Teilzeit als weiblicher Wunschtraum? AK-Kalliauer widerspricht: "Hier wird ein vorgestriges Familienbild transportiert"

Linz (OTS) - In Oberösterreich hat nur mehr die Hälfte der Frauen einen Vollzeitjob. Die Frauen wollen das so, behaupten Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl und Familienforscher Wolfgang Mazal. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer sieht darin den Versuch, ein vorgestriges Familienbild zu zementieren: "Der Papa arbeitet, die Mama kümmert sich in erster Linie um Haushalt und Kinder - wer solche Lebensentwürfe verherrlicht, erweist den Frauen einen schlechten Dienst!" Es sei kein Geheimnis, dass lange Berufsunterbrechungen und Teilzeitphasen die Pension schmälern, ja teilweise schnurstracks in die Altersarmut führen.

Laut einer Studie im Auftrag von Familienreferent Hiesl arbeiten 90 Prozent der Frauen gerne Teilzeit, um Zeit für die Kinder zu haben. "Das mag schon sein, solange die Kinder noch sehr klein sind, hängt aber sicher auch mit dem unzureichenden Angebot an Kinderbetreuungs- und Pflegeeinrichtungen in Oberösterreich zusammen. Die meisten Frauen haben keine Wahlfreiheit.", sagt Kalliauer. Laut dem Österreichischen Arbeitsklima Index stellt sich die Sache außerdem ein wenig anders dar: Ein Viertel der teilzeitbeschäftigten Frauen würde gerne mehr arbeiten. Bei jüngeren Frauen bis 25 Jahre wünscht sich das sogar mehr als jede Dritte.

Geradezu unverantwortlich wird es nach Ansicht von Präsident Kalliauer, wenn Familienforscher Mazal behauptet, durch die etwas bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten würde das Ausmaß der Arbeitszeit bei der Pension nicht mehr ins Gewicht fallen: "Das ist schlichtweg falsch. Ganz im Gegenteil: Früher wurden nur die besten Jahre, was den Verdienst betrifft, für die Berechnung der Pension herangezogen. Der heute geltende längere Durchrechnungszeitraum führt dazu, dass sich Berufsunterbrechungen und Teilzeit viel stärker auf die Pension auswirken." Die ohnehin geringen Fraueneinkommen würden dieses Problem noch verstärken.

Dass Frauen zunehmend nur noch Teilzeitjobs angeboten bekommen, ist eine Tatsache. AK-Präsident Kalliauer ortet in den Aussagen von Hiesl und Mazal auch den Versuch, diese negative Entwicklung schön zu reden. Für ihn ist eine echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf erst dann erreicht, wenn alle Frauen, die das wollen, Vollzeit arbeiten können. So könnte ganz nebenbei endlich auch der Anteil von Frauen in Top-Positionen gesteigert werden.

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