieren", betonen Greenpeace und GLOBAL 2000 unisono. Erst im Vorjahr sprach sich BM Rupprechter gegenüber der Austria Presse Agentur (APA) gegen eine Zulassung des bienengiftigen Pestizids aus, die er für "bedenklich" erachte.

Bienenschäden durch Fipronil sind in Österreich gut dokumentiert

Fipronil wurde in den Jahren 2009 bis 2011 gemeinsam mit den drei Neonicotinoiden Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid im Rahmen des MELISSA-Monitorings systematisch untersucht und wiederkehrend in den geschädigten Bienenvölkern nachgewiesen. Die Bienengefährlichkeit von Fipronil wurde auch in den Folgejahren wissenschaftlich bestätigt. Darüber hinaus deuten Fütterungsversuche der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) darauf hin, dass der Verzehr von mit Fipronil-Rückständen belasteten Futtermitteln zu einer Anreicherung von Fipronil in tierischen Organismus, insbesondere in Fettgewebe, Leber und Niere sowie in der Milch führt. Diese Tatsache hat die EFSA in den letzten Jahren insbesondere in Bezug auf die Notfallzulassung von "Goldor Bait" bei Kartoffeln mehrfach bestätigt. Das wirft dann auch die Frage nach möglichen Auswirkungen für den Menschen auf. Schließlich ist davon auszugehen, dass ein Pestizidwirkstoff, der sich im Fettgewebe und in Organen von Schweinen, Kühen und Hühnern anreichert, sofern diese mit Kartoffeln gefüttert werden, die die Rückstände dieses Wirkstoffs enthalten, auch beim Menschen zu einer Bioakkumulation führt. "Dieser Umstand gibt Anlass zur Sorge weil Fipronil im Verdacht steht, krebserregend zu wirken und das Hormonsystem zu stören", sagt Burtscher.

GLOBAL 2000 und Greenpeace appellieren an die heimischen LandwirtInnen, im Interesse von Mensch und Umwelt, auf den Einsatz von Fipronil zu verzichten und an den Handel, diesen Verzicht durch faire Preise wert zu schätzen. Die Behörden müssten sich um langfristige, ökologische Lösungen bemühen, statt verbotene Wirkstoffe immer wieder durch Notfallzulassungen in Verkehr zu bringen.

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