TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Platter steuert auf Not-Operation zu", von Anita Heubacher

Ausgabe vom 21. Jänner 2015

Innsbruck (OTS) - Der Ärztestreit wächst sich, je länger er dauert, zum Imageschaden für die Klinik aus. Grund dafür ist auch der Nicht-Kommunikator Gesundheitslandesrat Tilg. Er bringt damit Regierungschef Platter unter Zugzwang.

Es war vermutlich das, was in der Situation so sehr zu gebrauchen ist wie eine Lungenentzündung: Vom Podium herab teilte Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg vor versammelter Belegschaft der Medizinischen Universität den Klinikärzten mit, dass er mit ihnen nicht zu sprechen gedenke. Die Ärzte fordern mehr Grundgehalt und Wertschätzung. In der Arbeitsgemeinschaft der Klinikärzte finden sich renommierte Mediziner - mehrere hundert Ärzte haben mit ihrer Unterschrift ihren Protest kundgetan. Tilg spricht aber nur mit dem Betriebsrat und damit mit jenem Organ, dem die Arbeitsgemeinschaft das Misstrauen ausgesprochen hat. Wie erfolgreich Tilgs für Ende Jänner einberufener runder Tisch zur Lösung des Ärztestreits sein wird, lässt sich erahnen. Der Konflikt an Tirols Spitälern wird zunehmend ein Problem für die ÖVP und Regierungschef Günther Platter. Alle unter einer Decke - vom Gesundheitslandesrat über die Tilak-Führung bis hin zum Betriebsrat von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter, das Misstrauen in der Ärzteschaft ist groß. Lange wird es nicht mehr dauern, bis politische Konsequenzen und damit der Rücktritt von Gesundheitslandesrat Tilg von der Ärzteschaft auch offiziell gefordert wird.
Mit Rücktrittsforderungen sieht sich der Landesrat nicht zum ersten Mal konfrontiert. Nachdem er befunden hatte, dass es bei der Rettung "eine dringend notwendige Prozessoptimierung" brauche, blieb dort kein Stein auf dem anderen. Am Ende kostete die neue Rettung mehr als geplant, Ehrenamtliche waren verschnupft. Man muss Tilg zugute halten, dass er Dinge angreift, die seine Vorgänger links liegen ließen. Der Preis dafür ist allerdings hoch.
Man kann zu den mit dem Leichentuch wachelnden Ärzten stehen, wie man will, die Innsbrucker Klinik ist ein Aushängeschild Tirols. Ein Juwel, das von einer zugegeben schwierigen Klientel zum Glänzen gebracht wird, das aber nicht beschädigt werden darf. Dafür hat auch der zuständige Gesundheitslandesrat Sorge zu tragen. Er ist gefordert, eine Lösung auf den Tisch zu legen. Aussitzen bis Juni wird einen Imageschaden der Klinik und verunsicherte Patienten zur Folge haben.
Ein Schlüssel zur Konfliktlösung liegt in der Kommunikation. Ebendiese ist Tilgs Sache nicht. Das hat man beim Rettungsgesetz gesehen und das zeichnet sich beim Ärztestreit ab. Im Zweifelsfall geht Tilg auf Tauchstation oder sagt wie anfangs geschildert das Falsche.

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