Heimische Druckereibetriebe sehen sich mehrfach benachteiligt, betonen Bedeutung der Branche

Wollen bei Aufträgen der öffentlichen Hand besser berücksichtigt werden - USt.-Erhöhung für Gedrucktes würde Nachfrage weiter schwächen - KV muss reformiert werden

Wien (OTS/PWK062) - "Der Personalstand der heimischen Druckereibetriebe hat sich von 2001 bis 2014 in etwa halbiert, nämlich von knapp19.000 Beschäftigten im Jahr 2001 auf etwas mehr als 9.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im gerade zu Ende gegangenen Jahr 2014", führte Friedrich Schneider, Leiter des Institutes für Volkswirtschaftslehre an der Universität Linz, heute, Mittwoch, vor Medienvertretern aus. Gemeinsam mit den Branchenvertretern Dieter Simon, Obmann der Fachgruppe Druck in der WK Wien und stellvertretender Obmann des Fachverbandes Druck in der Wirtschaftskammer Österreich, und Gerald Watzal, Präsident des Verbandes Druck- & Medientechnik sowie Obmann der Fachgruppe Druck in der WK Salzburg und ebenfalls Fachverbandsobmann-Stellvertreter, beleuchtete er die Bedeutung der rot-weiß-roten Druckbranche.

"Die volkswirtschaftlichen Effekte der Betriebe der Druckbranche seien für Österreich durchaus quantitativ bedeutender Faktor und stellen eine nicht zu vernachlässigender Faktor und stellen im volkswirtschaftlichen Sinne eine durchaus bedeutende Größe dar", rechnete der Volkswirtschafts-Professor Schneider anhand der Wertschöpfungs-und Beschäftigungseffekte durch die Tätigkeiten des österreichischen Druckereigewerbes vor: Die Effekte durch die Produktionswerte betrugen von 2008 bis 2011 im Schnitt 1.895,67 Millionen Euro. Die konsumwirksamen Ausgaben der Beschäftigten der Druckbranche liegen bei mehr als 383 Millionen Euro pro Jahr, so Schneider weiter.

Allerdings ist Österreich in Bezug auf Exportumsätze mit Druckprodukten Schlusslicht innerhalb der EU. Als Gründe für die sinkende Auslastung von heimischen Druckereibetrieben machen die Branchenvertreter Simon und Watzal mehrere Tatsachen verantwortlich:

"Erstens verstärkt sich zunehmend die Tendenz, dass Ministerien, Länder und Gemeinden für die Produktion von Druckerzeugnissen Betriebe im Ausland heranziehen." Dabei würden jedoch vielfach die daraus resultierenden negativen Konsequenzen für Österreich - weniger Beschäftigte, daher mehr Arbeitslosigkeit, Gemeinden verlieren Einkünfte aus der Kommunalabgabe, der Staat verliert Einkünfte aus Einkommens-, Körperschafts- und Umsatzsteuer: "Letztlich verursachen die scheinbar sparsamen Einkäufe mehr Schaden als Nutzen". Daher fordern die Drucker, diese Praxis abzustellen, dort wo es vergaberechtlich möglich sei - also etwa im Unterschwellenbereich -, um die Auftragsvergabe an heimische Unternehmen zu erleichtern, sowie eine Reform des Vergaberechts zugunsten der Einbeziehung von Qualitätskriterien.

Als ein Negativ-Bespiel sieht die Branche die Vorgangsweise, das so genannte "Kuvert", eine Bündelung von Info- und Werbebroschüren, in der Deutschland drucken zu lassen. Vor dem Hintergrund, dass der Produzten des "Kuvert", die Meiller GHP, zu 65% der österreichischen (und zu 35 Prozent der Schweizerischen) Post gehört, konstatieren Simon und Watzal: "Mit dieser Vorgangsweise zieht die Post AG Druckaufträge im großen Stil aus Österreich ab". Sie appellieren an den Mehrheitseigentümer des teilstaatlichen Unternehmens, "diese Vorgangsweise umgehend abzustellen."
Weiters warnen die Druckerei-Branchensprecher vor einer Erhöhung der Umsatzsteuer für Druckprodukte: "Das würde die Nachfrage weiter schwächen." Schon jetzt werden in Österreich die meisten Druckprodukte mit 10% USt. höher als in wichtigen Nachbarstaaten -USt. bei Druckprodukten in Deutschland 7%, der Schweiz 2,5% -besteuert: "Es besteht also aus objektiver Sicht im Sinne einer Steuerharmonisierung in der EU eher der Bedarf einer Senkung der Umsatzsteuer auf Druckprodukte", unterstrichen Watzal und Simon.

Die Tendenz hin zu den digitalen Medien sei jedoch nicht aufzuhalten, so Volkswirtschafts-Professor Schneider. Es gelte, für den Fortbestand die Umstrukturierung bestmöglich zu bewerkstelligen, Nischen finden und so für den Markt attraktiv zu bleiben.

Als eine dringende Notwendigkeit, um wieder wettbewerbsfähiger werden zu können, sehen die Vertreter der Druckerbranche die Reform des Kollektivvertrages: "Der Grafische Kollektivvertrag enthält -historisch gewachsen - eine Vielzahl von Regelungen, die den heutigen technischen, betrieblichen und rechtlichen Gegebenheiten und Standards nur mehr bedingt Rechnung tragen. In ihrer Auswirkung sind sie als Kostentreiber unter anderem aber dafür verantwortlich, dass der Druckstandort Österreich sowohl im nationalen als auch im internationalen Wettbewerb laufend an Attraktivität verliert", so Fachverbandsobmann-Stellvertreter Gerald Watzal, der als Präsident des Verbandes Druck & Medientechnik auch Arbeitgeber-Chefverhandler ist: "Österreich ist im europäischen Vergleich Exportschlusslicht, rund 500 Millionen Euro Druckvolumen gehen - exportbereinigt - jedes Jahr ins Ausland verloren. Das entspricht bei einem Branchenumsatz von ca. 1,6 Milliarden fast einem Drittel der jährlichen Gesamtproduktion."

Bis dato sei die Gewerkschaft jedoch nicht zur Fortsetzung des bis 2012 gemeinsam beschrittenen Weges zu bewegen gewesen, seit 2013 laufende KV-Gespräche wurden 2014 sistiert, sämtliche von der Arbeitgeberseite gemachten Vorschläge verworfen. "Aus Arbeitgebersicht gilt es, die festgefahrenen Verhandlungen so rasch als möglich wieder in Gang zu bringen und weiterzuführen", appellierte Watzal. (JR)

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