Marktuntersuchung der E-Control: Stromlieferanten mit hohen Margen bei Haushaltskunden

Regulator untersuchte Preisgestaltung der Stromversorger von 2008 bis 2012 - Bei Industrie kaum Margen, bei Haushalten oftmals hohe Margen

Wien (OTS) - 2011 und 2012 waren die Margen einzelner heimischer Stromlieferanten ohne bedeutende eigene Wasserkraftwerke überdurchschnittlich hoch. Während die Energieunternehmen bei den Industriekunden wenig verdienten, gewährten sie sich bei den Haushaltskunden teils üppige Margen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Energieregulierungsbehörde E-Control. Eingeleitet wurde die Überprüfung, weil seit 2008 heimische Lieferanten durch den gesunkenen Börsenstrompreis ihren Strom deutlich billiger einkaufen können, Haushaltskunden aber von diesem Einkaufsvorteil nur wenig bemerkten. Die von der Regulierungsbehörde Ende August 2011 geforderte Einsicht in ihre Beschaffungsstrategien verweigerten die betroffenen 21 Energieunternehmen. Erst nach entsprechenden Erkenntnissen des Verfassungs- und Verwaltungsgerichtshofs Ende 2012 bzw. Ende 2013 konnte der Regulator im vergangenen Jahr die Marktuntersuchung starten.

Etwa 330 Millionen Euro Marge von 2008 bis 2012 bei Haushalten

Stromlieferanten, die einen wesentlichen Teil ihres Stroms am Markt zukaufen müssen, erwirtschafteten von 2008 bis 2012 bei den Haushaltskunden Margen von insgesamt etwa 330 Millionen Euro, die durchschnittliche Marge betrug etwa sieben Prozent pro Jahr, 2011 und 2012 betrugen die gewichteten Margen durchschnittlich 12 Prozent. "Angesichts des niedrigen Risikos in diesem Markt wird zum Beispiel in Großbritannien eine Marge von fünf Prozent als angemessen betrachtet", sagt E-Control-Vorstand Martin Graf. "Überhöhte Margen sind in Österreich über das Kartellrecht zu ahnden, da es bei uns keine regulierten Preise gibt." Die E-Control wird die Margenentwicklung auf kartellrechtliche Konformität weiterhin genau beobachten. Denn auch 2013 und im heurigen Jahr sollten durch weiter gefallene Börsenstrompreise die Kosten der Lieferanten weiter gesunken sein.

2013 und 2014 weitere rund 270 Millionen Euro Marge bei Haushalten

"Es ist davon auszugehen, dass 2013 und 2014 insgesamt weitere rund 270 Millionen an Margen dazugekommen sind", erläutert Martin Graf. Das würde Margen von bis zu 30 Prozent bei einzelnen Unternehmen ergeben. "Ein sehr hoher Wert", wie Graf betont. Von 2008 bis 2014 gerechnet, summieren sich die Margen auf rund 600 Millionen Euro, die durchschnittliche Marge wäre in diesem Zeitraum bei rund zehn Prozent. Nimmt man als Richtwert eine Marge von fünf Prozent dann hätten die heimischen Haushalte in diesen sieben Jahren insgesamt 300 Millionen Euro bzw. 45 Millionen pro Jahr zu viel bezahlt. "Jeder zusätzliche Prozentpunkt bei den Margen der Haushalte kostet diese etwa zehn Millionen Euro pro Jahr", verdeutlicht Graf. "Die Stromversorger sollen natürlich etwas verdienen, schließlich sind sie keine karitativen Organisationen. Aber diese Margen sollten angemessen sein. Immerhin sind die meisten Stromlieferanten in ihrem jeweiligen Netzgebiet Marktbeherrscher mit Marktanteilen von um die 90 Prozent." Weiters ist zu berücksichtigen, dass in einem wettbewerblichen Umfeld Gewinne eines Jahres nicht mit den Verlusten anderer Jahre begründet werden können, sodass eigentlich jedes Jahr einzeln zu betrachten wäre. "Das würde das Bild noch dramatischer erscheinen lassen", betont Graf.

Regulator wird Strommarkt 2016 erneut untersuchen

In der jetzigen Untersuchung wurden die Margen bis 2012 beleuchtet. Doch auch 2013 und heuer ist der Börsenstrompreis gesunken. Betrachtet man den derzeitigen Großhandelspreis sind mit Ende dieses Jahres Margen von mindestens elf bis zu sogar 33 Prozent möglich. "Da jedenfalls zu erwarten ist, dass die Margen der Stromversorger heuer und im vergangenen Jahr gestiegen sind, wird die E-Control den Strommarkt voraussichtlich 2016 erneut untersuchen", kündigt Graf an. Bei dieser Prüfung werde der Zeitraum 2013 bis 2015 beleuchtet. "Die Margenentwicklung muss auch weiter genau beobachtet werden, sie gibt Anlass zur Sorge." Vor allem 2015 sollte sich zeigen, ob die bereits an die Industrie weitergegebenen Kostensenkungen auch bei den Haushalten und dem Gewerbe in niedrigeren Preisen resultieren werden.

Höchste Ersparnisse bei Stromanbieterwechsel seit der Liberalisierung

Ein weiterer Indikator dafür, dass die Margen in den vergangenen beiden Jahren weiter gestiegen sind, ist die Entwicklung der Einsparmöglichkeiten bei einem Wechsel vom angestammten Stromversorger zum günstigsten alternativen Stromlieferanten. Derzeit gibt es die höchsten Ersparnisse beim Stromanbieterwechsel seit der Liberalisierung. Ein Wechsel spart einem Durchschnittshaushalt je nach Bundesland mindestens 85 Euro pro Jahr, die höchste Ersparnis liegt bei knapp 200 Euro (ohne Neukundenrabatt 70 bzw. 180 Euro). "Das steigende Einsparpotenzial beim Wechsel zeigt was alles möglich wäre", erläutert Graf. "Alternative Anbieter schaffen es sehr wohl, günstigere Energiepreise anzubieten. Wir gehen davon aus, dass dies auch den angestammten Lieferanten bei gutem Willen möglich sein sollte." Zwar seien im vergangenen Jahr Preissenkungen einiger Lieferanten erfolgt, "diese sind aber nach unserer Einschätzung eher gering ausgefallen und es gibt noch immer zahlreiche Versorger, die an ihren Preisen festgehalten haben und auch jetzt an keine Preissenkungen für Haushalte denken."

Bei Industrie geringe Marge, bei Haushalten oftmals hohe

Während an die Industrie die gesunkenen Einkaufspreise an der Strombörse zum Großteil voll weitergegeben wurden, war dies bei den Haushaltskunden nicht voll umfänglich der Fall. "Die Industrie erhält im Schnitt Strompreise, die sich stärker am Börsenstrompreis orientieren, die Marge war von 2008 bis 2012 kaum wahrnehmbar", sagt Vorstand Graf. "Die Gruppe der größeren Industrie mit einem Jahresverbrauch von mehr als 100.000 Kilowattstunden ist stark umkämpft. Da gehen viele preislich an die Schmerzgrenze. Und was man bei der Industrie nicht verdient, holen sich einzelne dann bei den Haushalten", erläutert Graf. "Denn den Versorgern ist bewusst, dass ihnen die Haushaltskunden auch bei hohen Preisen nicht davonlaufen." Von 2008 bis 2012 lag die jährliche Wechselrate der Haushalte im Schnitt bei gerade einmal 1,4 Prozent.

Der Bericht "Untersuchung zu den Marktverhältnissen im Strommarkt" der E-Control ist online abrufbar unter:
http://www.e-control.at/de/publikationen/sonstige-berichte

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