AK-Arbeitsgesundheitsmonitor: Die Jobs mit den geringsten und den höchsten Belastungen

Wien (OTS) - Die aktuelle Auswertung des Österreichischen Arbeitsgesundheitsmonitors zeigt, dass die gesundheitlichen Belastungen der Arbeitnehmer/-innen sehr hoch sind. Köche/-innen und Kellner/-innen, Berufskraftfahrer/-innen, Fabriksarbeiter/-innen, Bauarbeiter/-innen und medizinisches Personal (Ärzte/-innen und Pfleger/-innen) sind am stärksten betroffen. Bei Geschäftsführern/-innen, Büroangestellten, Buchhaltern/-innen, Fachverkäufern/-innen sowie Kindergartenpädagogen/-innen treten körperliche und/oder psychische Belastungen am wenigsten auf.

Als häufigste Beschwerde nennen die Beschäftigten Rückenschmerzen. Zwischen 59 Prozent (Fabriksarbeiter/-innen) und 70 Prozent (Bauarbeiter/-innen) der Menschen, die in den fünf Berufen arbeiten, die am stärksten belasten, haben Rückenprobleme. Beschäftigte in den fünf am wenigsten belastenden Berufen leiden häufiger unter Erschöpfung (55 Prozent der Geschäftsführer/-innen). Rückenschmerzen sind aber auch bei ihnen ein Thema (z.B. 70 Prozent der Kindergartenpädagogen/-innen).

Psychische Belastungen

Auffällig ist, dass die Beschäftigten in Jobs mit hohen körperlichen Belastungen auch psychisch stark belastet sind. 76 Prozent der Berufskraftfahrer/-innen und der Fabriksarbeiter/-innen sowie 72 Prozent der Bauarbeiter/-innen und 71 Prozent des medizinischen Personals geben an, psychisch belastet zu sein. Bei den Geschäftsführern/-innen, die in der Öffentlichkeit eher als psychisch belastet dargestellt werden, sind es "nur" 67 Prozent.

Betriebliche Gesundheitsvorsorge hilft

In den belastenden Berufen gibt es - mit Ausnahme des medizinischen Personals - auffällig wenig gesundheitsfördernde Maßnahmen im Betrieb: Mehr als zwei Dritteln der Köche/-innen, Berufsfahrer/-innen, Fabriksarbeiter/-innen und Bauarbeiter/-innen bietet die Arbeitgeberin/der Arbeitergeber überhaupt keine gesundheitsfördernde Maßnahme.

Wie es anders geht, sieht man in den Jobs, in denen die Beschäftigten eher gesund bleiben. Mehr als 20 Prozent der Beschäftigten in den Berufen Geschäftsführer/-in, Buchhalter/-in und Kindergärtenpädagoge/-in können sogar mehr als drei gesundheitsfördernde Angebote in Anspruch nehmen. Die Ergebnisse zeigen, dass schon wenige Maßnahmen die Gesundheitsbedingungen der Beschäftigten verbessern.

Krank zur Arbeit

Erneut bringt der Arbeitsgesundheitsmonitor zutage, dass viele Arbeitnehmer/-innen krank zur Arbeit gehen - oft an fast ebenso vielen Tagen wie sie im Krankenstand verbringen müssen. Berufskraftfahrer/-innen zum Beispiel gaben an, im letzten halben Jahr an rund zwölf Tagen krank gearbeitet zu haben und 14 Tage im Krankenstand gewesen zu sein. Bei den Baubeschäftigten und Kindergartenpädagogen/-innen waren es neun Tage, an denen sie krank zur Arbeit gegangen sind, beim medizinischen Personal acht Tage.

Arbeitsinspektion ausbauen, vorbildliche Betriebe belohnen "Unternehmerische Freiheit hat dort ihre Grenzen, wo sie auf Kosten der Gesundheit der arbeitenden Menschen geht. Der klassische Arbeitnehmerschutz muss ernster genommen, die psychischen Belastungen evaluiert und der Druck auf die Beschäftigten stark verringert werden", appelliert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer an die Arbeitgeber/-innen. Die Einhaltung der Arbeitnehmerschutzbestimmungen kontrollieren derzeit österreichweit rund 300 Arbeitsinspektoren/-innen. Um eine jährliche Überprüfung von Betrieben zu gewährleisten, wären laut Rechnungshof mehr als 2000 notwendig. "Die Arbeitsinspektion muss mehr Kompetenzen und Ressourcen bekommen", verlangt der Präsident.

Außerdem fordert Kalliauer, mit einem Bonus-Malus-System jene Unternehmen finanziell zu belohnen, die vorbildlich agieren, und jene in die Pflicht zu nehmen, die krankmachende Arbeitsbedingungen nicht abstellen.

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