WKÖ: Jetzt Impulse für den schwächelnden Arbeitsmarkt setzen

Höhere Arbeitslosigkeit steht Beschäftigungsrekord gegenüber - Zuwachs auch bei Generation 50+ - Betriebe beschäftigen 44.000 ältere Beschäftigte mehr als 2013

Wien (OTS/PWK001) - Österreichs Betriebe sorgen neuerlich für ein Beschäftigungsplus: Mit einem Zuwachs von 19.000 unselbständig Beschäftigten im Vorjahresvergleich gab es im Dezember 2014 neuerlich einen Beschäftigungsrekord. "Dies ist erfreulich und zeigt, dass Österreichs Betriebe trotz allgemeiner Konjunkturflaute gut aufgestellt sind", kommentiert Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheitspolitik der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die neuesten Arbeitsmarktzahlen. "Diese vergleichsweise günstige Situation am österreichischen Arbeitsmarkt darf aber kein Ruhekissen sein." Österreich hat Ende Oktober 2014 nach fast 4 Jahren auf Platz 1 am EU-Arbeitsmarkt seinen Europatitel an Deutschland abgeben müssen. Ziel müsse sein, Platz 1 im EU-Arbeitsmarktranking wieder zurück zu erobern. "Deutschland hat im Zuge der Hartz-Reformen vor rund 10 Jahren wichtige Strukturveränderungen vorgenommen, die sich jetzt bezahlt machen. Die deutschen Arbeitsmarktreformen gingen einher mit einer spürbaren Senkung der Lohnnebenkosten: Diesen wichtigen Schritt muss auch Österreich angehen", so Gleitsmann. Daneben sind nicht zuletzt angesichts des weiteren Anstiegs der Arbeitslosigkeit zusätzliche Impulse notwendig, damit die Konjunktur und damit der Arbeitsmarkt 2015 in Schwung kommen.

Gleitsmann streicht auch hervor, dass die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen mit 0,6 Prozent erneut geringer gestiegen ist als die allgemeine Arbeitslosenquote (0,7 Prozent). Zudem ist die Die Generation 50 + die mit Abstand am stärksten wachsende Altersgruppe am Arbeitsmarkt. Im Vorjahresvergleich sind + 44.000 Personen 50+ mehr in Beschäftigung. Gleitsmann: "An dieser starken Steigerung der Personengruppe 50+ sieht man, dass die Babyboomer langsam in die Jahre kommen. Sehr positiv ist, dass die Personen 50+ grundsätzlich sehr stabil beschäftigt sind und ein relativ niedriges Risiko haben, ihren Job zu verlieren. Wenn ältere Personen einmal arbeitslos sind, haben sie allerdings vergleichsweise große Schwierigkeiten, wieder einen Arbeitsplatz zu finden.

Ältere leiden relativ häufig an gesundheitlichen Problemen, weisen veraltete Qualifikationen auf oder sind schlechter qualifiziert. Das 2014 beschlossene "Beschäftigungspaket für Ältere" über 370 Mio. Euro für 2014-2016 ist daher aus Sicht der Wirtschaftskammer ein richtiger Schritt. Nach dem Motto "Vermitteln statt Verwalten" erhält das AMS daraus für heuer 120 Mio. Euro, um Beschäftigungsverhältnisse Älterer zu unterstützen. "Bei älteren Arbeitslosen ist die Eingliederungsbeihilfe ein wichtiger Türöffner in eine neue Beschäftigung. Studien belegen, dass sich die Ausgaben dafür bei der Zielgruppe der 45+ bereits nach 1 Jahr rechnen. Die 2015 vom AMS bereitgestellten Mittel in Höhe von 72 Mio. Euro sind daher jedenfalls eine gute Investition", betont WKÖ-Arbeitsmarkt-Experte Gleitsmann.

Ein Brennpunkt ist und bleibt das Thema Jugendarbeitslosigkeit:
Mit einer Quote von 10% nach Eurostat hat Österreich hinter Deutschland und Niederlande die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit im EU-Vergleich, büßte im Vergleich zum Dezember 2013 aber einen Platz ein. Das duale Ausbildungssystem ist der Schlüssel für die nach wie vor gute Position am Arbeitsmarkt für Jugendliche. Dank der betrieblichen Lehre ist auch die Erwerbstätigenquote unter den Jugendlichen mit 53,8 % wesentlich höher als im EU-Schnitt (32,3%). Gleitsmann weist in diesem Zusammenhang auf das nach wie vor hohe Engagement der Betriebe in der dualen Ausbildung hin. In Summe -sofort verfügbare und nicht sofort verfügbare offene Lehrstellen zusammengerechnet - wächst die Zahl der offenen Lehrstellen seit Jahren kontinuierlich. Seit 2007 ist die Zahl der beim AMS gemeldeten Lehrstellen um über 1.700 Lehrstellen gestiegen. Auch wenn der Anteil jener Jugendlichen, die weder in Ausbildung noch erwerbstätig sind (im Fachjargon "NEETS"), mit 7,1 % im EU-Vergleich vergleichsweise niedrig ist, müsse alles unternommen werden, um deren Anteil zu senken, so Gleitsmann abschließend: "Die im Regierungsprogramm verankerte Ausbildungspflicht ähnlich der Schulpflicht ist 2015 anzugehen, um zu verhindern, dass Jugendliche allein gelassen auf der Straße landen." (SR)

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