Dax über 10200 katapultiert, Marktkommentar von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) - Investmentstrategen, die für das Jahr 2015 erhöhte

Marktschwankungen prognostizieren, übertreiben gewiss nicht. Im Gegenteil: Die Reaktionen auf den Paukenschlag der Schweizerischen Nationalbank (SNB) haben Kursbewegungen ausgelöst, die an die extremen Schwankungen des zurückliegenden Oktober erinnern. Um bis zu sagenhafte 28% ist der Wert des Euro zum Schweizer Franken implodiert, nachdem die SNB die von ihr zuvor mit Zähnen und Klauen, d.h. mit enormen Schweizer-Franken-Beträgen, verteidigte Euro-Untergrenze preisgegeben hat. Den aufgrund seines ausgeprägt defensiven Mix nicht gerade für überdurchschnittliche Schwankungsanfälligkeit bekannten Swiss Market Index hat die Kapitulation der eidgenössischen Währungshüter in nur zwei Tagen um 14% erleichtert.

Nicht minder bestaunenswert war die Entwicklung des Dax, der am Freitag erstmals über die Schwellen von 10100 und 10200 Punkten katapultiert wurde. Unmittelbar nach der Ankündigung der SNB war der Index am Donnerstag bis 9637 abgesackt, um anschließend in einer spektakulären Kehrtwende erstmals im neuen Jahr über die Schwelle von 10000 Zählern zu spurten. Über den Grund für die vehemente Kletterpartie muss nicht lange gerätselt werden. Der Markt leitet aus dem Schritt der SNB die Vermutung ab, dass an der Ankündigung eines groß angelegten, Staatstitel einschließenden Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum noch zu zweifeln ist. Und bei den "Vorbildern" USA und Japan gingen mit den Kaufprogrammen der Notenbanken stets steigende Aktienkurse einher.

EZB Dreh- und Angelpunkt

Vor allem von der EZB wird zunächst abhängen, ob es sich wieder nur um einen kurzen Ausflug des Dax über die 10000er-Marke handelt wie im Sommer und im Dezember des zurückliegenden Jahres oder ob sich der deutsche Standardwerteindex dieses Mal nachhaltiger oberhalb der Schwelle festsetzen bzw. ob er weiter zulegen kann. Werden die Erwartungen bezüglich Anleihekäufen enttäuscht, dürfte ein herber Rückschlag die Folge sein.

Die Helaba bezweifelt, dass sich der Dax selbst im Falle der Ankündigung eines großen Anleihekaufprogramms durch die EZB über 10000 behaupten kann. Die Kursausschläge an den Aktienmärkten hätten in den zurückliegenden Wochen enorm zugenommen. Hohe Volatilität sei stets ein Zeichen von Bewertungsunsicherheit, und Anlässe dafür gebe es derzeit genug, so die Bank unter Hinweis u.a. auf Griechenland und die Rohstoffbaisse.

Etwas mehr Klarheit erhofften sich die Marktteilnehmer u.a. von der Unternehmensberichtssaison. Obwohl die Rohstoffpreise seit Jahresmitte 2014 deutlich gesunken seien, seien die Gewinnschätzungen bis zuletzt in Europa und in den USA mehrheitlich nach unten korrigiert worden. "Angesichts der gerade bei den US-Indizes recht hohen Bewertung müssten sich die mittelfristigen Gewinnperspektiven aber spürbar verbessern, um höhere Notierungen zu rechtfertigen", so die Analysten. Zudem sei nach Beendigung des US-Anleihekaufprogramms ein wichtiger Kurstreiber weggefallen. In Europa stehe immerhin die EZB mit ihrem QE-Programm in den Startlöchern. Ob dies ausreichen werde, um den Dax dauerhaft über der 10000er-Marke zu halten, sei fraglich. Schließlich sei der Zusammenhang zwischen Bilanzsumme und Aktienmarktentwicklung hierzulande bislang längst nicht so ausgeprägt wie in den USA. Dass sich die bestehende Verunsicherung der Marktteilnehmer rasch in Wohlgefallen auflöse und Aktien "durchstarten" werden, sei nicht zu erwarten. "Vielmehr dürfte die Volatilität vorerst hoch bleiben und ein rascher Wechsel der Risikobereitschaft der Anleger zu beobachten sein."

Während die Helaba für den Dax im ersten Quartal einen Rückschlag auf 8700 und für das vierte Quartal einen Stand von 9800 Zählern erwartet, ist die WGZBank mit einer Zwölfmonatsprognose von 10800 Zählern optimistisch. "Wir behalten trotz mannigfaltiger Belastungen unsere optimistischen Aktienmarktprognosen sowie unsere Branchengewichtung bei. Wir sind weiterhin fest davon überzeugt, dass Aktien aufgrund der vorherrschenden Rahmenbedingungen, insbesondere im mittel- bis langfristigen Zeithorizont, die attraktivste Anlageklasse darstellen. Folglich erwarten wir für das Gesamtjahr 2015, angefacht durch weitere liquiditätsstiftende Maßnahmen der EZB, steigende Notierungen. Als Blaupause sehen wir dabei die Performance des S&P500 während der massiven Ausweitung der Fed-Bilanz." Die dort zu beobachtende Korrelation sei beeindruckend gewesen.

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