„Die ungleichen Geschwister“: Heiter-ironischer Streifzug durch die ambivalenten Beziehungen zwischen Deutschland und Österreich

Am 11. Dezember um 21.05 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Paradeiser gegen Tomate, Gemütlichkeit und Schmäh gegen Ordnung und Disziplin, Ösis gegen Piefkes, ein recht durchwachsenes, kompliziertes Verhältnis. Die in HD produzierte "Menschen & Mächte"-Dokumentation "Die ungleichen Geschwister" von Wolfgang Stickler begibt sich im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts "20 Jahre EU-Beitritt" (Infos unter presse.ORF.at) am Donnerstag, dem 11. Dezember 2014, um 21.05 Uhr in ORF 2 auf einen heiter-ironischen, augenzwinkernden Streifzug durch die ambivalenten Beziehungen zwischen den ungleichen und doch wieder ähnlichen Nachbarn Deutschland und Österreich.

Winzerkönig und "Tatort"-Kommissar Harald Krassnitzer (am 20. Dezember auch Gastgeber von "Zauberhafte Weihnacht im Land der 'Stillen Nacht'" erklärt, warum er aus Wien regelmäßig Einkaufssackerln voller Lebensmittel ins Wuppertaler Zuhause bringt, RTL-Moderatorin Katja Burkard übt für ihren Wiener Ehemann den Wiener Dialekt. "Die Bayern sind übrigens keine Piefke", meint die Kabarettistin Lisa Fitz und fügt gleichzeitig hinzu: "Ihr Österreicher müsst uns Bayern eigentlich dankbar sein, denn wir sind für euch das Bollwerk gegen die Preußen." Das österreichische "Na schau' ma einmal" steht im klaren Gegensatz zu deutscher Sprachpräzision. Brigitte Ederer erzählt als langjährige Siemens-Managerin in Deutschland aus Erfahrung: "Jeder Österreicher weiß, was 'Na schau' ma einmal' bedeutet. In Deutschland habe ich das auch gesagt. Das hat aber große Irritationen hervorgerufen." Um diese und andere Wortwendungen richtig zu verstehen, werden in Wien für zugewanderte Deutsche Informationsabende über das "österreichische Deutsche" und die österreichische Mentalität angeboten.

Der Gegensatz als künstlerischer Unterhaltungsfaktor in den 1930er Jahren: ein österreichischer "Nuschler" und ein stets elegant gestikulierender, scheinbar besser gebildeter Deutscher: Hans Moser und Theo Lingen. Filmdialoge als offensichtliche Bestätigung der normativen Kraft des Faktischen. Jahrzehnte und einen Weltkrieg später setzen Werner Schneyder und Dieter Hildebrandt die ironische Kommunikation der Gegensätze Anfang der 70er Jahre auf der Kabarettbühne und im Fernsehen fort. Heute sind das Dirk Stermann und Christoph Grissemann. Die Kontinuität der Gegensätze ist gleichzeitig auch die Kontinuität der Konkurrenz, das Gefühl besser zu sein als der andere. Dirk Stermann: "Es genügt, einen Witz über Deutsche zu machen, und das Publikum ist auf deiner Seite. Klischees zu bedienen ist einfach, da braucht keiner nachzudenken."

Warum das so ist, erklärt Wolfgang Stickler mit einem Exkurs in die Geschichte: Im Ersten Weltkrieg etwa waren Österreicher und Deutsche Waffenbrüder. 1918, mit der Niederlage und dem Zerfall der Monarchie, macht die Proklamation der "Republik Deutsch-Österreich" das Identitätsproblem recht schnell deutlich. Das zum Kleinstaat geschrumpfte Land sieht seine politisch-wirtschaftliche Zukunft vorerst ausschließlich im Anschluss an Deutschland. 20 Jahre später ist es so weit: Durch Einmarsch wird die neu proklamierte Ostmark "Heim ins Reich" geführt, von einem geborenen Österreicher. Nach dem Schrecken der Hitler-Jahre gilt es den "Homo Austriacus" und dessen Selbstbewusstsein wieder neu zu modellieren, politisches und wirtschaftliches Überleben als ein von Deutschland autonomes Talent zu verstehen. Abgrenzung wird nun zum wichtigsten Teil nationaler Identitätsfindung. Patriotismus und Selbstbewusstsein in Rot-Weiß-Rot beginnen sich auch an den Unterschieden in Sprache und Mentalität zu schärfen. Größe und Großmachtbewusstsein werden bald nicht mehr durch geografische Daten, sondern durch sportliche Leistungen definiert -durch Namen wie Toni Sailer, Karl Schranz oder Franz Klammer. Auch der legendäre 3:2-Sieg über Deutschland in Cordoba 1978 zählt dazu.

Die Meinung der Deutschen über die Österreicher konnten die Sporterfolge aber nicht verändern. Hans-Dietrich Genscher, Deutschlands langjähriger Außenminister, spricht aus, was unsere Befindlichkeit am meisten schmerzt: "Deutsche mögen die Art der Österreicher, aber eine nähere Auseinandersetzung mit ihnen findet nicht statt." Im Klartext: politisch bedeutungslos, aber touristisch interessant. Als Gäste kommen die Deutschen seit Jahrzehnten gerne ins Land. Viele arbeiten auch schon seit Jahren hier. So sitzt ein Deutscher aus dem Ruhrpott als Kutscher auf einem Wiener Fiaker. Er besitzt die Exklusiv-Lizenz für Rundfahrten am Wiener Zentralfriedhof - vor wenigen Jahren noch ein Ding der Unmöglichkeit. "Es gibt auch österreichische Touristen, die Schwierigkeiten haben, dass ich ihnen Wien und seine Sehenswürdigkeiten erkläre", erzählt der "Piefke" auf dem Kutschbock. Das kann doch im vereinten Europa kein Problem mehr sein. Oder doch?

Die Sendung ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.

ORF-Serie "Der Erste Weltkrieg und die Folgen für die Erste Republik" als DVD-Edition erhältlich

Die dreiteilige "Menschen & Mächte"-Serie "Der Erste Weltkrieg und die Folgen für die Erste Republik", die der ORF im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts "100 Jahre Erster Weltkrieg" im Juni 2014 zeigte, gibt es nun auf DVD: Ab sofort ist die bei HOANZL erschienene DVD-Edition "Der Erste Weltkrieg und die Folgen für die Erste Republik" mit den drei Dokumentationen "Kaiser Franz Joseph und der Erste Weltkrieg", "1918 - Ende und Anfang" und "Krisen, Morde, Bürgerkriege" von Andreas Novak, Robert Gokl und Wolfgang Stickler um 14,99 Euro im Fachhandel erhältlich.

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