Prognose für 2014 bis 2016: Leichte, aber unsichere Erholung

Wien (OTS) - Nach einer Stagnation seit dem Frühjahr 2014 dürfte sich die österreichische Volkswirtschaft auch Anfang 2015 nur sehr verhalten entwickeln. Die Vorlaufindikatoren geben derzeit keine nennenswerten Hinweise auf eine Konjunkturbelebung. In kurzfristiger Perspektive sind somit die Voraussetzungen für eine normale Erholung des Wirtschaftswachstums in Österreich kaum gegeben. Erst im Jahr 2016 könnte eine etwas günstigere Entwicklung in Gang kommen. Neben der anziehenden Weltwirtschaft sollten sowohl die Euro-Schwäche als auch die niedrigen Rohstoffpreise der heimischen Wirtschaft wieder etwas Schwung verleihen. Nach einem Wachstum von 0,4% im Jahr 2014 dürfte die österreichische Volkswirtschaft 2015 um 0,5% und 2016 um 1,1% expandieren.

Die Konjunktur verlor in Österreich im II. und III. Quartal 2014 erheblich an Schwung und schwenkte auf einen Stagnationspfad ein. Nach der lebhaften Entwicklung im III. und IV. Quartal 2013 wuchs das reale BIP saison- und arbeitstägig bereinigt nicht weiter. Das Wirtschaftswachstum dürfte sich in Österreich nur langsam wieder verstärken, bis zum Frühjahr 2015 zeichnet sich noch keine durchgreifende Besserung der Konjunktur ab. Allerdings gibt es auch keine Hinweise auf ausgeprägtere rezessive Tendenzen.

Ob die österreichische Wirtschaft im Laufe des Jahres 2015 wieder kräftiger expandieren wird, hängt neben den nationalen Reformanstrengungen und der Steuerreform auch vom internationalen Umfeld ab. Wenn sich die Erholung im Euro-Raum wie erwartet verstärkt und der Welthandel wieder an Dynamik gewinnt, ergeben sich auch für die heimische Wirtschaft Wachstumsmöglichkeiten. Da die österreichischen Unternehmen überwiegend einen geringen Verschuldungsgrad und ausgewogene Preis-Kosten-Relationen aufweisen und mit einer attraktiven Produktpalette auf allen wichtigen Märkten präsent sind, sollten sie die sich ergebenden Chancen nutzen können. Dies dürfte dank der sehr günstigen Finanzierungsbedingungen auch auf die Investitionstätigkeit ausstrahlen. Dennoch wird das Wachstum im Jahr 2015 nur geringfügig stärker ausfallen als 2014. Damit geht die seit 2012 anhaltende Schwächephase in ihr viertes Jahr. Erst für 2016 ist mit einem leichten Anziehen der Dynamik zu rechnen1).

Trotz der geringfügigen Wachstumsbeschleunigung über den Prognosezeitraum ist die Inflationsrate im europäischen Vergleich hoch. Ausschlaggebend sind dafür zum einen das niedrige Niveau der Energierohstoffpreise und zum anderen die Erwartung, dass sich die Produktionslücke (Output Gap) bis Ende 2016 noch nicht geschlossen haben wird. Nach einer Teuerungsrate von 1,6% im Jahr 2014 dürfte der VPI im Jahr 2015 um 1,5% und im Jahr 2016 um 1,6% steigen. Über den gesamten Zeitraum dürfte der öffentliche Sektor (gemessen an administrierten Preisen und indirekten Steuern) einen nennenswerten Beitrag zur Preissteigerung leisten. Neben einem mäßigen Wachstum des Konsums der privaten Haushalte sollte auch die Investitionstätigkeit über den Prognosehorizont etwas zunehmen. Beschäftigung und Arbeitskräfteangebot werden sich weiterhin ausweiten. Weil die Konjunkturdynamik zu gering ist, wird die Arbeitslosigkeit trotz der Beschäftigungszuwächse anhaltend steigen. Die Außenwirtschaft dürfte über den Prognosezeitraum einen leicht negativen Wachstumsbeitrag liefern. Eine nachhaltige Erholung der österreichischen Ausfuhr ist angesichts der trägen Entwicklung im Euro-Raum, auf den rund 50% der österreichischen Exporte entfallen, noch nicht zu erwarten.

Übersicht 1: Hauptergebnisse der Prognose - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/50880)

Trotz der verhaltenen Konjunktur dürfte sich die Finanzierungssituation der öffentlichen Haushalte gegenüber 2013 im Prognosezeitraum nicht weiter verschlechtern. Für 2014 wird ein Budgetsaldo nach Maastricht-Definition von -3,0% des BIP erwartet, der weiter auf -2,4% im Jahr 2015 und -1,9% im Jahr 2016 zurückgehen könnte. Die Budgetprognose unterstellt, dass vom Konsolidierungskurs nicht Abstand genommen wird und lediglich die automatischen Stabilisatoren expansive fiskalpolitische Impulse setzen. Besondere Risiken ergeben sich zudem auf der Ausgabenseite aus dem noch unsicheren Finanzbedarf für die notverstaatlichen Banken.

1) Die Prognose wurde erstmals auf Basis des ESVG 2010 erstellt (zu den methodischen Änderungen in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und ihren Implikationen siehe u. a. aktuelle Publikationen von Statistik Austria).

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen" Bezug genommen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ." beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen Methoden beruht.

Wachstumsüberhang

Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres (t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1, wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0 (in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.

Durchschnittliche Veränderungsraten

Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate 2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte jene von 2009 auf 2010.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens angeführt.

Produzierender Bereich

Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D (Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren, Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich verwendet.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch http://www.statistik.at/ ).

Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010) enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der Kerninflation einbezogen.

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund 1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at/ ). Die Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen. Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und unselbständig Beschäftigten (gemessen in Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen, die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, sowie Präsenzdiener mit aufrechtem Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

Rückfragen & Kontakt:

Rückfragen bitte am Donnerstag, dem 18. Dezember 2014, zwischen 13 und 16 Uhr an Dr. Christian Glocker, Tel. (1) 798 26 01/303, Christian.Glocker@wifo.ac.at

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