WKÖ-Gleitsmann: Fakten zum Pensionsantrittsalter

Umstellung auf Rehabilitations- oder Umschulungsgeld bringt System finanziell nicht auf Kurs

Wien (OTS/PWK034) - "Das Pensionsantrittsalter liegt 2014 in Österreich bei 58,9 Jahren. Dies bedeutet einen Anstieg um lediglich 0,4 Jahre gegenüber 2013. Im selben Zeitraum hat sich die Lebenserwartung um 0,2 bis 0,3 Jahre erhöht", analysiert Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Diese Zahlen sind vor dem Hintergrund der gestrigen Aussagen von Bundesminister Hundstorfer zum Pensionsantrittsalter bemerkenswert: Dieser verkündete eine Steigerung von 1,1 Jahren gegenüber 2013. Dabei handelte es sich allerdings um die unbereinigten Zahlen, die nicht die Bezieher von Rehabilitationsgeld berücksichtigen.

Zum Hintergrund: Seit 2014 beziehen Personen, die früher in Invaliditätspension gingen, statt einer Pensionsleistung Rehabilitations- oder Umschulungsgeld. Bei einer unbereinigten Betrachtung bewirkt dies statistisch einen Anstieg des Pensionsantrittsalters. Gleitsmann: "Maßnahmen zur Rehabilitation sind gegenüber einer Invaliditätspension nur dann ein Fortschritt, wenn die betroffenen Menschen erfolgreich im Erwerbsleben (re-) integriert sind. Solange sie im Rehabilitationsregime verbleiben und statt Invaliditätspensionisten Umschulungsgeld- oder Rehabilitationsgeldbezieher sind, muss dies statistisch berücksichtigt werden. Das gilt umso mehr, als auch das Rehabilitationsgeld aus dem Budget der Pensionsversicherung geleistet wird. Eine statistische Herausnahme eines Personenkreises mit anschließendem Schulterklopfen über eine Zielannäherung führt das Pensionssystem finanziell nicht auf Kurs".

Zahl der Leistungsempfänger ist deutlich gestiegen

2014 wurden 19.980 Invaliditätspensionen zuerkannt - somit um 4.136 weniger als noch 2013. Allerdings wurde 2014 insgesamt 11.784 Personen Rehabilitationsgeld gewährt. Mit anderen Worten: 2014 haben wir 7.648 mehr Leistungsempfänger als 2013. Das entspricht einer Steigerung von über 31 % oder knapp einem Drittel. In absoluten Zahlen gibt es die meisten Rehabilitationsgeld-Bezieher in der Steiermark, nämlich: 2.540 per Ende 2014. In Wien, wo fast doppelt so viele Menschen beschäftigt sind, gab es zum gleichen Zeitpunkt "nur" 1.930 Fälle. Das durchschnittliche Antrittsalter bei Beziehern von Rehabilitationsgeld liegt bei nur 41 Jahren.

Pensionsantrittsalter: Moderater Anstieg - doch Handlungsbedarf bleibt

Das Antrittsalter ist also bei weitem nicht so stark angestiegen wie erhofft, es ist aber ein geringer Anstieg zu verzeichnen. Dieser ist v.a. auf die Reform der Frühpension wegen langer Versicherungsdauer zurückzuführen - eine Reform, auf die die WKÖ immer gedrängt hat. "Angesichts des steigenden Bundeszuschusses besteht weiterhin Handlungsbedarf. Die steigenden Ausgaben für den Pensionsbereich engen den Handlungsspielraum für die Bereiche Wachstum und Investitionen ein. Eine Anhebung der Altersgrenzen bei den vorzeitigen Alterspensionen wäre etwa eine wirksame Maßnahme mit sofortigem messbaren Erfolg", so Gleitsmann. (PM)

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