• 15.01.2015, 22:00:33
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 16. Jänner 2015. Von ALOIS VAHRNER. "Schweiz tritt Finanz-Tsunami los".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Das überraschende Ende des
Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken durch die Schweizerische
Nationalbank (SNB) wird die Eidgenossen wohl noch sehr teuer zu
stehen kommen - wie leider auch sehr viele heimische Häuslbauer.

Internationale Experten waren gestern baff über den plötzlichen
Schritt der Schweizer Notenbanker. In der Schweizer Wirtschaft selbst
herrscht ob des währungspolitischen Saltos rückwärts eine Mischung
aus Entsetzen und Schockstarre.
Die Schweiz hatte vor Jahren einen Mindestkurs des Euro zum Franken
festgelegt, mit dem klaren Ziel, eine weitere Aufwertung des Franken
und damit eine Schädigung der Schweizer Wirtschaft zu verhindern.
Diese Kursgrenze wurde verteidigt, indem Franken verkauft und Euro
zugekauft wurden. Dreistellige Milliardenbeträge waren dafür
notwendig.
Dass dieser gewaltiger Mitteleinsatz die Schweizer Notenbank bis ans
Äußerste gefordert hat, ist ja verständlich. Dass ausgerechnet die
Argumente, die zur Einführung der Grenze geführt haben, jetzt
überholt seien sollen, ist ein grober Irrglaube. Einen Vorgeschmack,
wie die Mechanismen der Märkte sind, setzte es gestern, als der
Franken-Kurs fast raketenhaft nach oben schoss und an den Börsen
flugs 140 Milliarden Franken an Kurswert mit einem Schlag weg waren.
Der Schweizer Franken ist auch heute DIE Krisenwährung schlechthin
und Krisensignale und -meldungen gibt es rundum ja zuhauf. Von der
Ukraine-Krise, dem Krieg in Syrien, der islamistischen Terrorgefahr
in Europa bis hin zu drohenden neuen Euro-Turbulenzen. Ein Blick auf
die bevorstehenden Wahlen in Griechenland und deren Folgen bis hin zu
einem Euro-EU-Austritt und einem dann unumgänglichen Staatsbankrott
der Griechen reicht aus, um die Brisanz der nächsten Wochen und
Monate zu sehen.
Die Franken-Währungshüter wollten offenbar nicht länger Feuerwehr mit
ausufernden Mitteln spielen. Sie setzen die Schweizer aber damit
einem gefährlichen Experiment aus. Der Franken könnte noch um einiges
stärker werden, was Exporteure und Tourismus hart treffen würde und
zu massiven Absiedlungen von Firmen und einer Verlagerung von Jobs
führen könnte. Dazu gibt es die Aussicht auf Minuszinsen und eine
Deflation mit sinkenden Preisen und fallender Wirtschaftsleistung.
Die so wohlhabende Schweiz könnte so Opfer ihres eigenen Erfolgs
werden.
Der vor allem zuletzt nicht ganz so erfolgreiche Nachbar Österreich
könnte wie auch andere EU-Länder profitieren - mit mehr Exporten,
Firmenansiedlungen und Urlaubern. Wer vom abrupten Schweizer
Kurswechsel sicher nicht profitiert, sind viele Häuslbauer. Deren
Schulden drohen noch weiter kräftig anzuwachsen.

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