Internationale Insolvenzprognose 2015

Es wird besser, aber es ist noch nicht gut

Wien (OTS) -

  • Die Anzahl der Insolvenzen sinkt das dritte Jahr in Folge (2013 -2%, 2014 -12%, 2015 -3%), ist aber immer noch 12% über dem Vorkrisenniveau.
  • Die durchschnittlichen Aussenstandsdauern werden global gesehen länger (1. HJ 2014: 73 Tage)
  • Unternehmen kämpfen mit Folgen der geopolitischen Krisenherde und schwächelnder Konjunktur nicht nur bei uns in Europa, sondern auch in China.

2014 hat sich der erwartete Abwärtstrend der Unternehmensinsolvenzen bestätigt, er wird sich auch 2015 fortsetzen (2013 -2%, 2014 -12%, 2015 -3%). Das Ausmaß von -12% im letzten Jahr ist sehr erfreulich und war so nicht prognostiziert. Trotzdem gibt es auch Grund zur Besorgnis, denn das gesamte Niveau ist immer noch 12% höher als vor der Wirtschaftskrise 2008/2009. Die Weltwirtschaft kommt nicht ausreichend in Schwung, Konfliktherde bedeuten die eingeschränkte Verfügbarkeit kurzfristiger Finanzierung, die strukturellen Reformen in einigen reichen Ländern und Schwellenländern werden viel zu zaghaft angegangen.

"Der Rückgang der Insolvenzen dürfte sich 2015 zwar fortsetzen, aber wieder an Tempo verlieren (-3%). Es ist im Hinblick auf Wachstum, Welthandel und Kreditverfügbarkeit nur mit moderaten Verbesserungen zu rechnen. Negative Impulse für Nachfrage und Liquidität sind nach wie vor nicht auszuschließen, auch auf politischer Ebene.", erklärt Ludwig Mertes, Markenvorstand der PRISMA Kreditversicherung.

2015 global betrachtet

Die Insolvenzexperten von Euler Hermes und PRISMA sehen 5 unterschiedliche Entwicklungsformen.

1. Länder, die das Vorkrisenniveau bereits 2014 wieder erreichen:
USA, Kanada, Großbritannien, Japan, Südkorea, Taiwan und Südafrika.

2. Länder mit einem niedrigen Niveau und voraussichtlicher Steigerung 2015:
Deutschland, Österreich.

3. Länder mit Fortschritten, aber weiter bestehenden Risiken:
Dänemark, Irland, Litauen, Niederlande, Portugal, Spanien, Türkei, Belgien und Luxemburg.

4. Länder mit einem hohen Niveau und Schwierigkeiten, die Entwicklung zu stabilisieren: Frankreich, Italien, Finnland, Griechenland, Norwegen, Ungarn, Tschechische Republik, Slowakei und Rumänien.

5. Länder mit steigenden Insolvenzzahlen:
China, Russland, Brasilien und Polen.

Die wichtigsten Länderentwicklungen im Vergleich:

Österreich: Der Abwärtstrend ist zu Ende

Die Insolvenzzahlen waren 2013 und 2014 rückläufig, 2015 steigen sie aber vermutlich wieder an. Konkret heißt das 2014 gab es 5.423 Insolvenzen (-0,7% zum Vorjahr). Für 2015 wird mit einem Plus von 3% gerechnet. Die Pleitefälle werden zwar zahlreicher, bleiben aber weiterhin deutlich kleiner als in der Vergangenheit. Der KSV1870 berechnete im Oktober 2014 den größten Zuwachs bei den Gesamtinsolvenzen im Bundesländervergleich in Vorarlberg (+17%), gefolgt von Wien (+8%) und der Steiermark (+6%). Diese drei Bundesländer sind stark exportorientiert.

Musterschüler fällt zurück: In Deutschland steigen die Insolvenzen gegen den Trend

Deutsche Unternehmen kämpfen zunehmend mit den Folgen der zahlreichen geopolitischen Krisenherde. Zudem macht den exportstarken Deutschen die schwächelnde Konjunktur im Euroraum sowie ein verlangsamtes Wachstum in China zu schaffen. Deshalb wird für 2015 ein geringeres Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um +1,2 % (2014: +1,4 %) prognostiziert, sowie gleichzeitig steigende Insolvenzzahlen. Nach einem Rückgang der Insolvenzen um -6% im Jahr 2014 (24.490 Fälle) nehmen diese im kommenden Jahr um +2 % zu und belaufen sich dann auf knapp 25.000 Fälle. Die deutsche Transport- und Papierbranche sind besonders gefährdet. Es wird in diesen Branchen ein Zuwachs von +9% bzw. +8% erwartet. Derzeit zahlen deutsche Kunden nach weniger als 60 Tagen - ein Anstieg um bis zu 10 Tagen wird erwartet.

Risse in der Chinesischen Mauer: Zahlungsausfälle steigen

Auch in China steigen die Insolvenzen 2015 um voraussichtlich 5%. Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft wird sich nach 2014 voraussichtlich auch 2015 verlangsamen. Die Regierung verfolgt weiterhin den Kurs, das bisher investitionsgetriebene Wachstum vermehrt auf den privaten Konsum auszurichten. Investitionen werden zurück gehen - eine Folge der Verschärfung der Kreditkonditionen, um die Aktivitäten der Schattenbanken zu begrenzen. Die Exporte dürften zukünftig eine Pufferrolle spielen und infolge der wachsenden weltweiten Nachfrage um 300 Milliarden US-Dollar zunehmen.

Das Zahlungsverhalten verschlechtert sich zunehmend. Die Zahlungen erfolgen etwa nach 90 Tagen.

Russland verzeichnet weltweit zweithöchsten Anstieg bei Insolvenzen 2015 um +10%

Russland hingegen spürt die Folgen des weiterhin schwelenden Konflikts mit der Ukraine sowie den verhängten Sanktionen und Gegensanktionen bei der Konjunkturentwicklung und den Insolvenzzahlen deutlich: Für 2014 +7% mehr Insolvenzen im Vergleich zu 2013 (9.600 Fälle). Für 2015 wird ein deutlicher Anstieg der Insolvenzfälle um +10% auf 10.570 Fälle prognostiziert - neben Kolumbien und Marokko ist dies der weltweit höchste Anstieg in 2015.
Russische Unternehmen zahlen unverändert zügig - im Durchschnitt nach 55 Tagen - sie wolllen weiterhin in einem günstigen "Licht" wahrgenommen werden.

Stabilisierung in Frankreich, bei praktisch unveränderten Zahlungsausfällen
Die Konjunktur wir voraussichtlich in den meisten Ländern der Eurozone 2014 anziehen. Frankreich wird bestenfalls dieselbe Wachstumsrate wie im Vorjahr verzeichnen (+0,4%). Die Regierung steht weiter vor unbewältigten Herausforderungen: chronisch hohe Arbeitslosigkeit, schwache Investitionen und ein Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit.

Die Zahl der Insolvenzverfahren hat seit 2012 wieder zugenommen. Trotz dieser negativen Entwicklung werden die Fälle 2014 nur wenig höher als 2013 liegen (+1%). Für 2015 wird eine Stabilisierung prognostiziert - vor allem der Textil- und Papierindustrie zu verdanken. Anders ist die Lage in der Metall- und Automobilindustrie, im Transportsektor und bei IT-Dienstleistungen. Hier haben die Zahlungsausfälle im Durchschnitt um 13% zugenommen.

Die Aussenstandsdauern bleiben tendenziell gleich, allerdings bei mehr als 80 Tagen.

Große Last zu tragen: Globales Wachstum stützt sich auf die USA und Großbritannien

Das globale Wachstum ist im kommenden Jahr abhängig von den USA und Großbritannien.

Die britische Wirtschaft wird auch 2015 die dynamischste Wirtschaft Westeuropas bleiben. Der private Konsum ist dabei einer der Hauptmotoren, unterstützt von einer Senkung der Sparquote und der laufenden Erholung des Arbeitsmarkts. 2014 sinken die Insolvenzzahlen auf 24.100 Fälle (-5%). 2015 wird sich dieser Rückgang voraussichtlich auf -1% verlangsamen. Ein Grund dafür können auch externe Faktoren sein: wirtschaftliche Probleme der wichtigsten Handelspartner Frankreich und Deutschland.

Ebenso kommen aus den USA durchwegs positive Signale. Der Trend der sinkenden Insolvenzzahlen setzt sich fort, und erreicht das niedrigste Niveau seit 2009. Besonders erfreulich: die seit längerem unveränderten Zahlungsfristen von 55 Tagen.

In Italien ist 2015 ein Ende der Rezession in Sichtweite

Dank der Abwertung des Euro sollte sich das Exportwachstum 2015 etwas erhöhen (+2%). Im Vergleich zu anderen Krisenländern besteht wegen der langsamen Anpassung der Wettbewerbsfähigkeit aber nur wenig Luft nach oben. Es gibt weiterhin eine ernsthafte Unterversorgung mit Krediten und das Kreditvolumen dürfte sich erst 2015 stabilisieren. Die Zahl der Insolvenzen wird 2014 bei 15.500 Fälle liegen (+10%). Grund dafür: das großteils schwache wirtschaftliche Umfeld und die niedrigen Gewinnmargen der Unternehmen. Durch die erwartete Erholung für 2015 ist auch ein geringfügiger Rückgang der Insolvenzzahlen zu erwarten (-2%).
Diese Verbesserung, könnte darauf hindeuten, dass Italien wieder auf einem richtigen Weg ist.

Zahlungen erfolgen traditionell erst nach mehr als 100 Tagen. Nahrungsmittelindustrie, Einzelhandel und die Automobilindustrie sind leuchtende Ausnahmen. Sie bezahlen ca. nach 50 Tagen.

Trendumkehr in Spanien

2014 bringt einen Rückgang der Insolvenzen auf 6.500 Fälle (-27%). Nach wie vor liegen die Insolvenzzahlen aber weit über dem Vorkrisenniveau. Ob der Abwärtstrend anhalten wird, hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung der wichtigsten Handelspartner ab - mehr als 30% der spanischen Exporte gehen nach Frankreich und Deutschland. 2015 wird dennoch ein Rückgang der Insolvenzen um -6% erwartet.

Die Zahlungsfristen liegen bei unrühmlichen 100 Tagen.

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Mag. Melitta Schabauer, Pressesprecherin der Acredia Versicherung AG
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