70 Jahre Befreiung von Auschwitz: ORF gedenkt mit Programmschwerpunkt in TV, Radio und Internet

Mit Live-Übertragung der Befreiungsfeier, Opus magnum "Shoah" mit aktuellem Lanzmann-Interview, "kreuz und quer"-Abend, "Universum History" u. v. m.

Wien (OTS) - Am 27. Jänner 2015 jährt sich zum 70. Mal die Befreiung des NS-Konzentrationslagers Auschwitz - des größten Vernichtungslagers im Dritten Reich, das weltweit zum Symbol für den Holocaust wurde. Seit 1996 gilt dieses Datum als offizieller deutscher "Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus", seit 2005 als "Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust". Aus diesem Anlass setzt der ORF ab 19. Jänner einen umfassenden Programmschwerpunkt in allen seinen Medien.

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: "An das Ende des bisher größten Völkermords der Menschheitsgeschichte zu erinnern, sich aktiv damit auseinanderzusetzen und zum Nachdenken anzuregen, gehört zu den Kernaufgaben eines öffentlichen-rechtlichen Senders. Als elektronisches Gedächtnis des Landes blicken wir nicht einfach auf die dunkelsten Zeiten der Vergangenheit unseres Kontinents zurück, sondern wollen eine nachhaltige Brücke in die Gegenwart bauen - in die ganz persönlichen Erfahrungswelten der Österreicherinnen und Österreicher, besonders beim jungen Publikum. Der ORF ist mit seinem trimedialen Programmangebot der Kultur des lebendigen Erinnerns verpflichtet und wird auch im Gedenkjahr 2015, das im Zeichen von 70 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg steht, seiner nachhaltigen Verantwortung gerecht, dunkle Kapitel, aber auch Jubiläen wie 70 Jahre Zweite Republik und 60 Jahre Staatsvertrag, die 2015 gefeiert werden, neu auszuleuchten und die historischen Zusammenhänge verständlich und spannend zu vermitteln. Damit leistet der ORF erneut einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen."

Dokumentationen, "kreuz und quer"-Abend mit Diskussion, Live-Übertragung der Befreiungsfeier, Ö1-Features, ORF-TVthek-Schwerpunkt u. v. m.

Neben umfassender aktueller Berichterstattung, so überträgt eine "ZiB spezial" am Dienstag, dem 27. Jänner, um 15.10 Uhr in ORF 2 live die Gedenkveranstaltung in Auschwitz, zeigt das ORF-Fernsehen u. a. mehrere Dokumentationen, darunter die neuen Produktionen "Universum History: Flucht aus Auschwitz" (23. Jänner, 22.40 Uhr, ORF 2) und "Die Kinder des Holocaust" (27. Jänner, 22.35 Uhr, ORF 2) - letztere als Auftakt eines "kreuz und quer"-Themenabends, der weiters aus der Diskussion "Bestie Mensch - Wie dünn ist das Eis der Zivilisation?" (23.25 Uhr) besteht.

ORF III bringt eine "Kultur Heute"-Ausgabe mit dem Holocaust-Überlebenden Rudolf Gelbard und dem Autor und Regisseur Doron Rabinovici (23. Jänner, 19.50 Uhr), einen zweiteiligen "zeitgeschichte"-Themenabend (24. Jänner, ab 20.15 Uhr) mit den Dokus "Carl Lutz - Der vergessene Held" und "Geboren im KZ" (21.45 Uhr), zeigt weiters Claude Lanzmanns Opus magnum "Shoah" (25. Jänner, ab 10.20 Uhr) in der erst bei der Berlinale 2013 präsentierten restaurierten digitalen Fassung, das abgerundet wird von einem neuen Interview mit dem mittlerweile 89-jährigen französischen Filmemacher (19.05 Uhr). Am Gedenktag selbst überträgt auch ORF III live die "Befreiungsfeier KZ Auschwitz-Birkenau zum 70. Jahrestag".
Am 25. Jänner (9.30 Uhr, ORF 2) findet außerdem anlässlich 70 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs ein "Katholischer Gottesdienst" in Ebensee statt, den der ORF ebenfalls live überträgt.

Radio Ö1 bringt in der Woche vom 19. bis 23.Jänner, täglich von Montag bis Freitag im Rahmen von "Betrifft Geschichte", die Reihe "Auschwitz. Der systematische Massenmord". Vom 26. bis 29. Jänner stehen zwei "Radiokolleg"-Ausgaben täglich auf dem Programm: "Niemals vergessen" und die "Radiokolleg-Musikviertelstunde" mit dem Titel "Spiel um das Leben".

Auch das ORF.at-Netzwerk und der ORF TELETEXT erinnern im Rahmen ihrer aktuellen Berichterstattung ausführlich an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz: Die ORF-TVthek stellt außerdem neben zahlreichen Live-Streams von Sendungen des ORF-TV-Schwerpunkts einen Video-on-Demand-Themenschwerpunkt bereit.

3sat-Programmschwerpunkt am 25. und 26. Jänner

3sat widmet dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus einen umfangreichen Schwerpunkt, bestehend aus insgesamt zwölf Sendungen (sieben Dokumentarfilme am 25. Jänner, fünf Beiträge am 26. Jänner):
Den Auftakt macht der Dokumentarfilm "Menachem und Fred" (am 25. Jänner, 21.45 Uhr) von Ofra Tevet und Ronit Kerstner, der eine außergewöhnliche Familiengeschichte erzählt. Weiter sind u. a. die Dokumentationen "Leni Riefenstahl - Der Preis des Ruhms", "Der Spion vom Pariser Platz", "KZ-Geschäfte. Buchenwald und die Außenlager", eine "Erbe der Menschheit"-Ausgabe über Auschwitz und "Saul Friedländer - Das versteckte Kind" zu sehen.

Details zu den wichtigsten ORF-TV-Sendungen im chronologischen Überblick:

Freitag, 23. Jänner:

"Kultur Heute" mit Prof. Rudolf Gelbard und Doron Rabinovici (19.50 Uhr, ORF III)
Zu Gast bei Ani Gülgün-Mayr sind der Zeitzeuge Rudolf Gelbard, Überlebender des Konzentrationslagers Theresienstadt, der über seine Erinnerungen spricht, und der jüdische Schriftsteller und Regisseur Doron Rabinovici, dessen Mutter ebenfalls eine Holocaust-Überlebende ist.

"Universum History: Flucht aus Auschwitz" (22.40 Uhr, ORF 2)
27. Jänner 1945: Die Rote Armee befreit das Konzentrationslager Auschwitz. Die unerträglichen Zustände im Lager, das massenhafte Morden in den Gaskammern, kostet in den Jahren davor mehr als einer Million Menschen das Leben. Doch den Nazis gelingt es trotzdem sehr lange, die Existenz des Konzentrationslagers geheim zu halten. Um das zu ändern, flüchten die zwei jungen slowakischen Häftlinge Rudolf Vrba und Alfred Wetzler. Anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz zeigt "Universum History" das Doku-Drama "Flucht aus Auschwitz" von Alex Dunlop (deutsche Bearbeitung: Gregor Stuhlpfarrer). Die Rekonstruktion der Flucht der beiden Inhaftierten Vrba und Wetzler wird mit Hilfe von Spielszenen erzählt, ergänzend dazu gibt es Interviews mit einigen der letzten Überlebenden.

Samstag, 24. Jänner:

"zeit.geschichte: Carl Lutz - der vergessene Held" (20.15 Uhr, ORF III)
Der Publizist Paul Lendvai, der Schriftsteller György Konrad, die Philosophin Agnes Heller und viele andere konnten durch das Engagement des Schweizer Diplomaten Carl Lutz in Budapest während des Zweiten Weltkriegs gerettet werden. Insgesamt sollen es an die 62.000 ungarische Juden gewesen sein, die Lutz durch Schutzbriefe und gefälschte Pässe vor der sicheren Deportation bewahrt hat. Von der offiziellen Schweiz wurde Lutz erst nach seinem Tod gewürdigt. Daniel von Aarburg zeichnet mittels zahlreicher Archivaufnahmen ein Porträt des "vergessenen Helden" und lässt Zeitzeugen - darunter einige der geretteten Juden sowie Carl Lutz' Stieftochter - zu Wort kommen.

"zeit.geschichte: Geboren im KZ" (21.45 Uhr, ORF III)
"Überall lagen die Toten", schreibt ein US-Soldat nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau nach Hause, "doch unter den mehr als 30.000 befreiten KZ-Häftlingen befanden sich zu unserer großen Überraschung sieben jüdische Mütter mit ihren Babys!" Die Soldaten fotografierten, was sie nicht glauben konnten: Säuglinge, die zwischen Dezember 1944 und Februar 1945 in Kaufering, einem Außenlager des KZ Dachau, zur Welt gekommen waren und überlebt hatten, inmitten des Holocaust.

Sonntag, 25. Jänner:

"zeit.geschichte spezial: Shoah" (10.10 Uhr, ORF III)
Claude Lanzmanns neunstündiger zweiteiliger Dokumentarfilm "Shoah" aus dem Jahr 1985 ist zweifellos das Opus magnum über den Holocaust. Die Vorbereitungen und Dreharbeiten dazu dauerten fast zwölf Jahre. Der Regisseur zeigt darin Interviews mit Überlebenden und Zeitzeugen, darunter auch Täter. Ohne die Verwendung von Archivmaterial entstand ein eindringlicher Film, der bis heute als wichtigste Auseinandersetzung mit dem Genozid durch die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten gilt. ORF III zeigt das epische Werk in der bei der Berlinale 2013 erstmals präsentierten digitalen Fassung als erster TV-Sender in einem Stück und zu einer zuseherfreundlichen Sendezeit (mit deutschen Untertiteln).

"zeit.geschichte spezial: 'Shoah'-Regisseur Claude Lanzmann im Interview" (19.05 Uhr, ORF III)
ORF-Paris-Korrespondent Hans Woller spricht mit Regisseur Claude Lanzmann über "Shoah" und über sein grundlegendes Anliegen, das Ereignis in seinen gigantischen Ausmaßen zu rekonstruieren. Dokumentation und Reflexion sollten im Dokumentarwerk ebenbürtige Rollen einnehmen und die bis heute noch nicht vollends ergründeten Folgen sichtbar machen. Im Jahr 2013 wurde Lanzmann bei der Berlinale mit dem "Goldenen Ehrenbär" für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Dienstag, 27. Jänner:

"ZiB spezial: Befreiungsfeier KZ Auschwitz-Birkenau zum 70. Jahrestag" (15.10 Uhr live in ORF 2 und ORF III)
Der 27. Jänner als Tag der Befreiung wurde auch zum Internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt. ORF 2 und ORF III übertragen live die Gedenkfeier aus Auschwitz-Birkenau, an der voraussichtlich mehr als 250 Überlebende des Konzentrationslagers sowie zahlreiche internationale Politiker teilnehmen werden.

"kreuz und quer: Die Kinder des Holocaust" (22.35 Uhr, ORF 2)
Sechs Augenzeugen berichten, wie sie die Gräuel des Naziterrors überlebten. Die britische Regisseurin Zane Whittingham hat die Schicksale von Ruth, Martin, Trude, Heinz, Arek und Suzanne für ein jugendliches Publikum filmisch aufbereitet. In zahlreichen Interviews ergänzt durch Animationsfilme erzählen diese Menschen von ihrer Flucht nach Großbritannien, wie sie dort heimisch wurden und was das für ihren weiteren Lebenslauf bedeutete.

"kreuz und quer"-Diskussion "Bestie Mensch - Wie dünn ist das Eis der Zivilisation?" (23.25 Uhr, ORF 2)
Ohne nennenswerten Widerstand wurde das Menschheitsverbrechen des millionenfachen Mordes - vor allem an Juden - unter der Naziherrschaft möglich. Der Zivilisationsbruch durch den Holocaust machte deutlich, zu welcher systematischen Grausamkeit der Mensch fähig ist. Was sind die Mechanismen, die Ausgrenzung und "Entmenschlichung" von Bevölkerungsgruppen bis hin zu ihrer Vernichtung möglich machen? Was stärkt dagegen den Widerstand gegen Manipulation, uniformierende Kollektivierung und Ausgrenzung anderer? Eine Diskussion zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz - mit Filmemacherin Ruth Beckermann, Psychiaterin Adelheid Kastner und Theologen Wolfgang Treitler unter der Leitung von Michael Hofer.

Mehr Informationen zu den einzelnen Programmen sind unter http://presse.ORF.at abrufbar.

Die Sendungen in Ö1:

Sybille Steinbacher, Vorständin des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien, spricht in der Sendereihe "Betrifft: Geschichte" -von Montag, 19. bis Freitag, 23. Jänner, jeweils um 17.55 Uhr in Ö1 -über "Auschwitz. Der systematische Massenmord".
Von Montag, 26. bis Donnerstag, 29. Jänner stehen zwei Ö1-"Radiokolleg"-Ausgaben ganz im Zeichen des Gedenkens: "Niemals vergessen" lautet der Titel um 9.05 Uhr (Wh.: 22.15 Uhr). Die Reihe widmet sich nicht nur dem Gedenken an die Opfer, sondern auch der Diskussion um Fragen nach der Aufarbeitung dieser geschichtlicher Ereignisse und des Gedenkens und Erinnerns. Die "Radiokolleg-Musikviertelstunde" gedenkt unter dem Titel "Spiel um das Leben" der Künstlerinnen und Künstler, die in Auschwitz litten und starben (9.45 Uhr, Wh.: 22.40 Uhr Uhr). Zu den prominentesten gehörte Else Ury, deren Kinderbuchklassiker "Nesthäkchen" ein Bestseller war. Unter den Verschleppten waren auch die Komponisten Heinz Alt und Viktor Ullmann sowie der Österreicher Richard Fall, die Sängerin Magda Spiegel, der tschechische Komponist und Pianist Rafael Schächter oder auch eine Nichte Gustav Mahlers: die Violinistin Alma Rosé. Wer waren diese Menschen? Woher kamen sie, wie lebten sie vor dieser Katastrophe ihres Lebens? Was wurde aus ihnen, wenn sie die Gräuel überlebten?

Nähere Informationen zum Programm von Ö1 sind abrufbar unter http://oe1.ORF.at.

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