Offener Brief von ÖGLB an BM Heinisch-Hosek

NR-Abg. Helene Jarmer: Einführung eines bilingualen Lehrplans mit Österreichischer Gebärdensprache als Unterrichtssprache vorantreiben

Wien (OTS) - Sie haben als Lehrerin an der Wiener Schwerhörigenschule gearbeitet und sind daher mit der Unterrichtspraxis vertraut.

Im Rahmen der Anerkennung der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) haben Sie an Verhandlungen, Beratungen und an Hearings zu den Themen "Anerkennung der ÖGS" und "Chancengleichheit gehörloser Menschen im österreichischen Bildungssystem" teilgenommen. Damals stellten Sie richtigerweise fest, dass "... aufbauend auf der Gebärdensprache die deutsche Sprache als Fremdsprache erlernt werden könne". (Quelle:
Österreichische Gehörlosenzeitung, 3/2004)

Durch die Anerkennung der ÖGS ergaben sich jedoch kaum Verbesserungen im Bildungsbereich. Nach wie vor sind negative und abwertende Annahmen über die Gebärdensprache vorherrschend wie der Diskriminierungsfall gegen gehörlose Schülerinnen in Kärnten deutlich macht. In diesem Fall wurde von Hr. Rumpler (BMBF Abt. III/3a) die Annahme getroffen, dass Deutsch die Muttersprache zu sein "scheint", welche nahezu wörtlich vom Landesschulrat in den abschlägigen Bescheid übernommen wurde, welcher den Kindern den Unterricht in ihrer Muttersprache - ÖGS - verweigert.

2003 stellte der Europarat fest, dass europäische Gebärdensprachen in den Wirkungsbereich der Charta der Regional- oder Minderheitensprachen aufzunehmen sind, da es sich um eigenständige und schützenswerte Sprachen handelt. (Empfehlung 1598 (2003)). Der gegenständliche Fall findet auch Unterstützung seitens der World Federation of the Deaf und der European Union of the Deaf. Beide Organisationen fordern das Bildungsministerium dazu auf, ÖGS als Muttersprache gehörloser Kinder anzuerkennen und die bilinguale Bildung nicht länger aufzuhalten.

Der ÖGLB ersucht Sie, Frau Ministerin, daher:

1. um Auskunft, ob Sie der Aussage des Herrn Rumpler zustimmen. 2. um Einführung eines bilingualen Lehrplans mit ÖGS als Unterrichtssprache! 3. um Erstellung eines Implementierungsplans für die NAP-Punkte in Kooperation mit dem ÖGLB, da die Umsetzung einiger Maßnahmen ohne Einführung der ÖGS als Unterrichtssprache nicht möglich ist.

Treten Sie mit aller Kraft für ein bilinguales Bildungssystem ein, das die ÖGS als vollwertige Unterrichtssprache gleichberechtigt neben Deutsch akzeptiert! Schaffen Sie Rahmenbedingungen für die bestmögliche Förderung und persönliche, soziale und akademische Entwicklung gehörloser Kinder und Jugendlicher! Wir rufen Sie dazu auf, einen Schlussstrich unter die Desinformation und Abwertung der ÖGS im Bildungsministerium zu ziehen. Verteidigen Sie das Recht auf Bildung gehörloser Kinder und Jugendlicher!

Mag.a Helene Jarmer (Präsidentin ÖGLB und Abgeordnete zum Nationalrat)
Ing. Lukas Huber (Generalsekretär)

Hinweis: Der offene Brief ist auf Anfrage in Gesamtlänge erhältlich.

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Mag.a Elke Schnötzinger, MA
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Tel.: 01/6030853

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