Neues Volksblatt: "Lesetest" von Herbert SCHICHO

Ausgabe vom 22. Jänner 2014

Linz (OTS) - Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der Schule, sinnverstehendes Lesen zu vermitteln. Die Gefahr, daran zu scheitern, ist vor allem dann besonders hoch, wenn der Sachverhalt äußerst komplex und der Interpretationsspielraum dementsprechend groß ist. Aktuelles Beispiel ist der Sozialbericht 2013/2014. Auf 400 Seiten wird detailliert die Lage in Österreich mit Zahlen aufaufbereitet und gezeigt. Grundsätzlich stellt der Bericht Österreich ein sehr gutes Zeugnis aus: Armut und Armutsgefährdung sind gesunken, die Sozialausgaben sind trotzdem nur leicht gestiegen.
Den Wermutstropfen orten rot-grüne Sozialpolitiker im Anstieg des Gini-Koeffizienten, dieser misst die Einkommensverteilung und die ist demnach im vergangenen Jahr auseinandergegangen. Der Gini-Koeffizient misst aber nicht die Verteilung des Vermögens. Warum man daraus die Notwendigkeit einer Vermögensbesteuerung herauslesen soll, ist schleierhaft.
Welchen Bericht allerdings die FPÖ gelesen hat, ist noch rätselhafter. Sie ortet ein "völliges Versagen des Sozialministers", da er die Armutsspirale nicht stoppen konnte. Laut Bericht fruchten die Maßnahmen allerdings durchaus.
Vielleicht sollte man im Parlament einen Lesezirkel einrichten, denn zumindest diesen Lesetest haben etliche Politiker nicht bestanden. Man muss ihnen aber zugestehen, dass es zum Lesen eines solchen Berichtes mindestens Kompetenzstufe 5 braucht.

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