FHK: Österreich benötigt Gesamtstrategie für den Hochschulsektor

Hochqualifizierte Fachkräfte sichern Standort - FHK fordert Hochschulplan - Umsetzung in den nächsten beiden Legislaturperioden

Wien (OTS) - Um den historisch gewachsenen österreichischen Hochschulraum künftig quantitativ und qualitativ gezielter auszubauen und seine internationale Sichtbarkeit zu erhöhen, fordert die Österreichische Fachhochschul-Konferenz (FHK), die Ausarbeitung des Hochschulplans bis 2018. Nur eine klare Gesamtstrategie könne den Ausbau und die Stärkung der Wissensgesellschaft klar vorantreiben. Als zentrale Anliegen nennt die FHK ein Studierendenverhältnis von Universitäten und Fachhochschulen von 40:60 bis zum Studienjahr 2028/29, eine Prüfung von etwa 30 Studienfächern zur Überführung von Universität an Fachhochschule, sowie die Stärkung der regionalen Standorte und der berufsbegleitenden Studiermöglichkeiten inklusive des Doktoratsstudiums. Mit der Hochschulkonferenz gibt es auch einen organisatorischen Rahmen für die Ausarbeitung eines Hochschulplans.

Nicht nur die österreichische Bevölkerung ist für einen weiteren Ausbau des Wissensstandortes Österreich. Auch seitens der österreichischen Leitbetriebe wird eine Stärkung von Wissenschaft und Forschung hervorgehoben, um im internationalen Umfeld bestehen zu können. Dr. Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies Austria AG, eines weltweit führenden Halbleiterherstellers, weist auf die große Bedeutung von hochqualifizierten Arbeitskräften hin: "Wir stehen mit unseren Forschungsaktivitäten im globalen Wettbewerb, um für Kunden innovative High Tech-Lösungen zu entwickeln. Nur mit gut ausgebildeten technischen Fachkräften können wir uns in diesem dynamischen Marktumfeld erfolgreich durchsetzen. Wir arbeiten daher intensiv mit heimischen Bildungseinrichtungen zusammen, um wichtige Zukunftsprojekte wie Industrie 4.0 umzusetzen und hochwertige Arbeitsplätze nachhaltig am Standort Österreich zu sichern. Die Fachhochschulen bieten eine praxisnahe Ausbildung, die optimal auf die globalen Herausforderungen der Industrie vorbereitet. Das 20-jährige Bestehen dieses Bildungsweges in Österreich ist daher eine Success-Story für die Studierenden, die Wirtschaft und die Fachhochschulen."

Um weiter an der Erfolgsgeschichte der Fachhochschulen zu schreiben und für den gesamten Hochschulsektor eine Gesamtstrategie zu entwickeln, müssen die Jahre bis 2018 genützt werden, so Helmut Holzinger, Präsident der FHK, denn: "Die österreichische Bundesregierung muss sich überlegen in welche Richtung und mit welcher Geschwindigkeit es mit den österreichischen Hochschulen nach 2018 weitergehen soll. Der Hochschulplan muss jetzt erarbeitet werden, damit die kommenden beiden Legislaturperioden - also die Jahre 2018 bis 2028 - zur Umsetzung genutzt werden können."

Aus Sicht der FHK müssen bei der Erarbeitung des Hochschulplans folgende Themen angesprochen werden: Um eine abgestimmte Verteilung der Studienfächer und der Studierenden zu erreichen, soll das von vielen Experten geforderte Studierendenverhältnis zwischen Fachhochschulen und Universitäten von 40:60 angestrebt werden. Konkret müssen ab dem Studienjahr 2018/19 jährlich rund 2.800 neue Studienplätze geschaffen werden um den FH-Sektor bis zum Studienjahr 2028/29 auf 40 Prozent der Gesamtstudierendenzahlen auszubauen. Dies entspricht ca. 66.000 neuen Studienplätzen und somit einer Gesamtstudienplatzmenge von ca. 111.500. Im Endausbau würden die 66.000 neuen Studienplätze den Staat ca.
Euro 500,5 Millionen pro Jahr kosten.

Weiters regt die FHK eine genaue Überprüfung der Studienfächer an. Hier gilt es zu beurteilen, welche Disziplinen aufgrund ihrer Berufsfeldorientierung zukünftig besser von Fachhochschulen angeboten werden sollten. "Aus Sicht der FHK wäre bei rund 30 Studienrichtungen wie zum Beispiel Pflegewissenschaften oder Übersetzen und Dolmetschen eine Verschiebung von Universität zu Fachhochschule durchaus sinnvoll", sagt Holzinger. Oftmals werden hier auch klassische Ansichten aufgelöst werden müssen, wenn es gilt angewandte Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit, Technologie & Umwelt, nichtärztliche Gesundheitsberufe, Pflege oder Life Sciences an die Fachhochschulen zu verlagern.

Außerdem fordert die FHK eine Stärkung der regionalen Standorte und eine Verbesserung der Möglichkeiten des berufsbegleitenden Studiums. Diese betreffen in besonderem Maße die Doktoratsstudien. "Berufstätigkeit darf nicht länger ein Ausschlusskriterium beim Doktoratsstudium sein. Das Doktorat für Berufstätige kann nur durch eine Kooperation auf Augenhöhe von Fachhochschulen und Universitäten bzw. durch eigenständige, extern qualitätsgesicherte FH-Doktoratsprogramme sichergestellt werden", so Kurt Koleznik, Generalsekretär der FHK.

"Wir als FHK wollen gemeinsam mit der Politik die verbleibende Zeit der Legislaturperiode bis 2018 nutzen, um all diese Punkte in eine Gesamtstrategie für den österreichischen Hochschulsektor zu gießen. Wenn wir im internationalen Wettbewerb bestehen möchten, dürfen wir dabei keine Zeit mehr verlieren", so Holzinger abschließend.

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Mag. Kurt Koleznik,
Generalsekretär FHK;
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