MAK-Jahrespressekonferenz/Programmpräsentation 2015: VERANTWORTUNG GESTALTEN

Wien (OTS) - Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie definieren wir Glück? Wie können wir unsere Welt verbessern? Das sind die Leitthemen, denen sich das MAK im Jahr 2015 widmet. Vor dem Hintergrund des dramatischen Klimawandels und einer zutiefst ungleichen Verteilung von Wachstum und Wohlstand sieht Christoph Thun-Hohenstein, Direktor des MAK, das Museum gefordert, mit den Mitteln der angewandten und der bildenden Kunst Antworten auf drängende Fragen der Gegenwart zu finden. Zu den Highlights des Jahresprogramms 2015, das das MAK noch nachhaltiger als eines der weltweit führenden Museen für positive Veränderungen unserer Lebensweisen positioniert und das bei der Jahrespressekonferenz des MAK am 21. Januar 2015 präsentiert wurde, zählen unter anderem die Präsentation von EOOS, einem der unter dem Vorzeichen positiven Wandels spannendsten Designbüros der Welt, und herausragende Ausstellungen im Rahmen der von mehreren Institutionen gemeinsam organisierten VIENNA BIENNALE 2015: IDEAS FOR CHANGE. Dem bedeutenden Thema Glück widmet sich die Präsentation von Stefan Sagmeisters "The Happy Show", während die große Personale "JOSEF FRANK. Against Design" die Durchleuchtung der Wiener Moderne und die Erarbeitung ihrer aktuellen Relevanz fortsetzt.

"Design und andere Kreativsparten sind gefordert, die Menschen durch Kreativität und Innovation nachhaltig für verantwortungsvolles Handeln zu gewinnen. Wahrnehmung von Verantwortung funktioniert dann am besten, wenn sie Freude und Spaß macht. Das Museum ist ein ideales Labor für die Erörterung und Gestaltung von Werkzeugen und Prozessen zur Verbesserung der Welt. In einer Zeit, die immer mehr von Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Gier getrieben ist, brauchen die Menschen vor allem eines: positive Orientierung. Ähnlich wie in der Wiener Moderne die Suche nach dem neuen Menschen im Vordergrund stand, geht es heute - in der Digitalen Moderne - um neue, globale Bürger und Bürgerinnen: Menschen, die lokal verortet sind, aber mit globalem Horizont verantwortungsvoll handeln", so Christoph Thun-Hohenstein.

Das Potenzial zu positiver Veränderung, oder zu einem Wechsel der Perspektive, steckt in jedem Projekt. Mit seinem auf Reduktion fokussierenden, zwischen Archaik und Hightech verorteten Entwurfspathos hat sich EOOS als eines der international erfolgreichsten Designstudios etabliert. Anlässlich seines 20-jährigen Bestehens zeigt das MAK unter dem Titel "EOOS" (MAK DESIGN LABOR, 28. Januar - 17. Mai 2015) die erste große Werkschau des gleichnamigen österreichischen Studios und gibt Einblick in dessen poetisch-analytischen Entwurfsprozess. Das von EOOS im Jahr 2014 gestaltete MAK DESIGN LABOR bildet dabei den Rahmen für einen Ausstellungsparcours mit Interventionen in allen Laborbereichen, die das vielschichtige Schaffen der Studiogründer Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gruendl veranschaulichen.

Veränderung, "Change", ist nur gemeinsam möglich. Umso mehr freut sich Christoph Thun-Hohenstein, dass die von ihm initiierte VIENNA BIENNALE, die als erste ihrer Art weltweit zeitgenössische bildende Kunst mit Design und Architektur verbindet, 2015 vom MAK in Partnerschaft mit der Universität für angewandte Kunst Wien, der Kunsthalle Wien, dem Architekturzentrum Wien sowie departure, dem Kreativzentrum der Wirtschaftsagentur Wien, und mit Unterstützung des AIT Austrian Institute of Technology als außeruniversitärer Forschungspartner durchgeführt wird (www.viennabiennale.org). Im Rahmen der ersten, dem Thema IDEAS FOR CHANGE gewidmeten Ausgabe der VIENNA BIENNALE (11. Juni - 4. Oktober 2015) zeigt das MAK vier Großprojekte:

"Mapping Bucharest: Art, Memory, and Revolution 1916-2016" (KuratorInnen: Peter Weibel, Vorstand, ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe; Ordentlicher Professor, Universität für angewandte Kunst Wien, und Bärbel Vischer, Kustodin MAK-Sammlung Gegenwartskunst) beleuchtet die zeitgenössische Szene Bukarests und Rumäniens vor dem Hintergrund des Dadaismus, des Surrealismus, des Theaters des Absurden und aktueller avantgardistischer Bewegungen in Kunst, Design und Architektur. Auch die ausgezeichneten Beiträge des Ideenwettbewerbs "Create Your Bucharest" werden in einer eigenen Sektion der Ausstellung präsentiert. "Mapping Bucharest" und "Create Your Bucharest" werden vom MAK mit wesentlicher finanzieller Unterstützung von OMV und OMV Petrom realisiert.

Die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Thema Urbanität treibt die vom Museum of Modern Art (MoMA), New York, in Zusammenarbeit mit dem MAK realisierte Ausstellung "Uneven Growth:
Tactical Urbanisms for Expanding Megacities" voran. Die gezeigten Szenarien wurden von sechs Teams von ExpertInnen und PraktikerInnen in Workshops entwickelt, in denen neue architektonische Möglichkeiten für sechs globale Metropolen getestet wurden (Kurator: Pedro Gadanho, Kurator für zeitgenössische Architektur, MoMA).

Im Kontext der Stadt als Labor für zukunftsfähige Lebensstile werden im Rahmen von "2051: Smart Life in the City" (Kuratoren:
Harald Gruendl, Co-Partner, EOOS, Institutsvorstand IDRV - Institute of Design Research Vienna, und Thomas Geisler, Kustode MAK-Sammlung Design) eine Ausstellung im MAK sowie Teststationen, sogenannte "Demonstratoren", in der Stadt und Workshops zu Projekten, die ein neues Designverständnis repräsentieren, entwickelt. Das Projekt untersucht drängende Designaufgaben: Wie verändern Klimawandel, Begrenztheit von Ressourcen und demografischer Wandel unsere Zivilisation? Welchen Einfluss nehmen technologische und soziale Innovationen? "2051: Smart Life in the City" wird vom MAK gemeinsam mit departure, dem Kreativzentrum der Wirtschaftsagentur Wien, organisiert.

Maria Lind, Direktorin der Tensta Konsthall in Stockholm, kuratiert für die VIENNA BIENNALE ein Projekt, bestehend aus drei Teilen: einer groß angelegten Gruppenausstellung im MAK, einer Einzelausstellung in der Kunsthalle Wien (MuseumsQuartier) und einem Special Report. Diskursive Veranstaltungen, darunter das MAK NITE Lab "A New Enlightenment? The First Public Deliberation", die bereits im Jahr 2014 stattgefunden hat, führen in das Gesamtprojekt ein.

Der von Thun-Hohenstein zusätzlich initiierte VIENNA BIENNALE CIRCLE - bestehend aus in dieser Stadt lebenden eminenten Persönlichkeiten - sorgt für die Rückbindung der Biennale an Wien und stellt sicher, dass sämtliche Projekte interdisziplinär durchleuchtet und verklammert werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden in einer zusätzlichen Ausstellung aufbereitet.

Laufender Dialog mit der Avantgarde

Mit dem Ziel, auf Basis der Tradition des Hauses neue Perspektiven zu schaffen, setzt sich das MAK konsequent mit der aktuellen Avantgarde in Kunst, Design und Architektur auseinander. Amie Siegel beleuchtet in ihrer mehrteiligen Arbeit "Provenance" (MAK-Schausammlung Gegenwartskunst, 22. April - 31. Mai 2015) die Soziologie modernistischen Designs am Beispiel der Möbel, die Pierre Jeanneret für die Gebäude von Le Corbusier in Chandigarh, Indien, entwarf. Die Filminstallation zeichnet die Reise der Möbel in umgekehrter Reihenfolge nach, von Privatwohnungen über Auktionen, Lagerhäuser, Restaurierung und Schiffstransport bis hin zu ihrem Ursprungsort.

In einer gemeinsamen Ausstellung des MAK und der Universität für angewandte Kunst Wien transformiert Alfredo Barsuglia mit seiner raumgreifenden Installation "Cabinet" (MAK GALERIE, 4. März - 10. Mai 2015) die MAK GALERIE in eine komplexe Abfolge vermeintlich privater Wohnräume, die im titelgebenden "Cabinet" kulminieren. "Cabinet" ist die achte Ausstellung im Rahmen der Reihe ANGEWANDTE KUNST. HEUTE, einer Kooperation von MAK und Universität für angewandte Kunst Wien, die eine Plattform für zeitgenössische Formen der angewandten Kunst schaffen soll.

Die audiovisuelle Avantgarde holt das MAK mit der bereits bewährten Kooperation mit sound:frame ins Museum. sound:frame, das Wiener "festival for audiovisual expressions", legt 2015 seinen Fokus auf die audiovisuelle und interdisziplinäre LIVE Performance. An sechs Spieltagen wird ein internationales Programm mit Live-Shows, performativen Vermittlungskonzepten, Talkformaten und Laborsituationen präsentiert.

Herausragende zeitgenössische Positionen von internationalem Autorenschmuck, einer Kunstform für Menschen sui generi, die im Dialog mit den TrägerInnen zusätzliche Ausdrucksdimensionen gewinnt, zeigt die bereits im Januar eröffnete Ausstellung "SCHMUCK 1970-2015:
SAMMLUNG BOLLMANN. FRITZ MAIERHOFER - Retrospektive" (MAK-Ausstellungshalle, 14. Januar - 29. März 2015). Die Schau gewährt erstmals einen tiefen Einblick in die mehr als 1.000 Objekte zählende Schmucksammlung des österreichischen Ehepaars Bollmann und präsentiert das Oeuvre des international anerkannten österreichischen Schmuckkünstlers Fritz Maierhofer.

Spielraum für avantgardistische Experimente und Versuchsanordnungen der zeitgenössischen Szene bietet das MAK NITE Lab. Ausgehend von einem prozesshaften Kunstbegriff versteht sich die etablierte Veranstaltungsreihe, die an ausgewählten Dienstagabenden bei freiem Eintritt stattfindet, als Plattform für vielfältige subjektive Ausdeutungen von Kunstproduktion und deren Wahrnehmung. Performative Kunstformen, Film/Video und Installation stehen dabei im Vordergrund.

"Change"-Faktor Glück

Glück als nicht unwesentlicher Faktor für positive Veränderung ist das Thema der umfassenden, vom Institute of Contemporary Art, University of Pennsylvania in Kooperation mit dem MAK organisierten und von der Erste Bank im Rahmen des MehrWERT Sponsoring Programmes unterstützten Ausstellung "STEFAN SAGMEISTER.The Happy Show" (MAK, 28. Oktober 2015 - 28. März 2016). In "The Happy Show" teilt Stefan Sagmeister, der "Großmeister des Grafikdesigns", seine Glückserfahrungen, die er durch Meditation, Sport und Aufputschmittel gemacht hat. Er fragt nach dem Glück und bietet an, durch interaktive und multimediale Unterstützung, auch das eigene Glücksgefühl zu steigern.

Auch der MAK-Kunstblättersaal widmet sich mit "CHRISTOPH NIEMANN. Unterm Strich" (1. Juli - 11. Oktober 2015) und der schon zur Tradition gewordenen Präsentation des Wettbewerbs "100 BESTE PLAKATE 14. Deutschland Österreich Schweiz" (4. November 2015 - 10. Januar 2016) herausragenden Positionen aus dem Bereich Grafikdesign.

Einen fulminanten Schlusspunkt des Jahres 2015 setzt die große Personale "JOSEF FRANK. Against Design" (MAK-Ausstellungshalle, 16. Dezember 2015 - 27. März 2016). Einmal mehr macht sich das MAK auf die Spuren der Wiener Moderne, die mit ihrer ungebrochenen Aktualität gerade auch zum Thema "Change" inspiriert und fasziniert. Die Ausstellung zeigt Hauptwerke des 1885 in Baden bei Wien geborenen und 1967 in Stockholm verstorbenen Josef Frank, der zu den bedeutendsten österreichischen ArchitektInnen und angewandten KünstlerInnen des 20. Jahrhunderts gehört. Mit seinen hervorragenden Entwürfen für Textilien und Möbel zählt Frank zu den GestalterInnen der Moderne, denen das internationale Design bis heute wichtige Impulse verdankt.

MAK-Exposituren

In seiner vierten Auflage präsentiert der MAK DESIGN SALON, der seit 2013 mit Unterstützung des DOROTHEUM stattfindet, das für seinen spekulativen Designansatz bekannte Londoner Designduo Dunne & Raby. Mit "The School of Constructed Realities" (12. Juni - 4. Oktober 2015) reagiert Dunne & Raby auf das historische Ambiente des 1808 erbauten großbürgerlichen Geymüllerschlössels. Die digitale Revolution ist Anlass für die DesignerInnen, diesen Ort, geprägt vom Geiste einer frühen Industriegesellschaft, wieder aufzugreifen und neu zu interpretieren.

Im Josef Hoffmann Museum, Brtnice, einer gemeinsamen Expositur der Mährischen Galerie in Brno und des MAK, zeigt die Ausstellung "DER PRIVATE JOSEF HOFFMANN" (2. Juni - 1. November 2015) erstmals die in Brtnice verbliebenen Objekte aus dem persönlichen Besitz Josef Hoffmanns und präsentiert noch nie gezeigte Gegenstände aus der Produktion der Wiener Werkstätte. Gleichzeitig werden junge DesignerInnen eingeladen, sich mit dem Stil Hoffmanns in Objektinterventionen auseinanderzusetzen.

Das MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles, trägt auch in diesem Jahr mit einem vielschichtigen Programm zum interkulturellen Austausch zwischen Wien und Los Angeles bei. Das Schindler House zeigt vier wegweisende Projekte:

Die Künstlerin Renée Green konnotiert das Schindler House in der Ausstellung "Begin Again, Begin Again" (22. Januar - 29. März 2015) mit Fragen des Erlebens und der emotionalen Bedeutung von Lebensformen, Wohnen, Wohnraum, Zeit und Distanz.

Ebenfalls inspiriert vom Schindler House setzt sich die Künstlerin Carmen Argote in ihrer, in Kooperation mit Andrea Zittels High Desert Test Sites realisierten Personale an zwei Standorten mit dem Verständnis von architektonischem Raum auseinander (Installation im Schindler House, 18. April - 17. Mai 2015; Installation in der Mojave-Wüste, 23. Mai - 28. Juni 2015), während die Ausstellung "Creative Spaces" (29. Mai - 16. August 2015) den Einfluss divergierender Auffassungen von Kreativität auf die moderne Architektur thematisiert.

Die von MAK-Kurator Christian Witt-Dörring kuratierte Ausstellung "R.M. Schindler: The Prequel" (10. September - 6. Dezember 2015) spürt vor dem Hintergrund der Schau "WEGE DER MODERNE. Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Folgen", die bis zum 19. April 2015 im MAK zu sehen ist, den ästhetischen Manifestationen der Moderne des frühen 20. Jahrhunderts im heutigen Schindler House nach.

Auch die Ausstellungsreihe "GARAGE EXCHANGE VIENNA - LOS ANGELES" wird fortgesetzt. In jährlich zwei Ausstellungen bespielen ehemalige österreichische Schindler-StipendiatInnen in Zusammenarbeit mit in Los Angeles ansässigen KünstlerInnen und ArchitektInnen das zu einem Ausstellungsraum ausgebaute Garagendach der Mackey Apartments. In diesem Jahr werden Positionen von Nicole Six/Paul Petritsch & James Benning (30. April - 29. August 2015) und Marko Lulic & Sam Durant (12. November 2015 - 5. März 2016) präsentiert (Details unter MAKcenter.org).

Bildmaterial zum MAK-Programm 2015 unter MAK.at/presse zum Download.

Laufend aktualisierte Informationen zum MAK-Programm 2015 unter MAK.at.

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Sandra Hell-Ghignone, Veronika Träger, Lara Steinhäußer
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