ÖÄK: Neues Hepatitis-Medikament auf Kasse für alle, die es brauchen

Wechselberger warnt vor Präzedenzfall - Irrationale Pharmapreise: Politik muss Stellung beziehen

Wien (OTS) - Rund 80.000 Österreicherinnen und Österreicher leiden unter chronischer Hepatitis C. Die bis vor Kurzem unheilbare Erkrankung kann zu schweren Leberschäden bis hin zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen. Nahezu 100 Prozent der Patienten könnten mit dem seit März zugelassenen Präparat Sovaldi binnen weniger Monate und ohne nennenswerte Nebenwirkungen geheilt werden. Wegen der extremen Therapiekosten von durchschnittlich 65.000 Euro übernehmen die Kassen die Behandlung aber nur im Einzelfall. Daher forderte die Vollversammlung der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) heute, Freitag, in einer Resolution, das Medikament allen Patienten, die es brauchen, zu gewähren und eine Verschreibung durch niedergelassene Fachärzte zuzulassen. Es gehe, so ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger, auch darum, auf die Gefahr von Präzedenzfällen hinzuweisen.

Derzeit übernehmen die Kassen die Behandlung mit Sovaldi nur, wenn die Erkrankung weit fortgeschritten und die Standardtherapie wirkungslos oder unverträglich ist. Verschreiben dürfen das Medikament nur wenige Kliniken, sodass das Gros der Patienten de facto keine Chance auf die neue, ungleich bessere Behandlung hat. Laut Michael Jonas, Obmann der ÖÄK-Bundessektion Fachärzte, führt das auch zu einer ethisch untragbaren Situation für Ärzte: "Den Patienten im fortgeschrittenen Stadium muss ich an eine der Kliniken verweisen, die aber für die Behandlung aller Patienten gar nicht gerüstet sind. Einem frisch Diagnostizierten muss ich sagen: Das Medikament, das dich in zwölf Wochen höchstwahrscheinlich heilt, bekommst du erst, wenn dein Leben auf dem Spiel steht. Bis dahin musst du mit den Nebenwirkungen der alten Therapie zurechtkommen."

Für Wechselberger ist es nicht nachvollziehbar, dass niedergelassene Fachärzte das Medikament nicht verschreiben dürfen: "Alle Kassenärzte sind zur kostenbewussten Verschreibweise verpflichtet. Für bestimmte Medikationen gelten zusätzlich strenge Bewilligungsverfahren." Die Verschreibung auf einige stationäre Einrichtungen zu beschränken widerspreche darüber hinaus den Bestrebungen der Gesundheitsreform:
"Man sagt, man will die Spitäler entlasten und Leistungen in den niedergelassenen Bereich verlagern, weil sie dort kostengünstiger erbracht werden können. Hier passiert aber genau das Gegenteil."

Die ÖÄK-Vollversammlung fordert daher,
1. dass all jene Hepatitis-C-Patienten die erforderliche State-of-the-art-Medikation auf Kassenkosten erhalten, bei denen eine solche Therapie medizinisch sinnvoll ist,
2. dass die Medikation möglichst frühzeitig eingesetzt werden kann, um menschliches Leid und unnötige hohe Folgekosten für das Gesundheitssystem zu verhindern,
3. allen auf die Behandlung von Hepatitis C spezialisierten niedergelassenen Fachärzten die Möglichkeit zur Verschreibung dieser erforderlichen State-of-the-art-Medikation zu geben.

Die irrationale Preispolitik der Pharmafirma, die das Medikament 2013 auf den Markt gebracht hat, beschäftigt bereits Parlamente und Regierungen, etwa in Frankreich und Deutschland. Bestrebungen des österreichischen Gesundheitsministeriums, Druck aufzubauen, würde die ÖÄK daher jederzeit unterstützen. Wechselberger: "Es geht hier ums Prinzip: Es darf kein Präzedenzfall enststehen, denn die medizinische Forschung hat viele revolutionäre Therapien in der Pipeline, die für immer mehr Menschen lebensentscheidend sein werden. Wenn Österreich zem solidarischen Gesundheitssystem steht, muss es gegenüber der Pharmaindustrie auf höchster politischer Ebene Position beziehen. (ar)

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