Khol: Pensionsantrittsalter steigt. Reformen greifen. Statistische Verzerrungen beseitigen.

Neue Vergleichsbasis der Zahlen schaffen. Durchschnittszahlen ohnehin zu wenig aussagekräftig.

Wien (OTS) - Angesichts der medialen sowie politischen Debatte hinsichtlich "statistischer Tricks" bei den gestern bekannt gegebenen Pensionsantrittszahlen hält Univ.-Prof. Dr. Andreas Khol, Bundesobmann des Österreichischen Seniorenbundes und Präsident des Österreichischen Seniorenrates, heute fest:

Neue Vergleichsbasis für 2013 errechnen - Reha-Geld nicht aus Pensionssystem bezahlen!

"Ja, die Vergleiche der Durchschnittszahlen von 2013 mit jenen von 2014 sind verzerrend, weil 2013 die Gruppe der befristeten I-Pensionen enthalten war, die 2014 fehlt. Dazu empfehlen wir dem Sozialminister - in seinem eigenen Interesse - die Zahlen 2013 ohne die Gruppe der befristeten I-Pensionen zur Verfügung zu stellen. Schon kann der direkte und seriöse Vergleich erfolgen."

Khol ergänzt zum 2014 eingeführten Reha-Geld: "Wir Senioren hatten nachweislich immer gefordert, dass das Reha-Geld nicht aus dem Pensionssystem bezahlt werden darf. Es stellt eine klare Gesundheits-und eben keine Pensionsleistung dar. Wir sind weiter dafür, dies entsprechend umzustellen!"

Khol weist zudem auf eine weitere statistische Auswirkung hin:
"Allerdings schlägt die vorgeworfene Verzerrung auch in die andere Richtung aus: Weil im Vorjahr 5.596 Männer weniger als 2013 eine Hackler-Regelung angetreten haben, fehlt in der Statistik logischerweise genauso oft der über dem Durchschnitt liegende Antrittsalterwert von 62 (oder mehr) Jahren. Und weil 1.220 Männer weniger als 2013 eine tatsächliche Alterspension angetreten haben, fehlt ebenso oft der weit überdurchschnittliche Wert von 65 (oder mehr) Jahren. In Summe drückt dies den Durchschnittswert sogar!"

Ausschlaggebend sind absolute Zahlen - Weitere Reformanstrengungen dennoch erwünscht!

Khol daher: "Ausschlaggebend sind daher einzig die absoluten Pensionsantrittszahlen und die sind deutlich: Minus 12.241 Pensionsantritte - und dies obwohl wir hier von betroffenen Geburtsjahrgängen sprechen, die zahlenmäßig stärker sind als jene davor. Somit zeigt sich eine klar positive Entwicklung."

Khol zeigt dies anhand eines weiteren Beispiels: "Insbesondere das weiterhin geltende unterschiedliche Antrittsalter für Frauen und Männer macht den gemeinsamen Durchschnitt wenig aussagekräftig. Würden alle Frauen mit 60 und alle Männer mit 65 ihre Pension antreten, läge der statistische Durchschnitt noch immer nur bei 62,5 Jahren - und somit weit unter dem vielzitierten OECD-Durchschnitt. Alleine dieses Beispiel zeigt, wie wenig hilfreich diese Durchschnittszahlen für die gesamte Debatte sind."

"Wir sollten daher die Polemik bei Seite lassen und festhalten: Die Entwicklung geht in eine gute Richtung. Weitere Reformanstrengungen sind deshalb aber trotzdem nötig," fordert Khol die sachliche Auseinandersetzung mit dem wichtigen Pensions-Thema.

Teilpension und Aufschub-Bonus fehlen noch immer!

Khol bedauert zudem, "dass uns diese Zahlen keine Auskunft darüber geben können, wie viele der Menschen, die eine Korridor- oder Hacklerpension angetreten haben, lieber in eine Teilpension gegangen werden. Weil diese vereinbarte Pensionsform 2014 nicht beschlossen wurde, hatten die Betroffenen weiterhin nur die von uns kritisierte Alles-oder-Nichts-Wahl: sie konnten entweder ganz in Pension gehen oder voll weiterarbeiten. Die angekündigte Einführung der Teilpension soll und wird hier weitere positive Effekte haben!"

Dasselbe gelte für die Aufschub-Bonus-Pension, die weiterhin nicht umgesetzt ist, so Khol: "Der aktuelle Aufschub-Bonus liegt unter den versicherungsmathematischen Werten und ist daher zu wenig attraktiv. Auch hier ist die Vereinbarung umzusetzen und wird weitere positive Auswirkungen auf die Antrittszahlen zeigen."

Bei Rechtsanspruch auf Hackler- oder Alterspension kein Anspruch auf Arbeitslosengeld

Zudem korrigiert Khol eine heute verbreitete Behauptung: "Heute wird behauptet: alle, die eine Pension nicht angetreten hätten, wären deshalb zu Arbeitslosen geworden. Hier darf ich auf die geltende Rechtslage verweisen: Wer Anspruch auf eine Hackler- oder Alterspension hat, kann kein Arbeitslosengeld beziehen, sondern muss die Pension antreten. Der behauptete Zusammenhang kann daher nicht hergestellt werden. Selbstverständlich sind aber die begonnen Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit der 50plus weiter zu intensivieren und individuell einzusetzen!"

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