Spitalsärzte: Absolventenflucht kostet jährlich 250 Millionen Euro

Ärztekammer fordert marktgerechte Gehälter- Wettbewerbsfähigkeit sichern

Wien (OTS) - Die Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) unterstützt "in vollem Umfang und mit den zu Gebote stehenden Mitteln" die Forderungen der Länderkammern nach einer Anhebung der ärztlichen Grundgehälter in den Spitälern. Die Dienstgeber seien aufgefordert, wettbewerbsfähige und marktkonforme Gehälter zu bezahlen, hieß es im Rahmen der Kuriensitzung am Donnerstag. Dies könne aber nur ein erster Schritt zu einer umfassenden Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Spitälern sein, die den neuen Anforderungen gerecht würden und österreichische Mediziner an einer Abwanderung hinderten.

Bei Inkrafttreten des novellierten Krankenanstalten-Arbeitszeitengesetzes (KA-AZG) sei es dringend erforderlich, die Grundgehälter marktkonform anzugleichen. "Die Novelle wird verkürzte Arbeitszeiten mit sich bringen - eine Forderung, die wir über die Jahre hinweg immer wieder gestellt haben und die nun endlich erfüllt wird. Die Kehrseite der Medaille sind jedoch massive Gehaltseinbußen, da das Einkommen der Spitalsärzte zu einem großen Teil über Nacht-, Feiertags- und Wochenenddienste zustande kam", betonte Kurienobmann und ÖÄK-Vizepräsident Harald Mayer in einer Aussendung. Auch mit einer Verdichtung der Arbeit müsse gerechnet werden.

Die Angleichung der Grundgehälter diene auch der Attraktivierung des Standorts Österreich. Spitalsarbeitsplätze müssten attraktiver werden, um die massive Abwanderung der Medizinabsolventinnen und -absolventen zu stoppen. Mayer: "Aus Befragungen wissen wir, dass 80 Prozent der deutschen Absolventen wieder in ihre Heimat zurückkehren. Insgesamt verliert Österreich von rund 1.300 Absolventen jährlich rund die Hälfte der Jungmediziner an das Ausland oder einen anderen Beruf; der Steuerzahler verliert pro abhanden gekommenem Arzt 400.000,- Euro, die seine Ausbildung gekostet hat. In Summe sind das jährlich rund 250 Millionen Euro. Fragt sich, ob sich der Staat diese Fehlentwicklung leisten will und kann."

Mayer weiter: "Die Spitalsträger, die politisch Verantwortlichen und die Rektoren der Medizinischen Universitäten sind nun gefordert. Sie müssen so rasch wie möglich attraktive Arbeitsbedingungen und konkurrenzfähige Gehälter für Spitalsärztinnen und -ärzte schaffen." Zentral seien die Entlastung der Ärzteschaft von überbordenden Verwaltungs- und Dokumentationsaufgaben, mehr Zeit für Medizin und Patienten, ein sinnvoller Einsatz des Personals entsprechend der Qualifikation, eine effektive Entlastung vom Zustrom zu den Ambulanzen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der Erhalt der Arbeitsfähigkeit älterer Spitalsärztinnen und -ärzte. "Die Anhebung der Grundgehälter kann nur der erste Schritt von vielen sein. Wir haben noch einen langen Weg vor uns", so Mayer abschließend. (slv/ms)

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