Bedarf und Möglichkeiten zum Ausbau von Palliativ- und Hospizeinrichtungen für Kinder und Jugendliche

Stellungnahme Martina Kronberger-Vollnhofer (Leiterin Wiens mobiles Kinderhospiz MOMO) im Rahmen der dritten Sitzung der Enquete-Kommission „Würde am Ende des Lebens“ am 16.12.2014.

Wien (OTS) - Dr. Martina Kronberger-Vollnhofer, Kinderärztin, Leiterin Wiens mobiles Kinderhospiz MOMO und Kinderhospizbeauftragte des Dachverbands Hospiz Österreich zeigt den Bedarf an Palliativ- und Hospizeinrichtungen für Kinder und Jugendliche mit lebensbedrohlichen und lebensverkürzenden Krankheiten und Möglichkeiten zum Ausbau dieser auf.

Gemäß internationaler Standards sollten den betroffenen Familien auch in Österreich flächendeckend Palliativ- und Hospizeinrichtungen für Kinder und Jugendliche rund um die Uhr und kostenlos zur Verfügung stehen. Die öffentliche Finanzierung ist ein notwendiger Schritt, um dies zu schaffen.

In Österreich gibt es keine flächendeckende Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen:

Derzeit werden lediglich in zwei Bundesländern (NÖ, Steiermark) mobile Palliativteams öffentlich finanziert, in allen anderen gibt es entweder keine Angebote, oder sie sind rein spendenfinanziert. Stationäres Kinderhospiz gibt es in Österreich, laut Erhebung des Dachverband Hospiz Österreich, kein einziges.

Obwohl sich die Empfehlungen zum Ausbau und zur finanziellen Unterstützung mobiler Palliativteams sowohl in der Pflegefondsnovelle als auch im Regierungsprogramm finden, sind wir in Österreich leider noch weit davon entfernt, der palliativen Betreuung und Versorgung von Kindern und Jugendlichen flächendeckend gerecht zu werden.

Notwendiger Aus- und Aufbau von Hospizeinrichtungen und deren Finanzierung:
Auf Basis einer Einigung von Bund und Ländern, Gesundheits- und Pflegefonds sowie der Sozialversicherungsträger bezüglich einer Regelfinanzierung könnten folgende Ziele realistisch sein:*

Kurzfristige Ziele bis 2016: Die öffentliche Regelfinanzierung der bestehenden mobilen Palliativ- und Hospizteams, und der noch aufzubauenden, muss in jedem Bundesland gewährleistet werden. Zu Gunsten der kleinen Bundesländer und der damit verbundenen kleinen Zahlen, müssen mobile Angebote auch länderübergreifend verfügbar sein. In den unversorgten Bundesländern sollte es zumindest an einer Abteilung, und österreichweit rund 20 Palliativbetten geben. Bei zugesicherter öffentlicher Finanzierung der laufenden Kosten kann der Aufbau der Umsetzung des ersten stationären Kinderhospizes starten.

Langfristige Ziele bis 2020: Der Vollausbau mit ein bis zwei mobilen Palliativ- und Hospizteams sollte in jedem Bundesland durch öffentliche Finanzierung gesichert sein. Die österreichweite Aufstockung auf rund 40 Palliativbetten sowie das Angebot von zwei stationären Hospizen mit gesamt 16 Betten sollte für die betroffenen Familien zur Verfügung stehen.

Pädiatrische Palliativversorgung ist nicht teuer, nützt Synergien, arbeitet vernetzt mit Krankenhäusern und dem niedergelassenen Bereich. Auch die Lebensqualität der gesamten Familie verbessert sich. Dies zeigt sich beispielsweise in der Stabilität der physischen wie auch psychischen Gesundheit der Eltern und Geschwister und hilft somit auch langfristig Kosten zu sparen. Palliativ- und Hospizversorgung von Kindern und Jugendlichen kann und darf nicht länger Privatsache sein.

* Die genannten Zahlen beziehen sich auf die Betreuung von 1.000 betroffenen Familien. Wenn sich Österreich an europäische Zahlen, etwa jenen aus Großbritannien und Deutschland, orientiert handelt es sich österreichweit vermutlich um deutlich mehr Kinder und Jugendliche, die an einer lebensverkürzenden oder lebensbedrohlichen Krankheit leiden.

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Mag.a Nina Hollinger
Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising
Wiens mobiles Kinderhospiz MOMO
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