Primärversorgung: Stadt Wien, WGKK und Ärztekammer verständigen sich auf Eckpunkte für zwei Pilotprojekte

Wien (OTS) - Wien war von Anfang an Vorreiter bei der Umsetzung der Gesundheitsreform auf Landesebene, ein Schwerpunkt der Landeszielsteuerung sind dabei Versorgungsstrukturen. Nun haben sich Stadt Wien, Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) - gemeinsam mit den bundesweiten Versicherungsträgern - und die Wiener Ärztekammer auf die Grundsätze für zwei konkrete Pilotprojekte zur Umsetzung des Primärversorgungskonzeptes in Wien verständigt. Im Jänner 2015 ist mit einem Beschluss in den mit dem Thema befassten Gremien zu rechnen. Die Projekte sollen ab dem Frühjahr starten.

Weiterer wichtiger Schritt bei Umsetzung der Gesundheitsreform

Im Juni 2014 hat die Bundes-Zielsteuerungskommission die allgemeinen Prinzipien des Primärversorgungskonzeptes festgelegt. "Nun präzisieren wir diese für Wien und bringen mit den ersten zwei Pilotprojekten ein weiteres wichtiges Projekt der Gesundheitsreform erfolgreich auf Schiene", so die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely. "Es ist gelungen, auch in dieser Frage bei allen unterschiedlichen Interessen partnerschaftlich eine gemeinsame Lösung zu finden. Daher bin ich sicher, dass wir mit diesen beiden Piloten sowohl den PatientInnen als auch den Gesundheitsberufen ein attraktives Angebot machen können."

Ingrid Reischl, Obfrau der WGKK ergänzt: "Es ist uns damit ein echter Durchbruch gelungen. Wir stehen unmittelbar vor der Umsetzung der ersten Pilotprojekte. Die Gesundheitsreform wird damit schon bald für die Bevölkerung in Wien spürbar - durch eine umfangreichere Versorgung bei längeren Öffnungszeiten, die die Pilotprojekte bieten."

"Die Umsetzung orientiert sich am Modell für Gruppenpraxen mit freiberuflichen ÄrztInnen und wird auch sonst behutsam in die bisherige Systematik der kollektiven Vertragsverhandlungen und die bestehenden Versorgungsstrukturen eingebettet", erläutert der Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart. "Sehr wichtig ist uns die Evaluierung dieses Pilotprojektes, damit wir sehen, wie es von den PatientInnen aufgenommen wird. Wir wissen, dass der klassische Hausarzt das Versorgungsmodell ist, dass die WienerInnen am liebsten haben. Deswegen ist es ein Gebot der Stunde, die hausärztliche Primärversorgung in Summe zu stärken", so Steinhart.

Zwei Pilotprojekte ab Frühjahr 2015

Im Rahmen von zwei Pilotprojekten wird die Primärversorgung im städtischen Raum erstmals Realität: Das neue "Primary Health Care SMZ-Ost" wird in direkter Nähe zum SMZ-Ost angesiedelt sein. Es soll neben den klassischen Aufgaben einer Primärversorgung vor allem in enger Abstimmung mit den Ambulanzen des Spitals arbeiten. Die neue Primärversorgung übernimmt dabei in Absprache verschiedene Versorgungsaufgaben und trägt so zu einer Entlastung der Spitalsambulanzen bei.

Primärversorgungen werden bundesweit auf den gleichen Grundlagen basierend arbeiten, sie werden aber klarerweise im städtischen und ländlichen Bereich unterschiedliche Schwerpunkt haben. Ein zweites Modellprojekt wird daher im 6. Wiener Gemeindebezirk angesiedelt sein und erste Erfahrungswerte sammeln, wie die Primärversorgung in einem dicht verbauten innerstädtischen Gebiet seinen Versorgungsauftrag optimal erbringen kann. Dieses Pilotprojekt "Primary Health Care Medizin Mariahilf" wird an einem neuen Standort als Vertragsgruppenpraxis realisiert.

Das erste Pilotprojekt des Wiener Modells soll ab dem 2. Quartal 2015 starten. Auf Basis einer begleitenden Evaluierung werden sie über einen Zeitraum von fünf Jahren wertvolle Erkenntnisse für die Umsetzung des Primärversorgungskonzeptes bringen.

Pilotprojekte bringen längere Öffnungszeiten

Die Pilotprojekte bringen den PatientInnen deutlich längere Öffnungszeiten. Unter der Woche steht das Team der Primärversorgung den PatientInnen zwischen sieben und zumindest 19 Uhr mindestens zehn Stunden zur Verfügung. Pro Woche ist die Primärversorgung damit mindestens 50 Stunden geöffnet.

PatientInnen profitieren von kürzeren Wartezeiten

Die Pilotprojekte bedeuten für die PatientInnen kürzere Wartezeiten. Eine ausreichende Personalplanung stellt sicher, dass immer ausreichend ÄrztInnen vor Ort sind. Auch die neue Aufgabenteilung zwischen Spital und Primärversorgung bringt Vorteile. Die Pilotprojekte kümmern sich besonders um die Versorgung von chronisch Kranken, multimorbiden und geriatrischen PatientInnen. Die Primärversorgung beim SMZ Ost versorgt beispielsweise Diabetes-PatientInnen, die für ihre regelmäßigen Untersuchungen bisher immer auf die Ambulanz des SMZ angewiesen waren. Das bringt für alle Beteiligten eine zeitliche Entlastung.

Neue Form der Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe

Die Pilotprojekte stehen für eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsberufen und bringen mehr Koordination zum Wohle der PatientInnen. Das Team der Primärversorgung besteht aus ÄrztInnen, diplomierten Krankenpflegepersonen und medizinischer Ordinationsassistenz. Sie arbeiten enger als bisher zusammen, dies ist besonders bei der Versorgung von chronisch Kranken wichtig. Für die ÄrztInnen soll diese neue interne Arbeitsteilung mehr Zeit für die PatientInnen bringen.

Die Primärversorgung als Wegweiser durchs Gesundheitssystem

Im Rahmen der Primärversorgung werden HausärztInnen die PatientInnen noch stärker als bisher durch das Gesundheitssystem leiten und begleiten können. PatientInnen kommen so von anderen Versorgungsebenen - also etwa einem Spital - mit Befunden oder einem Behandlungsergebnis zurück in die Primärversorgung und werden dort weiterversorgt. HausärztInnen genießen bei der Bevölkerung ein besonders hohes Vertrauen, und dieses Vertrauen wird auch Maßstab für die Arbeit in den beiden Primary-Health-Care-Pilotprojekten sein. Das Team der Primärversorgung kümmert sich zum Beispiel auch um die Abstimmung mit mobilen Diensten, das entlastet PatientInnen und ihre Angehörigen.

Qualitätsmanagement steht im Mittelpunkt

Die Pilotprojekte punkten mit einem verpflichtenden Qualitätsmanagement. Dazu gehören auch regelmäßige Aus-, Fort- und Weiterbildungen für die MitarbeiterInnen des Kernteams. Die Teilnahme an der begleitenden Evaluierung bringt Transparenz und ermöglicht es, für die flächendeckende Einführung der Primärversorgung wertvolle Schlüsse zu ziehen.

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