Migration und Gesundheit: MigrantInnen haben ein höheres Krankheits-Risiko

Studie im Auftrag vom Gesundheitsministerium und der AK weist auf Zusammenhang von Ungleichheit und Gesundheitsproblemen hin

Wien (OTS) - Migrantinnen und Migranten klagen häufiger über erhebliche Schmerzen oder haben mehr mit seelischen Problemen zu kämpfen. Gleichzeitig müssen sie in einem oft für sie fremden Gesundheitssystem zu Recht kommen. Sprachliche und oft auch kulturelle Barrieren erschweren außerdem den Besuch beim Arzt oder Therapeuten, so eine Literatur-Studie im Auftrag des Ministeriums für Gesundheit und der AK.

"Österreich hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Die Menschen in Österreich können darauf vertrauen, dass sie im Krankheitsfall die bestmögliche Behandlung erhalten. Wir wissen aber auch, dass gesundheitliche Chancengerechtigkeit durch sozio-ökonomische Aspekte entscheidend beeinflusst wird", erklärt Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser.

"Wer weniger verdient, hat auch weniger Zeit und Geld, um etwas für seine Gesundheit zu tun und ist häufig auch noch im Beruf durch harte Arbeit besonders belastet", sagt AK Präsident Rudi Kaske. "Das gilt gerade auch für Migrantinnen und Migranten, von denen viele eher zu den unteren Einkommensgruppen gehören", so Kaske. "Wirksame Gesundheitsvorsorge fängt deshalb vor allem bei der Beseitigung von sozialer Ungleichheit an", so der AK Präsident.

Daher hat das Bundesministerium für Gesundheit zusammen mit der Arbeiterkammer beschlossen, die GÖG mit der Erstellung der Studie "Migration und Gesundheit" zu beauftragen. "Was aus der Studie hervorgeht ist, dass Menschen mit Migrationshintergrund im Wesentlichen die gleichen Gesundheitsprobleme haben wie die Gesamtbevölkerung, das Gesundheitswesen im niedergelassenen Bereich aber seltener in Anspruch nehmen. Die zentrale Herausforderung ist somit, bestehende Barrieren abzubauen", so Oberhauser. Positiv hob die Gesundheitsministerin in diesem Zusammenhang einige bereits vom BMG in die Wege geleitete Projekte hervor, wie beispielsweise die Förderung der interkulturellen Kompetenz in der Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals, das Projekt Videodolmetsch oder etwa die zahlreichen mehrsprachige Infobroschüren des Gesundheitsministeriums.

Bereits seit langem in der Praxis mit dem Thema Migration und Gesundheit befasst, sind die Beschäftigten der Gesundheitsberufe. Entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote für sie seien daher zentral, sagt auch Kaske. "Aber auch die Organisation des Arbeitsalltags in Praxen und Spitälern muss den neuen Herausforderungen Rechnung tragen. Hier sind Ärzte und die Spitalsverwaltungen gefordert", so Kaske. Jeder Fünfte in Österreich ist nicht in Österreich geboren oder stammt von Eltern ab, die nicht in Österreich geboren sind. Die AK will mit der vorliegenden Studie eine breitere Debatte um mehr Integration und Diversität im Gesundheitswesen vorantreiben.

Die Studie gibt deshalb vor allem einen Überblick über die derzeitige Forschungslage:
So klagen in der ATHIS Gesundheitsbefragung (Statistik Austria) deutlich mehr Menschen mit Migrationshintergrund über "erhebliche Schmerzen im letzten Jahr": nämlich 41 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen mit Migrationshintergrund. Ohne Migrationshintergrund waren es 34 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen. Dieselbe Studie verweist auch auf deutliche Unterschiede bei der Nutzung von Vorsorge-Untersuchungen: So nutzten etwa 70 Prozent der Frauen über 40 Jahre ohne Migrationshintergrund die Mammografie, bei den Frauen mit Wurzeln in der Türkei oder im ehemaligen Jugoslawien waren es deutlich weniger, nämlich 52 Prozent.

Ansätze zu mehr Diversität im Gesundheitswesen gibt es: So erprobt beispielsweise das Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital im Rahmen des EU-Projekts "migrant-friendly hospital" wie mehr Diversität im Spital möglich ist. Das Projekt "NachbarInnen" stärkt die Selbsthilfekompetenz und das Gesundheitsbewußtsein. Die MIMi Gesundheitslotsinnen der Volkshilfe bilden MigrantInnen zu GesundheitslotsInnen in ihrer Community aus. "Solche Initiativen brauchen mehr Unterstützung und wir müssen jetzt den nächsten Schritt tun: Mehr Studien zum Thema, die gesammelten Erfahrungen auswerten und dann eine umfassende Diversitätsstrategie für alle Beteiligten entwickeln", so Kaske.

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