In 30 Jahren nichts gelernt

1984 konnte der sinnlose Tod hunderter Tiere in der Hainburger Au verhindert werden. Heute, 30 Jahre später, ist eine ähnliche "ökologische Todsünde" gegen den Tierschutz in Planung.

Vösendorf (OTS) - In den kommenden Tagen jähren sich die Ereignisse in der Stopfenreuther Au in Hainburg zum 30. Mal. Für alle Tierschutzbefürworter und umweltbewusste Menschen ein Grund zum Feiern. Deshalb finden auch heute in der Au Feierlichkeiten statt, um diesem denkwürdigen Moment der österreichischen Zeitgeschichte den gebührenden Respekt zu zollen. Nur eine kann nicht daran teilnehmen:
Madeleine Petrovic, Umwelt- und Tierschutzaktivistin der ersten Stunde, sitzt stattdessen vor Gericht. Zwei politisch beeinflusste Bauunternehmen haben sie in ihrer Funktion als Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins (WTV) wegen Besitzstörung, Unterlassung und auf Schadenersatz geklagt.

Nagetiere sollen für Großbau geopfert werden

Die Gründe für die Klage erinnern jedenfalls an die Geschehnisse in der Hainburger Au. Petrovic und der WTV wollen gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern verhindern, dass eines der allerletzten Vorkommen der strengstens geschützten Ziesel in Europa entgegen den Schutzbestimmungen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH), die im EU-Recht verankert ist, einem Großbauvorhaben geopfert wird. Im Detail geht es dabei um die Verbauung von Grundstücken hinter dem Heeresspital im 21. Wiener Gemeindebezirk, wo schätzungsweise über 1000 Ziesel ihren Lebensraum haben. Es scheint fast so, als hätte die Besetzung der Hainburger Au niemals stattgefunden. Damals wollte man das Leben von Blaukehlchen, Rotbauchunke, Auhirsch & Co. leichtfertig opfern, heute nimmt man den Tod der Ziesel in Kauf. Dabei stehen die Nagetiere auf Platz Eins der Roten Liste der gefährdetsten Tierarten Europas. "Der Zustand des Artenschutzes in Österreich ist eine nackte Katastrophe. Es ist sehr traurig, dass die Politik seit damals so wenig gelernt hat und Geld immer noch mehr zählt als die Bewahrung der letzten Wunder der Natur", sagt WTV-Präsidentin Petrovic.

Die Baufirmen werden von einem Rechtsbeistand aus dem politischen Umfeld vor Gericht vertreten. "Es gab zwar bislang keine Konfrontation vor Ort, aber die Klage ist ein klarer Versuch, den Wiener Tierschutzverein politisch mundtot zu machen. Der Versuch wird aber, so wie damals der Aufmarsch der Baugewerkschaft in der Au, nicht erfolgreich sein", sagt Petrovic. Denn den Kampf gibt die WTV-Präsidentin nicht auf. Ab 1. Jänner 2015 ist es möglich, den Europäischen Gerichtshof (EuGh) in dieser Causa anzurufen. Dann wird wegen Verletzung der FFH-Richtlinie geklagt.

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