Caritas zieht Bilanz zur Hospiz-Enquete: "Wir brauchen dringend Landeerlaubnis!"

Bodmann fordert nun Tempo in Umsetzung: "Flächen- und bedarfsdeckende Palliativ- und Hospizversorgung wartet auf Landeerlaubnis.

Wien (OTS) - Fast eineinhalb Millionen Menschen in Österreich sind heute bereits über 65 Jahre alt und knapp 80.000 Menschen sterben jedes Jahr. "Die Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, sind enorm: Denn die Hospiz- und Palliativversorgung ist weder im österreichischen Sozialsystem noch in der Gesundheitsversorgung sicher gelandet. Sie schwebt in der Luft und wartet sozusagen auf Landeerlaubnis", betont Alexander Bodmann, Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien. "Wenn die parlamentarische Enquete heute zu einem Ende kommt, dann kann dies nur ein vorläufiges Ende sein. Jetzt ist die Politik gefordert, möglichst allen ein Sterben in Würde zu ermöglichen. Denn Menschen werden am Ende ihres Lebens noch immer vielfach im Stich gelassen und die Hospiz- und Palliativversorgung ist noch für längst nicht für alle Menschen erreichbar. Wenn Menschen am Ende ihres Lebens eines nicht haben, dann ist das Zeit", so Bodmann. Die Caritas zieht dennoch eine positive Enquete-Bilanz: "Die Parlamentarische Enquete-Kommission hat ihre Chance genutzt und einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung einer Kultur des Sterbens geleistet. Nun liegt es an der Politik, mit diesen Ergebnissen auch verantwortungsvoll umzugehen. Wir brauchen rasch eine Landeerlaubnis. Denn jeder Sterbender ist ein Lebender - und zwar bis zuletzt!"

Konkret benennt Bodmann in diesem Zusammenhang drei Punkte, die dringend umgesetzt werden sollten. "Es geht dabei um Fragen der Finanzierung ebenso wie um Fragen des flächendeckenden Ausbaus, der Organisation und der Rechtssicherheit für Betroffene. Unser aller Ziel sollte lauten: Menschen sollen an der Hand eines anderen Menschen sterben und nicht durch die Hand eines anderen Menschen -dieses gemeinsame Bekenntnis im Nationalrat im Dezember 2001 gab den Weg vor. Und diesen Weg gilt es nun beizubehalten."

Forderung: Rechtsanspruch für Betroffene

Konkret muss das Recht auf multiprofessionelle mobile und stationäre Hospiz- und Palliativversorgung für versicherte Personen mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG) verankert werden. "Wir benötigen eine gelebte Hospiz- und Palliativkultur im ganzen Land. Dazu gehört auch, dass jeder Bürger und jede Bürgerin dieses Landes einen sicheren, einklagbaren Rechtsanspruch auf Betreuung durch Hospiz- und Palliativdienste erhalten muss", fordert Bodmann. "Heute handeln Sozialversicherungsträger nach dem Florianiprinzip und kürzen zum Teil sogar bestehende Leistungen im Palliativbereich. Das ASVG hat als Zielgerade die Heilung - hier müssen wir nachziehen."

Forderung: Finanzierung sicherstellen

Eine zweite Forderung betrifft die mobilen Hospizteams. Hier braucht es eine systematische und flächendeckende Finanzierung. "Es darf nicht am Geld scheitern, dass Menschen am Ende ihres Lebens jene Betreuung erhalten, die sie dringend benötigen. Es war eine gute Idee, in den Pflegefonds auch den Hospizbereich aufzunehmen. Bisher scheint aber nicht viel angekommen zu sein. Es braucht daher ausschließlich für den Hospizbereich zweckgewidmete Mittel. Denn, jeder und jede, egal in welchem Bundesland er oder sie beheimatet ist, muss am Ende des Lebens auf gleichwertige und zuverlässige Hospizangebote zurückgreifen können."

Forderung: Steuerungskommission für Hospiz- und Palliativbereich

Die Caritas vermisst eine Gesamtsteuerung und Gesamtverantwortung im Hospiz- und Palliativbereich. Dies könnte etwa durch die neueingerichteten Bundes- sowie der Landeszielsteuerungskommissionen der Gesundheitsreform gewährleistet werden. Die Datenlage gehört genauso verbessert sowie die Sicherstellung eines Ausbauplans für Palliativ- und Hospizversorgung.

Seit 25 Jahren an der Seite sterbender Menschen

Die Caritas der Erzdiözese Wien ist seit 25 Jahren im Bereich mobiles Hospiz tätig. In dieser Zeit wurden knapp 22.000 Menschen kostenlos vor allem von ÄrztInnen, Pflegepersonen und freiwilligen MitarbeiterInnen Zuhause betreut. Allein im Vorjahr begleiteten 278 MitarbeiterInnen - 221 davon freiwillig und 57 hauptamtlich - 2041 Menschen auf dem letzten Lebensweg. Ohne den Einsatz so vieler Freiwilliger und ohne die Unterstützung durch SpenderInnen wäre diese Arbeit nicht möglich.

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