Städtebund: Städte sind attraktiver denn je

Kinderbetreuung steigt - weniger Schließtage in Kindergärten

Wien (OTS) - "Der Zuzug in Österreichs Städte ist seit Jahren ungebremst. Das hohe Niveau an Lebensqualität ist beträchtlich - so nehmen die Arbeitsplatzmöglichkeiten (auch für Frauen) stetig zu, der öffentliche Nahverkehr wird immer attraktiver, die Gesundheitseinrichtungen sind gut ausgebaut - und wie sich 2014 zeigt - kommt die qualitative Verbesserung der Kinderbetreuung bei der Bevölkerung sehr positiv an", sagt Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebundes, anlässlich der Pressekonferenz "Österreichs Städte in Zahlen 2014", die gemeinsam mit der Statistik Austria, heute Freitag veranstaltet wurde.

"Städte und ihre Umlandgemeinden sind wirtschaftliche Magneten, sind Zentren für Forschung, Technologie und Innovation (FTI) und bieten durch ihre intensiven Investitionen auf für Unternehmen ein hervorragendes Umfeld. Österreichs Städte wachsen überdurchschnittlich - bereits jetzt leben mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Gemeinden ab 5.000 EinwohnerInnen", macht Weninger deutlich und sagt weiter: "Vor allem Ballungszentren werden auch zunehmend "smart" - sie nutzen unsere gemeinsamen Ressourcen intelligent und effizient, setzen innovative Technologien ein und agieren umweltschonend."

Bevölkerungswachstum in kleinen Städten

Der Zuwachs durch Binnenwanderung ist - neben vier Landeshauptstädten (Graz, Klagenfurt, Wien und Linz) - in Wiener Neustadt (+323 Personen), in Stockerau (+280 Personen), in Klosterneuburg (+266 Personen) und in Krems an der Donau (+235 Personen) am größten. In diesen Städten ist der Zuzug aus dem Ausland zudem geringer als der Binnenzuzug. Von Krems an der Donau zogen im Jahr 2013 sogar mehr Personen ins Ausland als von dort zuzogen.

Bei den in der Publikation beschriebenen 240 Städten zeigen die kleinen Städte (bis 5.000 Einwohnerinnen und Einwohner) den größten Anteil mit sowohl negativer Wanderungs- als auch Geburtenbilanz. Am deutlichsten ist diese negative Bilanz in Eisenerz. Hier lebten 1971 noch mehr als 11.600 Personen, 2014 waren es nur noch 4.520 Personen - der Bevölkerungsrückgang betrug somit 61%. In der Größenklasse der Städte ab 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner zeigt Knittelfeld eine ebensolche Entwicklung. Im Durchschnitt aller 240 Städte lag das Wachstum im Jahr 2013 bei +0,70% und damit nur geringfügig über dem österreichischen Durchschnitt von 0,66%.

Neben der Binnen- und Außenwanderungsbilanz wurden auch die Umzüge innerhalb der Gemeindegrenzen beobachtet. Abgesehen von den Landeshauptstädten zogen die meisten Personen in Wels (4.499) und Villach (4.210) um, die wenigsten in den beiden kleinsten Städten Rattenberg (393 Einwohner, 6 Umzüge) und Schrattenthal (853 Einwohner, 5 Umzüge).

Der Anteil der Bevölkerung mit ausländischer Staatsangehörigkeit lag am 1.1.2014 bei 12,5%. In allen Landeshauptstädten lag dieser Anteil deutlich höher als im jeweiligen Bundesland. Bevölkerung nach Altersgruppen

In den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten (1971-2014) nahm die Gesamtbevölkerung um 13,6% zu. In diesem Zeitraum verringerte sich der Anteil der unter 15-Jährigen an der Gesamtbevölkerung um 10,4 Prozentpunkte, von 25,8% auf 15,4%. Der Anteil der Altersgruppe 65+ stieg im selben Zeitraum um 4,1 Prozentpunkte.

Vorarlberg ist das Bundesland mit dem höchsten Anteil an junger Bevölkerung, 2014 waren 17,3% der Bevölkerung jünger als 15 Jahre. Dies zeigt sich vor allem in den Städten Hohenems (18,5%) und Lustenau (18,4%) sowie der Landeshauptstadt Bregenz: Hier gehören 16,5% der Wohnbevölkerung zur Altersgruppe "0-15 Jahre" und damit deutlich mehr als im Österreichdurchschnitt (15,4%) dieser Altersklasse. Wie aus der Volkszählung des Jahres 1971 hervorgeht, lagen Hohenems mit 32,1% und Lustenau mit 30,0% Anteil an junger Bevölkerung (Altersgruppe "0-15 Jahre") bereits damals weit über dem Österreichdurchschnitt von 21,7%. In den jüngsten Städten des Jahres 1971, Engerwitzdorf (37,1%), Tamsweg (36,2%), Steyregg (36,0%) und Sankt Andrä (35,4%), hat der Anteil an junger Bevölkerung (Altersgruppe "0-15 Jahre") seither stark abgenommen und liegt 2014 in Engerwitzdorf bei 17%, in Tamsweg bei 14,7%, in Steyregg bei 14,3% und in St. Andrä bei 14,9%. Das generelle Bevölkerungswachstum dieser Städte lag in diesem Zeitraum zwischen -0,4 Prozentpunkten in St. Andrä und +107 Prozentpunkten in Engerwitzdorf.

Der Anteil der Bevölkerung in der Altersgruppe 65+ beträgt im Österreichdurchschnitt 18,3%. In den 240 beobachteten Städten und Gemeinden liegt der Durchschnitt in dieser Altersgruppe auf gleichem Niveau (18,4%). Davon weichen 2014 die ausgewiesenen "ältesten" Städte weit ab. So betrug in Eisenerz der Anteil der Personen in der Altersklasse 65+ im Jahr 1971 noch geringe 11,7%, 2014 war dort dieser Anteil mit 38,1% österreichweit der höchste. Auch in den Städten Bad Radkersburg (17,2%), Raabs an der Thaya (19,4%) und Litschau (15,7%) waren 2014 die Anteile der Altersgruppe 65+ deutlich höher als 1971.

In den "ältesten" Städten des Jahres 1971 - Klosterneuburg (21,0%), Baden (20,6%), Wien und Perchtoldsdorf (je 20,0%) - hat sich der Anteil an älterer Bevölkerung (Altersgruppe 65+) nur geringfügig erhöht. In Wien ging der Anteil in dieser Altersgruppe sogar um 3% zurück, bei einem Bevölkerungswachstum von +9 Prozentpunkten im selben Zeitraum. Klosterneuburg lag 2014 bei einem Anteil von 23,3% bei der Altersgruppe 65+, Baden bei 24,3% und Perchtoldsdorf bei 25,4%. Bei den Landeshauptstädten lag 2014 die Stadt Salzburg mit 20,1% an der Spitze, gefolgt von St. Pölten (19,7%) und Klagenfurt (19,4%).

Kinderbetreuung steigt - weniger Schließtage in Kindergärten

Österreichweit stieg die Anzahl der betreuten Kinder zwischen 2003 und 2013 um 26% von 264.699 auf 333.326 Kinder. Am stärksten hat sich in diesem Zeitraum das Betreuungsangebot in altersgemischten Gruppen verändert - sowohl hinsichtlich der Einrichtungen (+158%) als auch der Anzahl der Gruppen (+148%) und der dort betreuten Kinder (+207%). Ähnlich ausgeprägt ist der Zuwachs bei Krippen (+98%) und Krippengruppen (+110%). Berücksichtigt man, dass der überwiegende Anteil der Kinder in Krippen zur Altersgruppe der 0- bis 2-Jährigen zählt, zeigt sich das verbesserte Angebot auch in der deutlichen Zunahme der Betreuungsquote dieser Altersgruppe um +14,5 Prozentpunkte. Auch in der Altersgruppen der 3- bis 5-Jährigen - also den "klassischen Kindergartenkindern" (+9 Prozentpunkte) - stieg die Betreuungsquote deutlich an, ebenso bei 6- bis 9-jährigen Volksschulkindern (+6 Prozentpunkte), die außerhalb der Schule in Horten und altersgemischten Gruppen betreut werden.

Die 240 Städte boten 2013/2014 im Rahmen der Kinderbetreuung 1.019 Krippen, 2.310 Kindergärten, 851 Einrichtungen mit altersgemischten Gruppen und 814 Horte an. Im Beobachtungszeitraum von 2003 bis 2013 nahm die Anzahl der Einrichtungen für alle Betreuungsformen zu:
Krippen +363, Kindergärten +172, Einrichtungen mit altersgemischten Gruppen +630 und Horte +22. Der wesentliche Aspekt der Verfügbarkeit dieser Einrichtungen hat sich - gemessen an den Schließtagen - vor allem bei den Kindergärten verbessert. Waren diese 2003 im Durchschnitt der 240 Städte (ohne Steiermark) noch für 43,4 Tage geschlossen, so waren es 2013 nur noch 30,3 Tage. Die Einrichtungen mit altersgemischten Gruppen verlängerten die Betreuungszeiten durch Reduktion der Schließtage von 31,1 Tage auf 23,7 Tage im Durchschnitt um 7,4 Tage.

Gliedert man die 240 Städte nach Einwohnerzahlen in drei Gruppen, so zeigt sich, dass Krippen in Städten ab 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die wenigsten Schließtage haben, in Wien sind es überhaupt nur 3,1 Tage. In den Städten mit 5.000 bis 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern haben die Kindergärten mit 28,7 Tagen die wenigsten Schließtage, der Österreichdurchschnitt liegt hier bei 33,8 Tagen. In Kleinstädten mit bis zu 5.000 Einwohnerinnen und Einwohnern haben Einrichtungen mit altersgemischten Gruppen am längsten geöffnet (21,3 Schließtage). Horteinrichtungen weisen in allen Größengruppen - wohl auch in Anlehnung an die Schulferien - mit durchschnittlich 35,2 Tagen die meisten Schließtage auf.

"Der Frauenanteil in Städten steigt stetig. Städte von morgen sind weiblich. Der Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung macht sich bezahlt: Die gestiegenen Betreuungsquoten, nicht zuletzt auch aufgrund der Reduktion von Schließtagen im Kindergarten, schlagen sich zunehmend in der weiblichen Erwerbsbeteiligung nieder. Für viele Frauen bedeutet dies, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.", so Weninger abschließend.

"Österreichs Städte in Zahlen"

"Österreichs Städte in Zahlen" ist ein Kooperationsprojekt von Österreichischem Städtebund und der Bundesanstalt Statistik Österreich. Die Publikation liefert ein umfassendes Bild über die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Städte und Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern: Mit Daten zur Bevölkerungsentwicklung, aktuellen Zahlen zu Unterricht und Kultur, Verkehr und Tourismus, der Finanzgebarung sowie zu Sozial- und Freizeiteinrichtungen bietet es wichtige Informationen für Kommunalpolitik und Wirtschaftstreibende sowie für die interessierte Öffentlichkeit. "Österreichs Städte in Zahlen" ersetzt seit 2007 das "Statistische Jahrbuch Österreichischer Städte", das seit 1950 über demographische, ökonomische, ökologische und soziale Aspekte der Städte berichtet.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen finden Sie in der Publikation "Österreichs Städte in Zahlen 2014" unter www.statistik.at

Informationen über den Österreichischen Städtebund

Der Österreichische Städtebund ist die kommunale Interessenvertretung von rund 250 Städten und größeren Gemeinden. Etwa 65% der Bevölkerung und 71% der Arbeitsplätze befinden sich in Österreichs Ballungsräumen. Mitglieder des Städtebundes sind neben Wien und den Landeshauptstädten praktisch alle Gemeinden mit über 10.000 EinwohnerInnen. Die kleinste Mitgliedsgemeinde zählt knapp 1.000 EinwohnerInnen. Die Mitgliedschaft ist freiwillig. Der Österreichische Städtebund ist Gesprächspartner für die Regierung auf Bundes- und Landesebene und ist in der österreichischen Bundesverfassung (Art. 115 Abs.3) ausdrücklich erwähnt.

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