Faymann kritisiert im ÖSTERREICH-Interview deutsche Drohungen mit einem Euro-Rauswurf Griechenlands: "Nicht klug."

Kanzler unzufrieden mit Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in EU: "Wir brauchen einen europaweiten Aufschrei."

Wien (OTS) - Im Interview für die Tageszeitung ÖSTERREICH (Sonntagsausgabe) kristisiert Bundeskanzler Werner Faymann deutsche Wortmeldungen, ein Euro-Austritt Griechenlands wäre verkraftbar. Faymann: "Klug war das in keinem Fall. Kein Land braucht Zurufe von außen, die als Drohung angelegt sind. Das ist eine unzulässige Einmischung in die Angelegenheiten Griechenlands. Mit solchen Szenarien spielt man nicht."

Die EU müsse eventuell auch mit einer Regierung Tsipras leben. Faymann: "Selbstverständlich. Das ist in einer Demokratie so. Es wäre wohl das Letzte, wenn wir in der EU bestimmen, wer gewählt werden darf und wer nicht."

Weiters urgiert Faymann ein entschlosseneres und einheitliches Vorgehen in Sachen Krisenbekämpfung. Der Kanzler: "Die USA zeigen uns mit ihrem einheitlichen Vorgehen, wie's geht. Die können investieren. Wir in Europa mit unseren 28 Schrebergärten tun uns ungleich schwerer. Wir brauchen einfach zusätzliche Mittel."

Die könnten beispielsweise durch eine "europaweite Betrugsbekämpfung" hereinkommen. Faymann: "Experten schätzen das Potenzial da auf eine Billion Euro." Und: "Es gibt immer noch Länder, die sich gegen eine Finanztransaktionssteuer, also die Besteuerung von nicht arbeitendem Kapital, wehren."

Beim Thema Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wird Faymann ungewohnt emotional: "Es gibt in Europa eine Reihe von Vertretern, die eine ständig steigende Arbeitslosigkeit nicht stört. Das regt mich auf, das erschüttert mich. Da brauchen wir einen europaweiten Aufschrei. Ich möchte mich an diese Kriese nicht gewöhnen müssen. Arbeitslosigkeit ist das Thema dieses Jahrzehnts."

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