Bünker in Neujahrsansprache: "Schulsystem in Österreich zementiert gesellschaftliche Ungleichheiten"

Evangelisch-lutherischer Bischof betont Wichtigkeit umfassender Bildung - Reformation war immer auch Bildungsbewegung

Wien (OTS/epdÖ) - In seiner Neujahrsansprache hat der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker das aktuelle Schulsystem kritisiert. Internationale Vergleiche zeigten, dass Österreich im Bildungsbereich besonders schlecht abschneide. "Nur jeder vierte Heranwachsende schafft es, einen besseren Bildungsabschluss zu erlangen als seine Eltern. Dadurch werden gesellschaftliche Ungleichheiten zementiert, Armut wird vererbt und Inklusion immer schwieriger", so der Bischof am 1. Jänner 2015 im ORF-Fernsehen. Hiervon seien besonders Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien, von Alleinerziehenden sowie aus Familien mit Migrationshintergrund betroffen, ebenso Kinder und Jugendliche mit Behinderung, die in besonderer Weise pädagogische Förderung brauchen. "Paradoxerweise steht hier gerade die Schule, wie wir sie heute haben, einer Bildungsgerechtigkeit im Wege." Trotz jahrelanger Diskussion sei hier bisher zu wenig passiert, resümierte der Bischof. In diesem Zusammenhang wiederholte Bünker die Forderungen der Diakonie nach menschlicherer Gestaltung der Bildung, verbunden mit einer Frühförderung aller Kinder sowie einer Unterstützung für jene Kinder und Jugendliche, die besondere Lernschwierigkeiten haben.

"Es gibt kein edleres und wertvolleres Werk als die Bildung", dieses Zitat des Reformators Martin Luther bildete den Leitgedanken der Neujahrsansprache, die in einer nachgebauten Schulklasse im evangelischen Museum Oberösterreich in Rutzenmoos aufgenommen wurde. "Bildung führt aus der Enge der eigenen Erfahrung hinaus in die Weite und öffnet die Türe zur Welt", sagte Bünker und erinnerte daran, dass die Evangelischen Kirchen in Österreich das Jahr 2015 als Schwerpunktjahr der Bildung begehen.

Bünker betonte, dass Bildung nicht nur auf Fähigkeiten und Fertigkeiten reduziert werden dürfe, die aus wirtschaftlicher Sicht notwendig seien. "Bildung meint immer auch den inneren Menschen, sein Gewissen, sein Herz und seinen Glauben. Daran erinnern die Kirchen!" Mit dem nun beginnenden Schwerpunktjahr, das unter dem biblischen Leitmotiv "Du stellst meine Füße auf weiten Raum" (Psalm 31,9) steht, soll der enge Zusammenhang zwischen Bildung einerseits und dem evangelischen Verständnis des Menschen und der Welt andererseits aufgezeigt werden. Dies zeige sich etwa auch darin, dass die Reformation immer auch eine Bildungsbewegung gewesen sei. "Gleich neben dem Bethaus in Rutzenmoos wurde auch eine Schule gebaut, weil dies zu einer evangelischen Gemeinde einfach dazugehört hat. Das Ziel war der mündige Mensch und der mündige Christ, der sich sein eigenes Urteil bildet und über die eigene Religion Auskunft geben kann", erklärte Bünker. Im Zusammenspiel von Religion und Bildung, im "gebildeten Glauben", sieht der Bischof demnach auch das wirksamste Mittel gegen jegliche Radikalisierung und gegen jeden Fundamentalismus.

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