PR-Ethik-Rat: Doppelrüge für Gratiszeitung HEUTE

Gefälligkeitsberichterstattung in beiden Fällen

Wien (OTS) - Der PR-Ethik-Rat rügt die Gratiszeitung HEUTE zweimal wegen mutmaßlicher Gefälligkeitsberichterstattung (Beschwerden vom 19. November 2013 und 1. Dezember 2013).

Gleich zwei Rügen wegen mutmaßlicher Gefälligkeitsberichterstattung hat der PR-Ethik-Rat gegen die Gratiszeitung HEUTE ausgesprochen. Die beiden Verfahren wurden aufgrund von Beschwerden eingeleitet.

Hofer sagt Stromfressern den Kampf an

In der Gratiszeitung HEUTE vom 26. September 2013 erschien unter dem Titel "Spar-Geräte: Hofer sagt Stromfressern den Kampf an" ein kleiner Artikel, in dem Hofer dreimal genannt wird, was nach Meinung des PR-Ethik-Rates journalistisch schwer zu rechtfertigen ist. Der Beschwerdeführer mahnt für diese "Werbebotschaft" eine entsprechende Kennzeichnung ein. Da auf Seite 7 dieser Ausgabe ein ganzseitiges Inserat von Hofer platziert ist, liegt für den Ethik-Rat die Vermutung nahe, dass es sich bei dem (ungekennzeichneten) Artikel um Gefälligkeitsberichterstattung handelt. Die Leserinnen und Leser würden über den Einfluss der wirtschaftlichen Interessen des Verlags auf die redaktionelle Berichterstattung im Unklaren gelassen, so der Rat.

HEUTE, die Firma Hofer und die betreuende Agentur, Rosam Change Communications, wurden zu einer Stellungnahme eingeladen, haben sich aber am Verfahren nicht beteiligt.

Wiesenthal-Aktion "Gib mir fünf"

Ein ähnlicher Sachverhalt zeigt sich bei der zweiten Beschwerde: In HEUTE vom 30. Oktober 2013 liest man ein Interview mit dem Chef der Firma Wiesenthal Wien, in dem die Wiesenthal-Aktion "Gib mir fünf" ausgelobt wird. Auf Seite 29 derselben Ausgabe ist ein Inserat der Wiesenthal-Aktion "Gib mir fünf" platziert. Der Beschwerdeführer führt an, dass durch den Interviewstil [...] für LeserInnen der Eindruck entstehe, als sei dies ein normaler Beitrag in jener Tageszeitung. Dies scheine aber nicht der Fall zu sein, denn von seriösem, unbeeinflussten Journalismus könne hier nicht die Rede sein. [...].

In einem Schreiben wies HEUTE die Unterstellung zurück, dass es sich bei dem Interview um ein bezahltes Advertorial handle. Wiesenthal gab u. a. an, dass in dem Zeitraum eine Kampagne mit dem Titel "Gib mir fünf" ausgelobt wurde. Im selben Zeitraum sei auch eine Interviewanfrage von HEUTE an das Unternehmen herangetragen worden, der man gerne nachgekommen sei.

Nach Meinung des PR-Ethik-Rates ist das Zusammentreffen eines Inserats für die Aktion mit einem Interview des Wiener Wiesenthal-Chefs, in dem "Gib mir fünf" stark thematisiert wird, kein Zufall. Vermutet wird ein Fall von Gefälligkeitsberichterstattung.

Spruch und Begründung

Der PR-Ethik-Rat spricht in beiden Fällen eine öffentliche Rüge gegen die Gratiszeitung HEUTE wegen mutmaßlicher Gefälligkeitsberichterstattung, Verletzung des Prinzips der Trennung von redaktionellen und kommerziellen Inhalten sowie Täuschung der Leserinnen und Leser aus.

Die beteiligten Unternehmen Wiesenthal sowie Hofer und die betreuende Agentur Rosam Change Communications werden aufgefordert, ihrerseits alles dazu beizutragen, um solchen Praktiken keinen Vorschub zu leisten.

In seiner Begründung vertritt der Rat die Meinung, dass in beiden Fällen redaktionelle Inhalte von kommerziellen Interessen des Verlags geleitet wurden. Das verstoße nicht nur gegen journalistische Prinzipien, sondern auch gegen die Ethik-Kodizes der Kommunikationsbranche.

Durch bevorzugte Behandlung von Anzeigenkunden über (nicht gekennzeichnete) auffällig positive Erwähnungen in redaktionellen Beiträgen erschließen sich die wahren Zusammenhänge für die Medienkonsumentinnen und -konsumenten nicht. Die Parallelität der beiden Fälle spreche für sich selbst, so der PR-Ethik-Rat.

Weitere Informationen zu diesen Sprüchen unter
http://www.prethikrat.at/de/beschwerden/beschwerdefaelle.html.

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