Gewerkschaft vida: Nachwuchsmangel im Tourismus ist hausgemacht

ÖHV sollte wissen, dass Lehrlinge keine Hilfskräfte, sondern auszubildende Fachkräfte sind!

Wien (OTS) - "Die Nachwuchsprobleme im österreichischen Tourismus sind hausgemacht", hält Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida, fest. "Dass die Lehrlingszahlen so stark zurückgehen, hat nicht mit einem schlechten Image der Branche sondern mit den tatsächlich oft schlechten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen zu tun. Wenn die Comedy-Abteilung des größten österreichischen Radiosenders so manch praxisnahe Abläufe in der Lehrlingsausbildung parodiert und der Lehrling dabei besonders oft in einem Wirtshaus steht, sind die Arbeitgeber gefordert, die Ausbildung zu verbessern, anstatt nach billigen Hilfskräften aus dem Ausland zu schreien!", so der Gewerkschafter.++++

Dass es vor allem in der Ferienhotellerie im Westen Österreichs nicht mehr gelingt, offene Lehrstellen zu besetzen, liegt für den Landesgeschäftsführer der vida Tirol, Philip Wohlgemuth, am weit verbreiteten "Ausbeuten statt Ausbilden": "Bestehende gesetzliche Bestimmungen zum Beispiel was Ruhezeiten und maximale Arbeitszeit betrifft, müssen endlich von allen eingehalten werden! Es gibt viel zu viele Unternehmer, die die Beschäftigten ausquetschen. Solange sie Lehrlinge als billige Hilfskräfte ausnutzen und jegliche Wertschätzung gegenüber den MitarbeiterInnen vermissen lassen, solange wird kein Ansturm auf eine Ausbildung in der Tourismusbranche einsetzen", betont Wohlgemuth.

Auch vida-Fachbereichsvorsitzender Tusch verweist auf die schwierigen Bedingungen im Hotel- und Gastgewerbe: "Wir haben unregelmäßige Arbeitszeiten, Wochenend-, Feiertags- und Nachtarbeit, körperlich anstrengende Tätigkeiten und hohe psychische Belastungen durch Zeitdruck und Stress, dazu kommen Löhne und Gehälter, die im Vergleich mit anderen Branchen am unteren Ende der Einkommensskala angesiedelt sind - wen wundert es, dass sich Jugendliche ihren Arbeitsalltag anders vorstellen!" Die Arbeitgeber hätten jedoch bei den Kollektivvertragsverhandlungen jederzeit die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen und damit auch das Image der Branche zu verbessern.

Für Kopfschütteln bei den Gewerkschaftern sorgen die jüngsten Aussagen aus der Hoteliervereinigung ÖHV zu angeblich schikanösen Bestimmungen bei Dienstplanerstellung, Arbeitszeit oder Ruhepausen:
"Vielleicht ist es für die Hoteliervereinigung neu, was in anderen Branchen kaum für Verwunderung sorgt, nämlich dass qualifizierte Ausbildung nicht in der Nacht oder während gesetzlich nicht erlaubter Überstunden stattfinden muss!"

Die Gewerkschaft vida wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass Jugendliche im Hotel- und Gastgewerbe eine qualitativ hochwertige Ausbildung bekommen, mit der sie auch die besten Chancen am Arbeitsmarkt haben: "Es gibt zum Glück Betriebe, die das auch so sehen und in ihre Fachkräfte von morgen investieren. Den Umgang der schwarzen Schafe unter den Arbeitgebern werden sich auf Dauer aber weder Arbeitskräfte aus Österreich noch aus dem Ausland gefallen lassen!", so Tusch und Wohlgemuth abschließend.

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