Schönborn in Kiew: Ukraine braucht mehr westliche Solidarität

Sondergesandter des Papstes sieht Hoffnung für Ukraine - Landesweite Feier zu 25. Jahrestag der Wiedererrichtung der griechisch-katholischen Kirche

Kiew, 11.12.14 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn sieht Hoffnung für eine freie, demokratische und unabhängige Ukraine, freilich braucht das ukrainische Volk dafür mehr Solidarität vom Westen. Das ist die Bilanz des Wiener Erzbischofs, der am Mittwoch Kiew besuchte, als päpstlicher Sondergesandter an der Feier zum 25-jährigen Jubiläum der Wiedererrichtung der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine teilnahm und darüber hinaus noch weitere kirchliche und politische Gespräche führte. "Die Menschen wollen eine lebendige, gerechte und demokratische Ukraine. Wo ein so starker Wille da ist, da ist auch Hoffnung", so der Kardinal.

Von der EU und dem Westen ganz allgemein sei der Ukraine viel versprochen worden. Er habe aber Sorge, so Schönborn am Rande des Besuchs im Gespräch mit "Kathpress", dass sich ein negatives Muster wiederhole: Vom Westen werde Unterstützung zugesagt, im Ernstfall würden die Zusagen aber nicht eingehalten und Erwartungen bitter enttäuscht.

Besonders beeindruckt habe ihn die Begegnung mit dem "Ukrainischen Rat aller Kirchen und religiösen Organisationen", sagte der Kardinal. In dem Rat sind alle in der Ukraine anerkannten christlichen Kirchen sowie die jüdische Gemeinschaft und die islamische Gemeinschaft zusammengeschlossen. Ein demokratischer Staat könne nur funktionieren, wenn es keinen Alleinvertretungsansprüche von Religionen bzw. Kirchen gibt, betonte Schönborn.

Alternativmodell zu Russland

In der Ukraine würden die Kirchen und Religionen in gegenseitigem Respekt und Toleranz seit Jahren gut zusammenarbeiten. Das sei ein starkes Zeichen.

Diese Praxis stelle aber auch ein alternatives Modell zur Entwicklung in Russland dar. Dort stelle die Russisch-Orthodoxe Kirche "in besorgniserregender Weise" den Anspruch, die einzige Kirche Russlands zu sein. Dabei sei auch Russland von Religionspluralismus gekennzeichnet und könnte diesen Pluralismus als Chance für eine offene Gesellschaft nützen.

"Heroische Geschichte" der Unierten

Am Mittwochabend bei der kirchlichen Feier zum 25-jährigen Jubiläum der Wiedererrichtung der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche würdigte Schönborn deren "heroische Geschichte". Die Verbundenheit mit dem Papst habe unter Klerus und Gläubigen viele Opfer gefordert. Der Glaube habe aber seine Kraft bewiesen.

Zur aktuellen Krise in der Ukraine appellierte der Kardinal an die Gläubigen: "Ihr müsst euer Land verteidigen. Das ist euer Recht und eure Pflicht. Aber ohne Hass." Nur so sei der Hass der anderen Seite überwindbar.

Die Kirche müsse den Menschen dienen. Alle Kirchen und Religionen gemeinsam müssten sich für das Wohl des Volkes einsetzen, so Schönborn.

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