- 28.01.2015, 09:00:03
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Wirtschaftswachstum weiterhin verhalten, Arbeitslosigkeit bleibt hoch
Mittelfristige Prognose der österreichischen Wirtschaft bis 2019
Utl.: Mittelfristige Prognose der österreichischen Wirtschaft bis
2019 =
Wien (OTS) - Für die Periode 2015 bis 2019 erwartet das WIFO ein
durchschnittliches Wachstum der österreichischen Wirtschaft von real
1 1/4% p. a. Das reale BIP dürfte sich damit ähnlich wie im
Durchschnitt des Euro-Raumes entwickeln. Das geringe Tempo der
Erholung in Österreich geht in erster Linie auf eine schwache
Exportdynamik zurück, bedingt durch das niedrige Wachstum bei den
Haupthandelspartnern. Dadurch bleibt trotz niedriger Zinssätze auch
die Investitionsbereitschaft der Unternehmen gedämpft und die
Entwicklung der Einkommen und des privaten Konsums verhalten. Die
Lage auf dem Arbeitsmarkt ist weiter angespannt: Zwar nimmt die
Beschäftigung anhaltend zu (+0,8% p. a.), allerdings zu schwach, um
einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Bis 2017/18 dürfte
sich die Arbeitslosenquote auf 9,4% erhöhen und erst zum Ende der
Prognoseperiode leicht auf 9,2% zurückgehen. Ein ausgeglichener
Staatshaushalt - sowohl nach der Definition von Maastricht als auch
strukturell - kann durch das in der Prognose unterstellte
Konjunkturszenario und die unterstellten wirtschaftspolitischen
Maßnahmen (selbst ohne Steuerreform) nicht erreicht werden.
Nach der Schwächephase 2012/2015 (BIP real +0,5% p. a.) dürfte das
Wirtschaftswachstum wieder etwas an Kraft gewinnen. Im Durchschnitt
der nächsten fünf Jahre wird eine BIP-Steigerung um 1 1/4% pro Jahr
erwartet (2010/2014 +1,3% p. a.), die etwa dem Durchschnitt des
Euro-Raumes entspricht.
Das Trendwachstum für die Periode 2015 bis 2019 dürfte in
Österreich laut der Berechnungsmethode der Europäischen Kommission
auf Basis der WIFO-Prognose 1,1% p. a. betragen und liegt damit etwas
über dem der letzen Fünfjahresperiode (2010/2014 +0,9% p. a.) Die
österreichische Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einer Phase
der konjunkturbedingten Unterauslastung. Die Outputlücke (relative
Abweichung des tatsächlichen Outputs vom Trend-Output) dürfte sich
erst zum Ende des Prognosehorizonts schließen; sie verringert sich
von -1,3% im Jahr 2015 auf +0,1% 2019.
Rund 40% der österreichischen Exporte gehen in den Euro-Raum. Das
WIFO erwartet für diesen Wirtschaftsraum weiterhin eine schwächelnde
Entwicklung. Dementsprechend werden die realen Exporte in den Jahren
2015 bis 2019 voraussichtlich um 3,2% pro Jahr ausgeweitet, um 1,2
Prozentpunkte schwächer als in der vorhergehenden
Fünfjahresvorperiode, die anfangs von einem konjunkturellen
Rückschwung nach der Rezession geprägt war. Die österreichische
Exportwirtschaft dürfte daher ihre internationale Marktposition
voraussichtlich nicht halten können. Da die Entwicklung der Importe
ähnlich verläuft, wird der Außenhandel weiterhin einen positiven
Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten; dieser dürfte etwas höher
ausfallen als in der Periode 2010 bis 2014.
Die Ausrüstungsinvestitionen werden trotz günstiger
Finanzierungsbedingungen aufgrund schwacher Absatzerwartungen im In-
und Ausland weiterhin nur mäßig ausgeweitet (+2,1% p. a., 2010/2014
+1,2% p. a.) Das Bevölkerungswachstum und der Anstieg der Zahl der
privaten Haushalte sowie die nach wie vor hohen Immobilienpreise
sollten die privaten Wohnbauinvestitionen stützen. Dem steht ein
durch den Konsolidierungsdruck der öffentlichen Haushalte getrübter
mittelfristiger Ausblick für den Tiefbau gegenüber. Die gesamte
Bautätigkeit entwickelt sich daher nur mäßig (2015/2019 +1 1/4% p.
a.).
Das verfügbare Realeinkommen der privaten Haushalte (Kaufkraft)
sollte über den Prognosezeitraum um 1,1% p. a. wachsen (+1 1/2
Prozentpunkte gegenüber dem Durchschnitt 2010/2014). Diese etwas
günstigere Kaufkraftentwicklung geht in erster Linie auf die
Verlangsamung der Inflation um 0,6 Prozentpunkte gegenüber der
vorhergehenden Fünfjahresvorperiode zurück. Die beschlossene Anhebung
der Familienbeihilfe in den Jahren 2016 und 2018 sollte das private
verfügbare Einkommen etwas stärken. Die Konsumzurückhaltung der
Haushalte hält ob der insgesamt schwachen realen Einkommenszuwächse
aber weiter an. Der private Konsum wird 2015/2019 real um 0,9% pro
Jahr ausgeweitet werden. Im Zeitraum 2008/2011 reagierten die
privaten Haushalte mit Entsparen auf die realen Einkommensverluste
und stabilisierten damit ihre Konsumnachfrage. Die Sparquote sank in
diesen Jahren um 4,1 Prozentpunkte von 11,9% 2008 auf 7,8% 2011. In
den Folgejahren ging sie weiter leicht zurück (2014: 7,1%). Über den
Prognosezeitraum wird ein Anstieg der Sparquote auf 8,0% im Jahr 2019
angenommen, der im Vorsichtsmotiv aufgrund der angespannten Lage auf
dem Arbeitsmarkt begründet ist.
Die leichte Expansion der Wirtschaftsleistung ermöglicht zwar eine
Ausweitung der Beschäftigung (+0,8% im Durchschnitt der Jahre 2015
bis 2019), bringt jedoch keine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt. Der
Anstieg des Arbeitskräfteangebotes (+0,9% p. a.) resultiert in den
kommenden Jahren vor allem aus einer Zunahme der Zahl der
ausländischen Arbeitskräfte, einer anhaltenden Ausweitung der
Frauenerwerbsbeteiligung und der Verschärfung der
Eintrittsbedingungen für die Früh- bzw. Invaliditätspension.
Die Zahl der Arbeitslosen wird bis zum Jahr 2018 auf 372.000
steigen (+53.000 gegenüber 2014, +159.900 gegenüber dem Vorkrisenjahr
2008), sodass sich eine Arbeitslosenquote von 9,4% der
unselbständigen Erwerbspersonen (AMS-Definition) bzw. 5,4% der
Erwerbspersonen (Eurostat-Definition) ergibt. Bis zum Ende der
Prognoseperiode könnte die Arbeitslosenquote konjunkturbedingt auf
9,2% zurückgehen.
Die gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten als wichtigste
Determinante des inländischen Kostendruckes erhöhen sich 2015/2019 um
1,4% p. a., und die Bruttoreallöhne pro Kopf erhöhen sich kaum (+0,1%
p. a.). Damit nimmt die Differenz zur Entwicklung der
Arbeitsproduktivität auf 0,3 Prozentpunkte im Jahr 2019 zu. In diesem
Umfeld sollte der Preisauftrieb verhalten bleiben. Für die Periode
2015/2019 wird mit einem Anstieg der Verbraucherpreise von
durchschnittlich 1,6% p. a. gerechnet.
Übersicht 1: Hauptergebnisse der mittelfristigen Prognose für
Österreich - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen)
Die Entwicklung der öffentlichen Haushalte wird in den Jahren 2015
bis 2019 von der allmählichen Belebung des Konjunkturumfeldes und von
den im neuen fiskalischen Regelwerk der EU eingegangenen
Verpflichtungen zur Verbesserung der Budgetsalden und zur Senkung der
Staatsschuldenquote geprägt.
Für das Jahr 2014 erwartet das WIFO aufgrund des deutlich nach
unten revidierten Konjunkturausblicks einen Maastricht-Saldo von
-3,0% des BIP, nach -1,5% im Jahr 2013. 2014 sind Einmaleffekte von
netto 4 Mrd. Euro enthalten. In den Folgejahren wird sich der
Maastricht-Saldo auf -2,4% (2015) bzw. -1,9% (2016) verbessern. Am
Ende des Prognosezeitraumes 2019 wird ein gesamtstaatliches Defizit
von 0,5% des BIP erwartet.
Für Österreich gelten ab 2014 die Fiskalregeln des präventiven
Armes des Stabilitäts- und Wachstumspaktes (SWP). Demnach soll
insbesondere der strukturelle Budgetsaldo jährlich um mindestens 0,5%
des BIP verbessert werden, solange die Staatsschuldenquote über 60%
des BIP liegt und das mittelfristige Budgetziel (MTO) eines
strukturellen Defizits von höchstens 0,45% des BIP nicht erreicht
ist. Im April 2014 sah das österreichische Stabilitätsprogramm die
Erreichung des MTO bis 2016 vor, auch in der Budgetvorschau vom
Oktober 2014 wird für 2015 ein strukturelles Defizit von 1% des BIP
unterstellt. Das strukturelle Defizit wird nach den Prognosen des
WIFO erheblich langsamer verringert als vorgesehen und auch
langsamer, als dies nach den Regeln des Fiskalpaktes erforderlich
wäre; es wird im Jahr 2019 (selbst ohne Berücksichtigung einer
Steuerreform) noch rund 0,5% des BIP ausmachen. Der von der
Bundesregierung angestrebte strukturelle Budgetausgleich bis 2016
dürfte auf Basis der unterstellten ein- und ausgabenseitigen
Maßnahmen und des Konjunkturszenarios nicht realisiert werden können.
Eine politisch avisierte Einkommensteuerreform ist in der Prognose
ebenso wenig berücksichtigt wie etwaige Einnahmen aus einer im
europäischen Rahmen koordiniert eingeführten
Finanztransaktionssteuer. Auf der Ausgabenseite gingen die
vereinbarte Dämpfung der Gesundheitsausgaben und mäßige Kürzungen der
Ermessensausgaben in die Prognose mit ein. Die nach einer
Nettoentlastung durch eine Steuerreform zur Erreichung der
Budgetziele notwendigen mittel- bis langfristigen Einsparungen sind
in der Prognose ebenfalls nicht berücksichtigt.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
1/2015 (http://monatsberichte.wifo.ac.at/50923)
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