Stronach/Steinbichler: Kammersystem muss dringend reformiert werden

Faire Wahlen für eine bessere Politik für die Bauern und Zwangsmitglieder, nicht für Lobbyisten und Konzerne

Wien (OTS) - "Nachdem ich 20 Jahre lang Erfahrung als Obmann der Bezirksbauernkammer von Vöcklabruck sammeln konnte, möchte ich die tatsächlichen Errungenschaften dieser so höchst notwendigen Kammervertretung kurz zusammenfassen: Was haben wir auf dem Teller, wenn wir heute zum örtlichen Wild-, Braten- oder Entenschmaus gehen? Einen Hirsch aus Neuseeland, Rindfleisch aus dem 12.000 Kilometer entfernten Argentinien und regional beim Bauern ums Eck bekommen wir eine polnische Ente", beschreibt Team Stronach Landwirtschaftssprecher Leo Steinbichler das Ergebnis dieser Arbeit. "Wo bleibt da der propagierte Feinkostladen Österreich?", fragt Steinbichler.

SteinbichIer findet es unerträglich, dass die Bäuerinnen und Bauern zwar auf Plakaten verkauft werden im Sinne von "Schaut her, da schuften sie, so schön und so wunderbar ist unsere Landwirtschaft!" In Wahrheit hätten die Produkte auf den Tellern der Österreicher nichts mit einer regionalen Produktion zu tun, mahnt Steinbichler. Die Landwirtschaftskammer beklage, "dass wir die Nachfrage beim Geflügel nicht mehr decken können. Kein Wunder, weil wir die Inlandsproduktion nicht mehr haben", so der Abgeordnete und Landwirt.

Diese Entwicklung sei auch auf die völlig falsche Verwendung der Bauerngelder zurückzuführen. Ebenso seien laut Steinbichler die angeblichen Sofort-Interventionen nach Einbruch der Russlandexporte zu bezweifeln: "Wie viele Euro von diesem Geld kommen in ein Bauernhaus und wie viele Euro von diesem Geld aus dem Agrarbudget kommen zu den Industriellen, zur Lebensmittelindustrie?" Genauso sei es bei den Ausgleichszahlungen, wo das Verhältnis 80:20 vorherrsche. "Nur 20 Prozent der Gelder kommen bei den Bauern an, der Rest geht an die Lebensmittelindustrie, die Kammern, Ministerien und natürlich auch an die Agrarmarkt Austria, die ihre Marke ja auch bewerben muss", macht der Abgeordnete aufmerksam.

Steinbichler sei inzwischen als Obmann abgewählt, weil er nie gezögert hatte, Ungereimtheiten aufzuzeigen; angefangen vom "völlig praxisfremden Bundestierschutzgesetz, das unter Beratung eines Zoodirektors beschlossen wurde", bis zu "dem Wahnsinn der Errichtung von Biogasanlagen", berichtet Steinbichler. "In einem Land, wo wir 48 Prozent Waldfläche, eine Menge Seen und Gebirgsfläche haben, von Überschüssen zu sprechen und zu sagen, wir brauchen Biogasanlagen zur Vernichtung dieser Überschussflächen - das ist ein Frevel!" Zudem habe er nie gezögert, die "überbordende Bürokratie anzugreifen, weil schön langsam hinter jedem, der arbeitet, fünf Kontrolleure stehen, die mehr verdienen als der, der arbeitet, aber nie das gemacht haben, was der tut".

Steinbichler illustriert den dringenden Reformbedarf des Kammersystems an einem Beispiel aus seiner Heimatgemeinde: "In Aurach am Hongar haben wir noch 25 aktive bäuerliche Betriebe, aber 367 (!) Wahlberechtigte. Das bedeutet, 85 Prozent, die mit der aktuellen Landwirtschaft nichts am Hut haben, weil sie einfach nicht mehr aktiv im Betrieb sind, gehen wählen." Das müsse man reformieren, nur dann gebe es faire Wahlergebnisse und damit auch "eine bessere Politik für die aktiven Bauern und nicht eine Politik für die Lobbyisten und Konzerne", fordert Steinbichler.

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