Landmedizin: Mehr Praxisinfos, bessere Arbeitsbedingungen

Medizinstudierende und Turnusärzte diskutierten auf Einladung der Österreichischen Ärztekammer über das Berufsbild "Landarzt"

Wien (OTS) - Es braucht schon im Studium gründliche Informationen darüber, welche fachlichen und unternehmerischen Anforderungen mit dem Führen einer Arztpraxis verbunden sind - so lautet eine der dringendsten Forderungen von Medizinstudierenden, aber auch von jungen Turnusärztinnen und -ärzten, die vor Kurzem an einer Diskussionsveranstaltung der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) teilgenommen haben. Weiters wünschten sich die angehenden Mediziner eine grundlegende Modernisierung des Kassensystems, nur so seien eine zeitgemäße Patientenversorgung und vernünftige Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte möglich.

"Was bräuchte es, damit Sie eine eigene Ordination eröffnen oder übernehmen - insbesondere am Land?" - das war die Kernfrage bei der ÖÄK-Worldcafé-Diskussion "Ordination 2020" Ende November. Eine der meistgenannten Ursachen für die Scheu vor der Niederlassung war Unwissen darüber, was Jungärztinnen und -ärzte "draußen" erwartet. Die Lehrpraxis sei ein großer Fortschritt, die Diskutanten hätten sich aber von Anfang an ein ganzes Jahr, wie von der ÖÄK gefordert, gewünscht. Neben der außerklinischen Patientenbehandlung standen Fragen zur Führung von Kleinunternehmen im Vordergrund, die aus Sicht der Studierenden und Turnusärzte in der Ausbildung zu kurz kämen.

In der Diskussion um das medizinische Aufgabenspektrum sprachen sich die Teilnehmenden klar gegen die Fließbandmedizin aus, wie sie vom heimischen Kassensystem geradezu gefördert werde. Vielmehr sollten Zeit und Zuwendung als wirkungsvolle ärztliche Leistungen in allen Phasen der Betreuung anerkannt und entsprechend honoriert werden. Einig schienen die Diskutanten darüber, dass Allgemeinmediziner am Land ein breiteres Aufgabenspektrum als ihre Kollegen in den Ballungszentren zu erfüllen hätten. Das sei einerseits reizvoll, andererseits decke die bisherige Ausbildung diese Vielfalt an Anforderungen kaum ab, was die Skepsis gegenüber der Niederlassung verstärke. Es sei zu hoffen, dass sich dies mit der Ärzteausbildungsreform ändere.

Darüber hinaus führe die mangelhafte Ausbildung im Fach Allgemeinmedizin zur tendenziellen Geringschätzung der Generalisten, sogar innerhalb der Ärzteschaft. Zu Unrecht, denn mit der rasant zunehmenden Spezialisierung komme gerade den breit ausgebildeten Basisversorgern immer mehr Verantwortung zu. Viele Worldcafé-Teilnehmende zeigten sich enttäuscht darüber, dass der von der ÖÄK geforderte "Facharzt für Allgemeinmedizin" nicht realisiert wurde. Umso wichtiger sei es den Ärztinnen und Ärzten in spe, wissenschaftlich am Ball bleiben und neben der (Land-)Arzttätigkeit an Forschungsprojekten mitwirken zu können.

Von der Politik erwarteten sich die Worldcafé-Teilnehmenden mehr konkrete Maßnahmen im Kampf gegen den Ärztemangel: Wer eine hochqualitative und flächendeckende Primärversorgung in Österreich wolle, müsse Arbeitsbedingungen schaffen, die mit jenen in Deutschland und der Schweiz mithalten können: zeitgemäße Leistungskataloge, die der Zunahme chronisch Kranker, älterer und multimorbider Patienten Rechnung tragen; angemessene Honorare mit verstärktem Augenmerk auf Gesprächsmedizin und koordinierende Leistungen; flexible Arbeitszeitmodelle und Formen ärztlicher Zusammenarbeit, die dem steigenden Frauenanteil in der Medizin und dem generellen Anspruch auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance gerecht werden. (ar)

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