Kirgisischer Familie droht Abschiebung aus Kärnten – zwei Bürgermeister verlangen humanitäres Bleiberecht

St. Paul (OTS) - Viele Unterstützer schließen sich Appell nach humanitärem Bleiberecht für die sechsköpfige Familie an. Familie Abdrahmanov lebt seit drei Jahren sehr gut integriert in Österreich. Doch von Weihnachtsfrieden ist keine Spur. Kurz nach den Feiertagen, am 10. Jänner, droht erneut die Abschiebung der mittlerweile sechsköpfigen Familie.

Die akut drohende Abschiebung der Familie aus Kirgistan ist leider keine neue Situation. Das macht sie nicht weniger schrecklich. Ende 2013 gab es einen negativen Asylbescheid und eine Ablehnung in der Berufung. Aufgrund der damaligen Schwangerschaft von Frau Abdrahmanov aber wurde ein Duldungsrecht bis 10. Jänner 2015 ausgesprochen. Baby Amalia kam im Sommer zur Welt, als Frühchen. Als "geduldeter" Asylwerber erhält man eine Grundversorgung, ist aber illegal im Land - darf also keine Arbeit annehmen. Am 10. Jänner endet nach jetzigem Status für Familie Abdrahmanov das Duldungsrecht. Dann droht die Abschiebung für die sechs Menschen aus St. Paul.

Bürgermeister aus Wolfsberg und St. Paul appellieren für humanitäres Bleiberecht

Familie Abdrahmanov wohnt seit drei Jahren im Kärntner Lavanttal. Die Kinder sind vier, acht und zehn und, Baby Amalia, eben wenige Monate alt. "Die gesamte Familie ist bei uns voll integriert", bekräftigt der Bürgermeister von St. Paul, Hermann Primus (SPÖ) und verlangt dringend von der Innenministerin das humanitäre Bleiberecht für diese sechs Bewohner seiner Gemeinde. Ebenso sein Amtskollege aus Wolfsberg, Bürgermeister Hans-Peter Schlagholz (SPÖ). Er berichtet:
"Die beiden Schulkinder gehen in die Volksschule und sind ausgezeichnete Schüler. Der Älteste soll im Herbst ins renommierte Stiftsgymnasium kommen."

Regionale Unterstützer bieten Arbeit, Logis und große bis kleine Hilfen

Neben den Bürgermeistern machen sich auch Doris und Georg Niedersüß aus einer alteingesessenen Wolfsberger Unternehmerfamilie und Graf und Gräfin Henckel-Donnersmarck für die Familie stark, sowie viele Mitbürgerinnen und Mitschüler. Engagierte Mitstreiterin von Anfang an ist auch die Grüne Gemeinderätin Monika Eichkitz (leider gerade im Krankenhaus). Der Unternehmer Georg Niedersüß versteht die Welt -insbesondere die österreichische - nicht mehr: "Hier ist eine voll integrierte, ausgezeichnet deutsch sprechende, motivierte und arbeitsfreudige Familie, der im Heimatland Armut und medizinische Unterversorgung mit allen Konsequenzen drohen. Wo bleibt das humanitäre Bleiberecht!". Er bietet eine Arbeitsplatz (wäre Arbeiten für den kirgisischen Familienvater legal) und vielfältige Unterstützung.

Integration wollen und können: "Akzentfreies Kärntnerisch" und Einsatz in der Gemeinde

Hinge es von den Sprachkenntnissen ab, Familie Abdrahmanov hätte wohl schon die Staatsbürgerschaft. Die Kinder antworten in astreinem Kärntnerisch, die Erwachsenen, deren Muttersprache Russisch ist, konnten mehrere Deutschprüfungen erfolgreich absolvieren. Herr Abdrahmanov, dem aufgrund seines Behördenstatus der Illegalität eine Anstellung nicht mehr erlaubt ist, engagiert sich ehrenamtlich in der Gemeinde und ist im St. Pauler Tischtennisverein aktiv. Seine Frau sorgt vor allem dafür, dass die vier Kinder als "waschechte Lavanttaler mit uigurischem Familienhintergrund" aufwachsen.

Uiguren, eine bedrohte Minderheit

Die Uiguren, zu denen Familie Abdrahmanov gehören, sind eine Minderheit in Kirgistan. Die österreichischen Behörden stufen diese als "nicht politisch verfolgt" ein - daher der negative Asylbescheid. Im echten Leben werden Uiguren in Kirgistan in allen Bereichen als "Menschen zweiter Klasse" diskriminiert: etwa am Arbeitsmarkt oder im Gesundheitssystem. Herr Abdrahmanov erzählt: "Mein Onkel erhielt nach einem Herzfarkt als Uigure Hilfe erst viel zu spät. Er starb." Frau Abdrahmanov braucht nach den Komplikationen rund um Amalias Geburt letzten Sommer eine engmaschige Gesundheitsüberwachung. In Kirgistan ist diese für Uiguren nicht gewährleistet. Herr Abdrahmanov, Papa von Vier, würde keinen Job erhalten, die Familie wäre damit mittellos.

Kurze Hintergrundinfo: Kirgistan (auch Kirgisistan oder Kirgisien) liegt in Zentralasien. Der Staat ist etwa 2,5 Mal so groß wie Österreich, hat aber nur 5,5 Millionen Einwohner. Kirgistan grenzt an Kasachstan, China, Tadschikistan und Usbekistan. 2010 kam es zu einem Regierungsumsturz und Unruhen. Im Zuge der Radikalisierung der Zustände wurde das Leben von Minderheiten wie die uigurische, der Familie Abdrahmanov angehört, (lebens)gefährlich.

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Neo-Eigentümer und Geschäftsführer von GRIFFNER, hier vor allem Mitmensch

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