Niedriger Ölpreis und Euroabwertung als Lichtblicke in eingetrübtem Konjunkturumfeld

Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators vom Jänner 2015

Wien (OTS) - Das Wirtschaftswachstum in Österreich fiel im Lauf des Jahres 2014 enttäuschend aus. Die sich in der ersten Jahreshälfte abzeichnende Erholung realisierte sich aufgrund der geopolitischen Spannungen und einer Abschwächung der internationalen Konjunktur nicht. Nach einem Wachstum von 0,1 % in den beiden ersten Quartalen 2014 (jeweils zum Vorquartal) schrumpfte die österreichische Wirtschaft im dritten Quartal leicht (-0,1 %). Die Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators vom Jänner signalisieren für das vierte Quartal 2014 ein Wachstum um 0,1 % gegenüber dem Vorquartal. Ein Abgleiten in eine technische Rezession mit einer sinkenden Wirtschaftsleistung in zwei aufeinander folgenden Quartalen zeichnet sich damit nicht ab, ist aber nicht gänzlich auszuschließen. Für das Gesamtjahr 2014 ergibt sich damit ein Wachstum von +0,5 %. Für das erste Quartal 2015 wird nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Rohölpreise und dem schwachen Eurowechselkurs eine leichte Beschleunigung auf +0,3 % erwartet.

Zahlreiche Faktoren bremsten zuletzt die österreichische Konjunktur:
Österreichs Exporteure sind vor allem durch die schwache Nachfrage der europäischen Handelspartner betroffen. So wurden in den ersten zehn Monaten 2014 nach Frankreich (-6,1 %), Italien ( 0,7 %) und Deutschland ( 0,1 %) weniger Güter geliefert. Darüber hinaus dämpfte der Rückgang der Ausfuhren nach Russland (-7,7 %) die gesamte Exportaktivität. Für die Monate November (+1,7 %) und Dezember (+2,3 %) deutet der OeNB-Exportindikator auf eine leichte Beschleunigung des Exportwachstums hin. Für das Gesamtjahr 2014 ergibt sich damit ein Wachstum der nominellen Güterexporte um 0,8 %. Der Wertverlust des Euro hat schon in den ersten zehn Monaten des Jahres 2014 zum deutlichen Plus der Ausfuhren in die USA (+7,9 %) und das Vereinigte Königreich (+6,7 %) beigetragen. Dieser positive Impuls für die österreichische Exportwirtschaft sollte auch in den kommenden Monaten bestehen.

Insgesamt sind die Absatzerwartungen aber weiterhin von einer hohen Unsicherheit geprägt. Die österreichischen Unternehmen sind daher sehr zurückhaltend bei ihrer Investitionstätigkeit. Die Ausrüstungsinvestitionen schrumpften im zweiten und dritten Quartal trotz der im langfristigen Vergleich sehr günstigen Finanzierungskosten. Die seit Jahresmitte 2014 langsam anziehende Kreditvergabe an Unternehmen und der wieder steigende Import von Vorleistungsgütern wie Maschinen und Fahrzeuge sind erste Zeichen für eine mögliche Erholung der Investitionstätigkeit. Von der derzeit schrumpfenden Bauwirtschaft geht kein Konjunkturimpuls aus.

Die Beschäftigung entwickelt sich derzeit trotz der schwachen Konjunktur erstaunlich robust. Nachdem der Beschäftigungszuwachs im dritten Quartal zum Stillstand gekommen war, haben die österreichischen Unternehmen im vierten Quartal wieder mehr Personen beschäftigt. Gleichzeitig steigt jedoch die Arbeitslosigkeit weiter an. Der private Konsum hat sich im Jahr 2014 nur sehr verhalten entwickelt. Die Kaufkraft der Haushalte profitiert derzeit jedoch vom starken Rückgang der Erdölpreise. Alleine der Rückgang der Erdölpreise in den letzten beiden Monaten erhöht das real verfügbare Haushaltseinkommen im Jahr 2015 um 0,8 %.

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