Kärntens Handel setzt auf Gold - und das Internet

Vor gewaltigen Herausforderungen steht eine der wichtigsten Kärntner Unternehmenssparten: der Handel. Seine Zukunft liegt - auch - in Online-Shops.

Klagenfurt (OTS) - Die Zahlen sind beeindruckend: Mehr als 7000 Betriebe schaffen rund ein Drittel der Wirtschaftsleistung Kärntens und machen damit den Handel zur stärksten Branche im Land. Trotz der überwiegend kleinbetrieblichen Struktur - fast neunzig Prozent der Handelsunternehmen haben weniger als zehn Mitarbeiter - ist der Handel mit mehr als 41.000 Beschäftigten der zweitgrößte Arbeitgeber in Kärnten. "Aber am wichtigsten sind die Kärntnerinnen und Kärntner:
Sie treffen als Konsumenten jeden Tag die Entscheidung, vor Ort einzukaufen - und sichern damit Arbeitsplätze, Einkommen und Wohlstand im Land", erklärt Spartenobmann Raimund Haberl.

Handel ist Wandel
Weil der Handel immer im direkten Kontakt mit den Menschen steht, ist er dem gesell-schaftlichen Wandel besonders ausgesetzt. Die derzeit schwierige wirtschaftliche Situation verringert Kaufkraft und -freude, Konzentrationsprozesse machen dem Einzelhandel zu schaffen, Politik und Immobilienentwickler planen immer neue Einkaufszentren auf der grünen Wiese. Für die heimischen Handelsbetriebe wird es also immer schwieriger, als multifunktionale Nahversorger die Lebensqualität in den Städten und Regionen aufrechtzuerhalten. Oder jene Lehrlinge auszubilden, die später als geschulte Verkäufer ihre Kunden fachkundig beraten sollen. Oder jene Umsätze zu erzielen, die für Investitionen in neue Technologien wie etwa Kassensysteme oder neue Vertriebsformen wie Web-Shops nötig sind.

Neue E-Commerce-Förderung
Darauf zielt nun eine gemeinsame Förderaktion von Wirtschaftskammer und Land Kärnten ab: Sie stellen 150.000 Euro für die E-Commerce-Beratung der Kärntner Händler bereit. Max Habenicht, stellvertretender Spartenobmann: "Der Online-Handel gehört zum Tagesgeschäft - jeder vernünftige Händler muss schauen, ob er nicht mitspielen kann." Dabei seien die Investitionen nicht zu unterschätzen, warnt Habenicht: Ein guter Online-Shop würde ohne die Kosten für das Warenlager zwischen 50.000 und 60.000 Euro kosten, in Summe koste ein erfolgreiches Online-Projekt so viel wie ein neues Geschäftslokal. Auch andere Shopping-Gewohnheiten wie etwa eine Umtauschquote von bis zu 50 Prozent seien zu berücksichtigen.

"Setzen Sie auf Gold"
Mit einem der ältesten Synonyme für Reichtum und Glück, nämlich Gold, will der Kärntner Handel in den kommenden Wochen zum zweiten Mal auf seine vielfältigen Leistungen für Land und Leute aufmerksam machen:
"Setzen Sie auf Gold!" ist der Titel einer groß angelegten Werbekampagne, die bis 13. Feber die Kunden des Handels ansprechen und für seine Anliegen sensibilisieren soll. Im Zentrum der Imagekampagne steht ein Gewinnspiel, für das die Handelsbetriebe zahlreiche wertvolle Preise zur Verfügung gestellt haben: Dem glücklichen Gewinner des Hauptpreises winkt sogar ein Auto der Marke Ford aus dem Autohaus Sintschnig. Spartengeschäftsführer Nikolaus Gstättner: "Der Handel in Kärnten ist nicht nur ein Wirtschaftszweig, er versorgt die Menschen und trägt zum Wohlstand und zur besonderen Kärntner Identität bei. Das wollen wir anhand einiger Beispiele mit unserer goldigen Kampagne erzählen."

"Stadtvernichtung" ist in vollem Gang
Eines der ganz großen Themen des Handels ist seit Jahrzehnten der Wildwuchs an neuen Verkaufsflächen an den Stadt- und Ortsrändern, der dennoch ungebremst weitergeht. Dabei weist Kärnten schon heute die größte Verkaufsfläche pro Einwohner in ganz Österreich auf - und die geringste Kaufkraft im Bundesländervergleich. Die Folge sind ausgestorbene Stadtzentren, verwaiste Einkaufsstraßen, leere Schaufenster. Anonyme Konsumtempel an der Peripherie entziehen den Innenstädten und Talschaften Kunden und Kaufkraft - die Citys veröden, die Regionen verlieren Arbeitsplätze, Infrastruktur und letztlich ihre Bewohner. "Die Citys stehen am Scheideweg zwischen einer lebendigen, bunten Innenstadt oder einem ausgestorbenen Stadtkern. Was seitens der Politik hier betrieben wird, ist gezielte Stadtvernichtung - und sie ist in vollem Gang", warnt der Klagenfurter Unternehmersprecher Habenicht. Dabei zeige sich in fast allen Bezirksstädten das gleiche Bild, schildert der Unternehmer:
"Allein in Klagenfurt sind etwa 150 Geschäfte leer, in Villach über 50. Man darf sich aber nicht der Illusion hingeben, zu glauben, diesen Leerstand mit Handelsgeschäften zu beheben - da wird man ganz neue Wege beschreiten müssen."

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